Tirol

Lawinengefahr in Tirol: “Situation ist nicht positiv“

In schattigen Hängen hat sich bereits jetzt durch Windverfrachtungen eine instabile bodennahe Schneeschicht gebildet.
© Thomas Böhm

Der jüngste Schneefall auf den Bergen könnte die Basis für einen Lawinenwinter sein.

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck –Kalt, schattig, windig. Und natürlich Schnee. Es sind diese Zutaten, die bei Rudi Mair und seinem Team vom Lawinenwarndienst Tirol regelmäßig die Alarmglocken schrillen lassen. Denn meist besteht dann akute Lawinengefahr. „Wind verfrachtet den Schnee, Kälte und Schatten sorgen dafür, dass sich die Schicht nicht setzen kann“, erklärt Rudi Mair. Während Sonneneinstrahlung und Wärme dafür verantwortlich sind, dass sich der Schnee verbindet und die Schicht elastisch und damit belastbar wird, bleibt in schattigen Hängen eine spröde instabile Schicht liegen. Sie ist die Basis für zahlreiche Lawinen des Winters und stellt bis in den Spätfrühling hinein eine potenzielle Gefahr dar.

„Auch wenn es im Tal noch nicht danach aussieht – im Gebirge haben wir schon Winter. Vor allem im Gletscherbereich hat die Lawinensaison bereits begonnen“, mahnt Rudi Mair vor dem Hintergrund des tragischen Lawinenunglücks vom Sonntag, bei dem ein 25-jähriger Bergsteiger am Hintertuxer Gletscher ums Leben gekommen ist. Ab einer Höhe von 2500 Metern müsse man aufgrund der bodenna­hen Schwachschichten je nach Lage des Hangs bereits von einer erhöhten Lawinengefahr ausgehen.

Lawinenabgänge Mitte Oktober sind laut dem erfahrenen Experten, der heuer in seiner Funktion als Lawinenwarner in die 27. Saison startet, nicht ungewöhnlich. „Frühe Wintereinbrüche gibt es immer wieder, auch wenn es uns lieber wäre, es würde erst Ende November oder Anfang Dezember schneien. Dafür dann einmal ordentlich und immer wieder einmal zwischen 20 und 30 Zentimeter“, sagt Mair. So könnten sich die Schichten verfestigen und eine stabile Grundlage für den ganzen Winter bilden. „Wie sich die Situation derzeit aber darstellt, ist es sicher nicht positiv“, meint der Experte. Die vorhandenen bodenna­hen Schwachschichten würden irgendwann im Winter zugeschneit, und viele Tourengeher hätten diese dann nicht mehr auf der Rechnung.

Für den Lawinenwarndienst beginnt die tägliche Analysearbeit auf den Bergen dann, wenn der Winter auch in tieferen Lagen Einzug gehalten hat und die meisten Skigebiete ihren Betrieb aufgenommen haben. Bis dahin erhalten Bergsportler über den Blog des Lawinenwarndienstes Tirol unter lawinenwarndienst.blogspot.co.at Auskünfte über die Lawinensituation in Tirol.

Für den bevorstehenden Winter wünscht sich Rudi Mair, dass die Wintersportler stets die richtige Ausrüstung dabei haben, die Empfehlungen des Lawinenwarndienstes ernst nehmen und im Zweifel lieber auf eine Tour verzichten. „Es wird auch heuer wieder genügend tolle Tage mit traumhaften Bedingungen geben“, ist er überzeugt. Daher müsse sich niemand leichtfertig in eine gefährliche Situation begeben.

Für Sie im Bezirk Innsbruck unterwegs:

Michael Domanig

Michael Domanig

+4350403 2561

Hannah Purner

Hannah Purner

+4350403 2158

Verena Langegger

Verena Langegger

+4350403 2162

Alexandra Plank

Alexandra Plank

+4350403 2143