Novelle erzwingt kompletten Neustart an der Pflegeschule

Im Gesundheits- und Sozialbereich kommen neue Berufe auf den Arbeitsmarkt. Die Pflegeschule Reutte bringt sich bereits in Stellung.

© Pflegeschule Reutte

Von Simone Tschol

Ehenbichl –Der demografische Wandel ist nicht aufzuhalten. Damit einher geht auch ein höherer Bedarf an Pflegekräften. Um ein Angebot-Nachfrage-Ungleichgewicht zu vermeiden, wurde das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz novelliert. Mit weitreichenden Folgen. Kein Beruf bleibt, wie er war. Alles wurde komplett umgestellt. Davon betroffen ist auch die Pflegeschule Reutte.

Konkret bedeutet das, dass die bisherigen Kurse (Pflegehilfe und Diplomausbildung) auslaufen. Alles beginnt bei null. Wie Direktor Peter Mittermayr erklärt, wird es den Beruf des Pflegehelfers künftig nicht mehr geben, stattdessen werden ab April 2017 erste Pflegeassistenten ausgebildet, denen auch mehr Kompetenzen übertragen werden. Der Einstieg ist mit 17 Jahren und Pflichtschulabschluss möglich.

Als zweiten neuen Beruf gibt es künftig die Pflegefachassistenz, eine zweijährige Ausbildung. Pflegefachassistenten haben etwas weniger Kompetenzen wie die bisherigen Diplompfleger, deren Ausbildung aus dem Lehrplan komplett verschwinden wird. Mittermayr: „Damit fällt unser Standbein weg. Dafür wird es ab 2019 bei uns in Reutte ein Bachelorstudium geben. Um dies in Kooperation mit der Fachhochschule für Gesundheit in Innsbruck anbieten zu können, haben unsere Lehrer Masterstudien absolviert oder sind gerade dabei, diese abzuschließen.“ Der Zugang hierfür ist dann nur noch mit Matura, Berufsreife- bzw. Studienberechtigungsprüfung möglich. Darin ortet Mittermayr auch den eigentlichen Grund für die Gesetzesnovelle: „Wir haben in Österreich über 40 Prozent Maturanten. Damit schafft man für diese Gruppe junger Menschen ein ganz neues Berufsfeld.“

So stolz der Direktor auf das neue Angebot auch ist, es bereitet ihm auch ein wenig Sorge. „Das Außerfern ist nicht groß, die Durchlässigkeit gering. Wenn man bedenkt, wie wenig Maturanten vergleichsweise in unserem Bezirk auf den Markt kommen, wird es sicher schwer werden, die Klassen zu füllen und entsprechend akademisches Personal für den Gesundheits- und Sozialbereich bei uns ausbilden zu können.“ Den Kopf in den Sand zu stecken, ist aber nicht sein Ding, im Gegenteil. Mittermayr linst stattdessen über den Fernpass: „Schon jetzt kommt ein Drittel unserer Schüler aus dem Oberland, auch das Allgäu ist nah.“

Um den hohen Bedarf der Pflegebedürftigen abdecken zu können, seien aber nicht nur Akademiker, sondern vor allem Pflegeassistenten und -fachassistenten gefragt. AMS-Chef Klaus Witting bekräftigt: „‚Gesundheit und Soziales‘ ist einer der wenigen Wirtschaftsbereiche, wo noch Wachstum stattfindet.“ Derzeit sind rund 1000 Personen im Außerfern auf diesem Gebiet beschäftigt, Tendenz steigend. Für das AMS ein Grund mehr, Wiedereinsteiger oder Personen, die umschulen möchten, zu unterstützen.

Wie Aurel Schmidhofer, Obmann des Krankenhausverbandes, etwas salopp beschreibt, haben Pflegeassistenten beste Berufschancen: „Die gehen weg wie die warmen Semmeln.“

Möglichkeiten etwa bietet der Sozial- und Gesundheitssprengel (SGS). 30 Mitarbeiter betreuen über das Jahr gerechnet über 400 Klienten, wie Alexandra Huber, stellvertretende Pflegedienstleiterin im SGS, erklärt. Der SGS übernimmt damit die Pufferfunktion schlechthin, denn die Altenwohn- und Pflegeheime Haus Ehrenberg (aktuell 81 Bewohner, 60 Mitarbeiter und 97 % Auslastung) sowie das Haus zum guten Hirten (64 Bewohner, 45 Pflegekräfte und ebenfalls 97 % ausgelastet) könnten den Bedarf nie und nimmer decken.

Eine Übersicht über die neuen Ausbildungsmöglichkeiten an der Pflegeschule Reutte ist im Internet unter www.pflegeschule-reutte.at zu finden, ausführliche Infos gibt’s bei Direktor Mittermayr unter Tel. 05672/65033-200.


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