Jazzen, Jodeln und Juchzen auf Vinyl

Innsbruck – Das Schweizer-tirolerische Trio Jütz, bestehend aus Isa Kurz, Daniel Woodtli und Philipp Moll, legte nach seinem Debütalbum auf ...

Innsbruck –Das Schweizer-tirolerische Trio Jütz, bestehend aus Isa Kurz, Daniel Woodtli und Philipp Moll, legte nach seinem Debütalbum auf CD nun eine Version in Vinyl vor, auf der vor allem die B-Seite mit neuen Stücken glänzt. Beinahe ein Jahr nach der Aufnahme im Dezember 2015 erfolgte die Plattentaufe im Treibhaus, mit allem, was dazugehört: Schnaps, dem Land Tirol die Treue und unserem Landeshelden in Mantua. Wer nun aber glaubt, von einem Zeltfest zu lesen, der irrt. Das Trio Jütz arrangiert („verjützt“) Volksliedgut und Musik aus dem Alpenraum mit Elementen aus Jazz, Klassik und Pop auf höchstem Niveau.

Alle drei sind herausragende Multiinstrumentalisten, die musikalischer Humor und augenzwinkernde Ironie verbindet, was sie an diesem Konzertabend eindrucksvoll bewiesen. Jütz entführte auf eine akustische Panoramafahrt von der Schweiz nach Tirol, auch für das „Zwischengebiet“ (Vorarlberg) hatten sie ein Ohr offen. Das Lokalkolorit wurde von japanischen, arabischen oder indischen Akzenten unterbrochen und immer wieder wurde klanglich ein „Jütz“ eingebaut, mal als Jucheza, als High-Hat oder gar als Trinkspruch. Mit dieser Platte aus der Reihe der „Studiokonzerte“ präsentierte Jütz ein analoges Produkt von hoher Tonqualität für ein audiophiles und technikaf­fines Publikum. Studiokonzerte sind eine Besonderheit der Bauerstudios, die ausgewählten Künstlern die Möglichkeit bieten, vor Publikum mit eigenem Tonmeister ein Konzert in ihrem Studio in Ludwigsburg direkt einzuspielen. Eine solche Live-Aufnahme mit analogem Equipment fängt den Moment unmittelbar ein, lässt jedoch keinerlei Nachbereitung zu. Am Konzertabend gaben die drei alles: jodelnde Walzerklänge, gemischt mit Jazz, Blues, echter Volksmusik und dazwischen Zitate aus Klassik, Film-, Blas- oder Marschmusik. Und wenn der Kontrabass das Herzklopfen zu „In die Berg bin i gern“ imitierte, war das nicht kitschig, sondern anrührend, denn was der vom Kitsch und Kommerz gebeutelten Volksseele guttut, sind Qualität und ein Funken Selbstironie. (cp)

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