Deutsche Wirtschaft erwartet massiven Dämpfer durch Brexit
London/Berlin (APA/AFP) - Die deutsche Wirtschaft erwartet als Folge des voraussichtlichen Ausscheidens Großbritanniens aus der Europäischen...
London/Berlin (APA/AFP) - Die deutsche Wirtschaft erwartet als Folge des voraussichtlichen Ausscheidens Großbritanniens aus der Europäischen Union einen deutlichen Dämpfer für die Handelsbeziehungen. „Schon heute belastet das Thema Brexit die deutsche Wirtschaft“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, der „Welt“ vom Montag laut einer Vorabmeldung.
„Angesichts des Verfalls des britischen Pfunds werden deutsche Produkte im Königreich erheblich teurer“, sagte Wansleben. „Unser Exportwachstum nach Großbritannien wird auch deshalb in diesem Jahr unter die Nulllinie zurückfallen“, ergänzte er. Auch eine DIHK-Umfrage unter rund 5600 Firmen zeige, dass erste Auswirkungen der Entscheidung der Briten bereits spürbar seien, obwohl der Fahrplan für einen Brexit noch gar nicht stehe.
Zwei Drittel der befragten Unternehmen rechnen den Angaben zufolge während der Verhandlungsphase zumindest noch mit einem konstanten bilateralen Handel. Nach einem vollzogenen Austritt aus der EU erwartet jedoch mittelfristig rund die Hälfte der Unternehmen sinkende Ausfuhren nach Großbritannien. Der DIHK rechnet konkret mit einem Rückgang der deutschen Exporte in das Land von einem Prozent im Jahr 2016 und von fünf Prozent im Jahr darauf.
Laut DIHK sinkt bei deutschen Unternehmen schon die Bereitschaft, in Großbritannien zu investieren. Anders als bei ihren Ein- und Ausfuhren reagierten die Unternehmen bei Investitionsentscheidungen bereits. Bis klar sei, wie der Brexit vollzogen werde und welchen Status Großbritannien anschließend habe, sei das Land „als Investitionsstandort für ausländische Unternehmen unattraktiv“, sagte Wansleben.
Mit Vollzug des EU-Austritts befürchten die meisten deutschen Unternehmen den Angaben zufolge neue Handelshemmnisse, etwa die Vorlage von Bescheinigungen und Dokumenten beim Handelsaustausch aufgrund unterschiedlicher rechtlicher Vorgaben in Großbritannien und den EU-Staaten. 73 Prozent der befragten Unternehmen erwarteten mehr Bürokratie. Unterschiede in der Rechtsetzung könnten ebenfalls zu höheren Kosten und Lieferverzögerungen führen.
71 Prozent der Befragten erwarten demnach eine Zunahme politischer und rechtlicher Unsicherheit, 68 Prozent stellen sich auf tarifäre Handelshürden ein, zum Beispiel auf steigende Zölle. Immerhin fast ein Viertel sehe ein grundsätzliches und EU-weites Problem auf die Wirtschaft zukommen und gehe davon aus, dass sich im Zuge eines Brexits das Wirtschaftswachstum in der EU für mehrere Jahre verlangsamt.
(Die Äußerungen Wanslebens liegen AFP in redaktioneller Fassung vor.)
Kommentare