Hauptsache, er kommt - Der Papst gedenkt in Schweden der Reformation
Vatikanstadt/Lund (dpa) - Über Franziskus wird immer wieder gesagt, mit ihm als Papst sei im Vatikan ein neues Zeitalter angebrochen. Da pas...
Vatikanstadt/Lund (dpa) - Über Franziskus wird immer wieder gesagt, mit ihm als Papst sei im Vatikan ein neues Zeitalter angebrochen. Da passt es nur ins Bild, dass er sich am 499. Jahrestag der Reformation (31. Oktober 2016) aufmacht nach Schweden, um mit lutherischen Geistlichen gemeinsam des großen Umbruchs von 1517 zu gedenken.
Diese Geste ist nicht nur für die Lutheraner eine bedeutende. Vor allem für die Ökumene, für den Dialog zwischen den seit fast 500 Jahren gespaltenen Konfessionen, ist der Besuch von Franziskus ein Hoffnungsschimmer.
„Es ist ein großartiges Zeichen, es hat uns unheimlich Mut gemacht“, sagt der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge. „Wir sind dankbar, dass der Papst diese Reise auf sich nimmt und dass er auch bereit ist, öffentlich für diesen ökumenischen Durchbruch, den wir suchen wollen, vom Konflikt zur Gemeinschaft, auch mitzugehen.“ Doch reicht ein gemeinsames Reformationsgedenken, den Hunderte Jahre währenden Konflikt beizulegen - und die Einheit zu erreichen? Ganz sicher nicht.
Aber dass sich der Papst und mit ihm seine Kirche zum Auftakt des Reformationsjubiläums aktiv mit dem vom Reformator Martin Luther angestoßenen Umbruch auseinandersetzt, ist nicht selbstverständlich. Franziskus ist für viele der „evangelischste“ Papst seit langem, es gab mehrfach Momente der Annäherung, so etwa, als er 2015 der lutherischen Gemeinde in Rom einen Abendmahlskelch schenkte.
Gleichzeitig betont auch Franziskus immer wieder, dass in Lehre und Praxis weiterhin zahlreiche Differenzen zwischen den Christen bestehen. Die finden sich vor allem im Selbstverständnis der Kirchen, in ihren Sakramenten, in den Ämtern, in der (Sexual-)Moral und kirchlichen Gesetzen.
Und Einigkeit gibt es schon gar nicht bei der Bewertung der Konsequenzen, die Luthers Thesenanschlag mit sich brachte: Für viele Katholiken ist die Trennung der Christen Skandal, Sünde. Für die Lutheraner steht Reformation dagegen vor allem für Aufbruch, wie der Ökumene-Experte von der Universität Münster, Hans-Peter Großhans, erklärt.
Wie nähert man sich unter solchen Anzeichen dann einer Veranstaltung wie in Lund? „Mit großer Freude - oder mit Wehklagen?“, fragt Monsignore Matthias Türk, der für den Dialog mit dem Lutherischen Weltbund im Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen zuständig ist. „Wir blicken nicht nur auf 500 Jahre Trennungsgeschichte, sondern auch auf 50 Jahre gemeinsamen offiziellen ökumenischen Dialog.“ Deshalb stehe das Reformationsgedenken unter drei Gesichtspunkten: Freude über den Dialog und die damit erreichte Gemeinschaft, Vergebungsbitte für das einander angetane Unrecht und der Verpflichtung zu einem gemeinsamen christlichen Zeugnis der Welt von heute gegenüber.
Bei ihrer Begegnung wollen Franziskus und Bischof Munib Younan, der Präsident des Lutherischen Weltbunds, eine gemeinsame Erklärung abgeben - was darin stehen wird, ist nicht bekannt. Wird die katholische Kirche etwa den Kirchenbann über Reformator Martin Luther nun als Fehler bezeichnen? Wohl kaum. Wird sie sich womöglich auf ein gemeinsames Abendmahl einlassen? Auch das gilt als unwahrscheinlich, da die Differenzen in dieser Hinsicht viel zu groß sind.
„Ich persönlich würde die Bedeutung dieser Begegnung nicht daran messen, was da für ein Resultat rauskommt“, sagt Wissenschaftler Großhans. „Dass das Reformationsgedenken von der Spitze der katholischen Kirche mitvollzogen wird, ist eine tolle Sache.“ Welche Konsequenzen das dann für die Verarbeitung der Reformation in der katholischen Theologie und Kirche habe, bleibe vielleicht eine offene Frage. „Es ist doch aber immer schon mal das beste, dass einer selbst kommt. Und ob er dann noch eine Flasche Wein mitbringt oder eine ganze Kiste, ist doch sekundär.“
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