Liebeskummer als Tischwein: „Gemischter Satz“ von Daniela Emminger
Wien (APA) - „Gemischter Satz“ heißt Daniela Emmingers neues Buch, mit dem es die in Wien lebende Oberösterreicherin auf die Longlist für de...
Wien (APA) - „Gemischter Satz“ heißt Daniela Emmingers neues Buch, mit dem es die in Wien lebende Oberösterreicherin auf die Longlist für den heuer erstmals vergebenen Österreichischen Buchpreis geschafft hat. Um gemischte Gefühle geht es in dieser Novelle, die sich am ältesten und am meisten verbreiteten aller literarischen Sujets abarbeitet: Glück und Kummer der Liebe.
„Es reicht mir wieder einmal mit meinen Altlasten und den Erfahrungen, die das Leben so mit sich bringt“, legt die Erzählerin gleich zu Beginn offen, dass es sich bei dem Text („Sie merken schon, ein normales Buch wird das nicht.“) um eine persönliche Konfliktbewältigung handelt, um ein Großreinemachen im eigenen emotionalen Chaos, um eine Abrechnung mit dem Gewesenen, die Platz - und möglicherweise Erkenntnisgewinn - schaffen soll für Neues.
Das Problem des Buches: Man fühlt sich wie eine beste Freundin ins Vertrauen gezogen, ohne beste Freundin (oder Freund) zu sein, wird mehrfach direkt angesprochen und kann doch nicht lenkend in den Redefluss eingreifen. „Sag zum Abschied leise Servus“, heißt ein Literaturförderungsprogramm der Bestattung Wien, für deren Unterstützung sich Emminger bedankt. Das wär‘s gewesen: kurz, gefühlvoll und schmerzlos. Doch über 100 Seiten ausgebreitet wirken die besprochenen Beziehungsprobleme mehr geschwätzig als originell erzählt.
Um Distanz zu schaffen, nennt sich die leidende Liebende „im Gedanken an die Brustlose von Catania“ Agathe (der Märtyrerin des 3. Jahrhunderts wurden, als sie ihren Verehrer nicht erhörte, von diesem die Brüste abgeschnitten, Anm.) und berichtet über ihre Beziehungsqualen in dritter Person. Warum es mit der namenlosen „Nummer sieben“ nicht geklappt hat, kann Agathe sich und den Lesern nicht so recht erklären. „Zweieinhalb Jahre, in denen sich ein Gemischter Satz aus Gramstauden, Eitelkeiten, Knickreben, Unwissen, Wunschdenken, schwachem Boden und mangelndem Niederschlag zusammengebraut hat“, sind zu Ende gegangen. Das Berlin-Abenteuer ist bitter gescheitert, nun ertrinkt Agathe, die sich solange die Eltern auf Urlaub sind ins ehemalige Fremdenzimmer ihres Elternhauses zurückgezogen hat, in Prosecco-Strömen und Selbstmitleid.
Doch das Leben geht weiter. Agathe entwickelt eine neue berufliche Perspektive als Köchin und muss feststellen, dass sie in Sachen Liebe nicht lernfähig ist. Als „Nummer sieben“ zerknirschte, rührselige Briefe schreibt, wird er rasch erhört und durch einen in Las Vegas geschlossenen Ehevertrag zur offiziellen Nummer acht - ein neuer Fehler, wie sich bald herausstellt.
An das Lesevergnügen und die freche Unbekümmertheit ihres im Vorjahr erschienenen Romans „Die Vergebung muss noch warten“ reicht Emmingers neues Buch nicht heran. Es gibt zwar durchaus auch erfrischende Formulierungen und spritzige Passagen, doch eine eigene, interessante Note hat dieser „Gemischte Satz“ nicht. Mehr Tisch- als Prädikatswein, wirkt er mehr als alltäglicher Durstlöscher denn als Genussmittel. Er wird weder eine Winzermedaille noch den Buchpreis gewinnen.
(S E R V I C E - Daniela Emminger: „Gemischter Satz“, Czernin Verlag, 112 S., 18,90 Euro)
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