Tirol

Falsche Anschuldigung führte zu Anti-Terror-Einsatz in Innsbruck

Opfer einer Verleumdung: Wenige Stunden nach der Festnahme war der unschuldige 29-Jährige wieder frei.
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Terroralarm in Innsbruck: Die Cobra nahm am Samstag einen 29-jährigen Syrer fest, doch der Verdacht löste sich rasch in Luft auf. Der Mann war aus Eifersucht belastet worden.

Innsbruck – Es begann mit einer anonymen E-Mail an das Innenministerium am Donnerstag: Darin beschuldigte der Absender einen 29-jährigen Syrer, ein IS-Terrorist und Kommandant einer IS-Zelle zu sein. Er plane außerdem einen Anschlag auf eine Theaterpremiere am Samstag in Innsbruck. Am Samstagnachmittag wurde der 29-Jährige von Cobra-Beamten in einer Wohnung in der Innsbrucker Innenstadt festgenommen – die TT berichtete.

Wenige Stunden später war der Syrer wieder frei. Die Anschuldigungen waren völlig haltlos. Der vermeintliche Täter war Opfer einer Verleumdung geworden. „Das Motiv dürfte Eifersucht gewesen sein“, sagt Peter Oehm, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, gegenüber der Tiroler Tageszeitung Online am Samstagabend. Absender der E-Mail war ein 61-jähriger Österreicher, der derzeit auf Urlaub in Rumänien ist. Er habe verhindern wollen, dass seine Lebensgefährtin mit dem jungen Mann zu besagter Theaterpremiere gehe, erklärte er gegenüber den Ermittlern.

Vorverurteilung im Internet

Gleichzeitig nahmen die Beamten Kontakt mit Nikolaus Granbacher vom Theater diemonopol in Innsbruck auf, wo die Vorstellung stattfinden sollte. „Das Innenministerium hat mich über den Verdacht eines möglichen Anschlags informiert“, sagte Granbacher. Das Theater wurde auf Sprengstoff untersucht, um 19 Uhr kam dann die Entwarnung. „Die Vorstellung hätte in jedem Fall stattgefunden“, sagte er – allerdings unter dem Schutz der Polizei.

Der Syrer sei ein „armes Opfer“, sagte Oehm. Auch in den sozialen Netzwerken: Simone Rabl von der Diakonie Flüchtlingsdienst, die den 29-jährigen Syrer persönlich kennt, beklagte die sofortige Vorverurteilung des Flüchtlings im Internet. „In den sozialen Medien wurde er schon verurteilt, bevor die Polizei die Ermittlungen beendet hatte. Der Hass war sofort spürbar.“ Mitbewohner des Syrers hätten ihr außerdem geschildert, wie die Beamten die Wohnung gestürmt hätten: „Dabei gingen viele Türen kaputt“, sagte Rabl gegenüber der TT.

Der Verfasser des E-Mails wird wegen Verleumdung und Vortäuschung einer gerichtlich strafbaren Handlung angezeigt. Die enormen Kosten für den Einsatz sollen ihm nun in Rechnung gestellt werden. (ms, mats, TT.com)

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