Ein Plädoyer gegen öffentliches Jammern
Außerferns Bauernchef Richard Wörle: „Wir müssen zusammenstehen und stolz darauf sein, wer wir sind.“
Von Helmut Mittermayr
Breitenwang –Beim Bezirkstag der Außerferner Bauernschaft knöpfte sich die Vorarlberger Kommunikationsberaterin und VP-Abgeordnete Martina Rüscher die Jammertäler der Bauern vor. Im vollen Veranstaltungszentrum in Breitenwang hatte sie für die Vertreter der Zunft eine klare Botschaft: nämlich schönreden. Von der Landwirtschaft würden unterschiedliche Bilder gezeichnet und jeder male hier mit. Negatives an die nichtbäuerliche Öffentlichkeit heranzutragen, sei „komplett falsch“ und würde eine möglicherweise kritische Sicht des Konsumenten auf Bauern verfestigen. „Zeichnet ein Bild der Landwirtschaft nach außen, von dem ihr gerne hättet, dass ihr so wahrgenommen werdet“, forderte sie die Zuhörer auf, positiv zu denken und zu argumentieren. Ein weiterer Tipp: Empathie für die andere Seite, der man eine Botschaft überbringe. Die Wahrnehmung des Gesagten beim Gegenüber würde nämlich zu 90 Prozent durch dessen eigene Lebenserfahrung durchwirkt.
In der anschließenden Podiumsdiskussion hoffte Günter Salchner, Geschäftsführer der Regionalentwicklung Außerfern, dass es gelinge, eine regionale Marke wie etwa die Haiminger Markttage aufzubauen. So etwas gebe es bisher im Außerfern nicht. „80 Prozent der Außerferner Milch landet irgendwo im Supermarkt. Hier gibt es viel Diskussionsbedarf mit der größten Molkerei im Bezirk. Darüber müssen wir reden.“ Salchner brachte das Beispiel eines Allgäuer Milchverkäufers, der „sechs Euro für den Liter bekommt, nicht 27 Cent“. Für den Regionalmanager war gutes Marketing alles. Das zeige doch der Verkaufserfolg eines Getränkes wie Red Bull oder die Nespresso-Kapseln. Das müsste doch für die Milch auch gelingen, meinte er.
Die Reuttenerin Andrea Speckbacher brachte die Sicht des Lebensmittelsgroßhandels. Die Nachfrage vonseiten der Gastronomie nach „Regionalem“ sei stark gestiegen. Gut funktionieren würde die Zusammenarbeit mit bäuerlichen Genossenschaften, die vieles in Richtung Handel bündeln könnten. Als Beispiel nannte sie etwa den Speckbacher-Lieferanten „Erdäpfelkeller Silz“. Mengenverpflichtungen müssten die Landwirte natürlich nachkommen, was nicht immer leicht sei. Auch die Auszeichnungspflichtdurch Landwirte sei oftmals problematisch und werde nicht immer eingehalten.
Während Bezirksbäuerinnen-Stv. Andrea Friedle (Häselgehr) schon ein Drittel der am Hof erzeugten Milch via WhatsApp-Gruppe im näheren Umfeld privat zu einem deutlich besserem Preis verkauft und in dieser Selbstvermarktung eine Zukunft sieht, machte Landjugendbezirksleiterin Daniela Hunderpfund aus Lermoos keinen Hehl daraus, dass sie oftmals für junge Leute keine richtige Antwort auf die Frage habe, ob sie den Betrieb der Eltern weiterführen sollten. Bezirksbauernchef Richard Wörle wusste, dass nur noch jeder 45. Außerferner ein Bauer ist: „Trotz des Wandels müssen wir zusammenstehen und stolz darauf sein, wer wir sind.“
Kommentare