Dolomitenrundfahrt nach Unfall in Kärnten in Schwebe

Ein Radfahrer ist nach einem Sturz bei einem Rennen gelähmt, die Justiz prüft die Schuldfrage. Das Land Kärnten bewertet nun alle Rennen neu.

© EXPA Pictures

Von Catharina Oblasser

Lienz, Klagenfurt –Ein Radrennen im Bezirk Spittal an der Drau im Sommer endete für einen Teilnehmer tragisch. Der Mann, der mit über 50 Stundenkilometern unterwegs war, stürzte. Seither ist er querschnittgelähmt.

Ein Nachspiel hat dieser Unfall allerdings auch für andere: Gegen den Beamten, der das Rennen genehmigt hatte, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung. Zwar unterschreiben Teilnehmer bei allen derartigen Rennen eine Klausel, dass sie auf eigene Gefahr mitmachen. Doch im Fall des nun Gelähmten erstattete die Polizei wegen der Schwere der Verletzung Anzeige gegen unbekannt. Daraufhin nahm ein Gutachter die Straße in Augenschein und ortete einen großen Riss in der Fahrbahn, der möglicherweise den fatalen Sturz verursachte.

Nun dreht sich alles um die Frage der Haftung. Viele Straßen in Kärnten sind desolat. Die Frage ist, ob das betreffende Rennen deshalb gar nicht hätte genehmigt werden dürfen. Die Unsicherheiten betreffen auch die Dolomitenradrundfahrt am 10. und 11. Juni, die teils durch Kärnten führt. Am 29. November hält das Land Kärnten eine Krisensitzung über das weitere Vorgehen bei solchen Sportveranstaltungen ab.

Heimo Lemberger ist jener Beamte, der auf Kärntner Seite für die Genehmigungen der Dolomitenrundfahrt zuständig ist, und das schon seit vielen Jahren. „Ich kenne die Strecke gut und bin selbst schon mitgefahren“, erklärt Lemberger im Gespräch mit der TT. Probleme sieht er auf der Rennroute im Kärntner Lesachtal. „Dort gibt es Straßenteile der Güteklasse 4 und 5.“ Auf der Skala der Güteklasse ist 5 die schlechteste Bewertung.

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Dennoch hofft Lemberger bei der Sitzung am 29. November auf eine Lösung, die für alle gangbar ist. Wer welche Verantwortung trägt, solle noch einmal im Detail festgehalten werden. „Es ist schon klar, dass die Straßen saniert gehören. Aber es ist auch klar, dass, wenn es tatsächlich zu einer Anklage kommt, kein einziger Beamter jemals wieder ein Radrennen genehmigen wird“, sagt Lemberger. „Das ist dann das Ende des Radsportlandes Kärnten.“

Franz Theurl, Veranstalter der Dolomitenradrundfahrt, nimmt die Behörde in Schutz: „Zu meinen Erfahrungen mit der Kärntner Landesregierung bzw. mit der Verkehrsabteilung muss ich festhalten, dass ich nun schon 30 Jahre die Dolomitenradrundfahrt als verantwortlicher Organisator und Obmann des LRC ausrichte. Dabei konnte ich immer ein äußerst professionelles Vorgehen feststellen, wobei auch sehr Bedacht auf die Gefahren, den Zustand der Straßen und die erforderlichen Maßnahmen genommen wurde.“ So würden zum Beispiel Streckenposten an unübersichtlichen Stellen postiert. „Auf einer Strecke von über 100 Kilometern wird es schwer möglich sein, alle Risse oder Löcher im Straßenbelag zu eruieren“, meint Theurl. „Es wird wohl niemand annehmen, dass durch einen Bescheid ein Unfall zu 100 Prozent ausgeschlossen werden kann.“


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