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Annas neues Zeitalter: „Ich lerne gerade sehr viel dazu“

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Die Reha nützte Anna Veith zum Nachdenken. Der Skistar will mehr auf Körper und Gefühl hören. Das gilt auch für den Zeitpunkt der Rückkehr.

Von Susann Frank

Innsbruck –Auf dem Laufsteg machte Anna Veith (ehemals Fenninger) am Freitagabend eine blendende Figur. Problemlos lief die 27-Jährige bei der offiziellen Modenschau zur neuen Winterkollektion des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) über die Bühne des Salzburger Einkaufszentrums Europark. Kein Schritt verriet, dass sich die zweifache Gesamt-Weltcup- und Super-G-Olympiasiegerin von 2014 vor fast genau einem Jahr beim Training in Sölden eine schwere Knieverletzung (Kreuzband-, Patella­sehnen- und Innenbandriss) zugezogen hatte.

Mit der goldenen Teekanne im Gepäck, weil die Salzburgerin erneut zur beliebtesten heimischen Skifahrerin gewählt wurde, fuhr sie wieder zum Training. Zuvor verriet Veith jedoch, dass zwei Wochen vor dem Saisonstart in Sölden bei ihr noch nicht alles Gold ist, was glänzt, und dass sie in ihrer Reha-Zeit einiges über sich gelernt hat.

Veith über ...

... ihren Gesundheitszustand: „Meinem Knie geht es gut. Die Bänder sind alle stabil. Jetzt muss ich die Belastbarkeit meines Knies trainieren.“

... ihr anderes Knie, welches durch Vorschäden Probleme bereitet: „Ich hatte zuletzt Zeit, auch daran zu arbeiten, und habe einiges ausprobiert. Ich habe mir die Frage gestellt, wie ich die chronische Überbelastung wegbekomme. Sie hat ja einen Grund. Ich kann noch nicht sagen, geheilt zu sein. Aber ich kenne mich jetzt besser, kann besser einschätzen, was ich brauche und was nicht.“

... Trainingsintensitäten: „Es kommt auf die Bedingungen an. Die Steilheit der Piste und wie es mir persönlich geht. Aber natürlich reagiert das Knie immer wieder nach dem Training. Und ich bin öfter müde. Das ist für mich persönlich schwer, weil ich noch nie eine so schwere Verletzung gehabt habe. Ich darf die Belastungsgrenze nicht überschreiten – und im Vergleich zu früher bin ich bei weniger als die Hälfte. Zudem braucht der Körper nach der Belastung eine Pause.“

... ihre Comeback-Motivation: „Gesund werden und das Gefühl von einem schnellen Schwung. Diesen jeden Tag abrufen zu können, bei jeder Steilheit, bei jedem Schnee. Für das lohnt es sich zu arbeiten. Und wenn man das kann, kommt das Siegen auch wieder. Zuerst steht die Perfektion des Sports. Medaillen und Kugeln sind kein Grund, die habe ich schon.“

... ihren Rennspirit: „Bis zu einem gewissen Grad habe ich auch das Gefühl, ich kann es so gut wie früher. Es macht mir extrem viel Spaß. Es ist halt ein anderes Gefühl. Früher war ich es gewohnt, auf Schnee zu gehen und genau zu wissen, was ich tun muss. Jetzt ist es nicht mehr so. Der Körper bestimmt die Vorgangsweise und die Schnelligkeit. Das hat sich verändert. Aber grundsätzlich taugt es mir. Es ist eine neue Herausforderung. Ich lerne gerade sehr viel dazu.“

... ungekannte Unsicherheiten: „Ich habe primär Riesenslalom trainiert, aber auch schon zwei Tage Super-G und einen Tag Abfahrt geübt. In den beiden Disziplinen bin ich noch ganz, ganz weit weg. Ich habe Erfahrungen gesammelt, die ich nicht für möglich hielt. Ich habe mich gefragt: Was mache ich da eigentlich? Für mich war Geradeaus-Fahren und Geradlinig-auf-Tore-Zufahren immer selbstverständlich, und jetzt fange ich an zu überlegen: Geht sich das aus? Und dann mache ich es und erinnere mich daran, es schon einmal gemacht zu haben. Das sind Aha-Erlebnisse. Das ist ganz speziell.“

... einen möglichen Start beim Saisonauftakt: „Das habe ich noch nicht entschieden. Ich brauche noch mehr Umfang und Belastung. Einen Tag vor Sölden werde ich in mich reinhören und mich fragen: Bin ich bereit oder bin ich es nicht?“

... Gutes in der Verletzungszeit: Sportlich gesehen ist es natürlich ein Riesen-Rückschlag, aber ich lerne wirklich viel über mich selbst. Es heißt nicht umsonst, dass man aus Niederlagen mehr lernt als im Erfolg. Wenn man erfolgreich ist, fängt man nie zum Hinterfragen an. Jetzt frage ich mich: Was brauche ich?

... den Verletzungszeitpunkt: „Der Körper nimmt sich die Zeit, wenn er sie braucht. Es war über eine sehr lange Zeit sehr anstrengend, auf das sportlich hohe Niveau zu kommen. In einigen Phasen habe ich immer wieder zu viel aus mir rausgeholt. Nicht nur im Sport, sondern auch medial. So habe ich das auch verarbeitet. Ich muss mir mehr Zeit für mich gönnen. Ich muss mir meine Zeit besser einteilen!“

... Zeiteinteilung: „In sportlichen Pausen muss ich auch rundherum Pausen mache. Früher habe ich immer alles Mögliche nebenher gemacht.“

... den Ärger mit dem ÖSV im vorletzten Sommer: „Das Positive daran ist, dass ich jetzt mein perfektes Umfeld habe. Sonst wäre es mit dem Comeback noch viel schwieriger.“

... ihren geänderten Nachnamen durch die Hochzeit mit Manuel: „Das war für mich immer klar. Bevor ich überhaupt einen Namen gehabt hab­e. Es geht nicht darum, welchen Namen ich habe, sondern wer ich bin. Mein Name ist ja bekannt, weil ich die Anna bin, und nicht, weil der Name bekannt ist.“