F1-Champ Rosberg: „Schumacher hat Anteil an Titel“

In der Stunde seines größten Triumphes dachte Nico Rosberg an Michael Schumacher. Der Deutsche nutzte seine vielleicht letzte Chance, im mit Abstand besten Auto die WM zu erobern.

Nico Rosberg ist endlich am Ziel seiner Träume angelangt.
© AFP

Abu Dhabi - Vor dem ersten PR-Auftritt als Formel-1-Weltmeister in Malaysia dachte der von einer schweren Last befreite Nico Rosberg in seiner Triumphnacht auch an Michael Schumacher. „Ich hoffe, dass er es mitbekommt, dass ich hier gewonnen habe. Er hat auch einen Anteil an diesem Erfolg“, zollte der aus dem Schatten seines Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton getretene Deutsche dem Rekordchampion Respekt.

„Er war drei Jahre hier, hat gepusht drei Jahre, dass das Team vorankommt. Es war ein sehr interessantes Erlebnis, mit Sicherheit habe ich von diesem Erlebnis einiges auf den Weg mitgenommen“, beschrieb Rosberg den Wirkungsgrad Schumachers, der von 2010 bis 2012 für Mercedes gefahren war.

Von Rosberg ist mit dem in Abu Dhabi errungenen Titel riesiger Druck abgefallen. Endlich bezwang er Hamilton in einem WM-Duell, endlich ist er die Vergleiche mit seinem Vater Keke los, der 1982 Weltmeister wurde. „Das war sicher meine beste Saison, und ich bin meine besten Rennen gefahren. In den letzten Rennen hat man aber nicht den wahren Nico gesehen, weil dich der Druck einbremst“, betonte der 31-Jährige. „Das ist eine Erfahrung mehr, die mich stärker macht.“

Regelreform soll Mercedes bremsen

Womöglich war es für Rosberg die letzte Chance, im mit Abstand besten Auto die WM zu holen. 2017 soll eine Regelreform den Branchenprimus einbremsen. Die Autos werden breiter und schneller, der Wettbewerb soll enger werden. Hamilton wird seinem Sturz vom WM-Thron mit neuer Entschlossenheit begegnen. „Ich freue mich schon auf den Fight mit ihm“, verkündete der britische Abu-Dhabi-Sieger.

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Wie tief die Wut über den Verlust der WM-Krone bei Hamilton sitzt, zeigte sich schon in den Schlussrunden auf dem Yas Marina Circuit. Stur ignorierte er die Anweisungen von der Box, schneller zu fahren, weil er in der schwindenden Hoffnung auf den Titel seinen Verfolger Rosberg in weitere Zweikämpfe mit Sebastian Vettel und Max Verstappen verwickeln wollte. Intern droht Hamilton dafür noch eine Strafe.

Rosberg hielt dem Druck aber bravourös stand. „Die erste WM ist die schwierigste überhaupt“, sagte Teamaufsichtsrat Niki Lauda. Rosberg sei an „Hamilton gewachsen, der vielleicht der schnellste und talentierteste Fahrer der Neuzeit ist. Er ist immer cool geblieben und deshalb Weltmeister geworden“. Die „Gulf News“ lobte Rosbergs mentale Stärke: „Der Deutsche hat Nerven aus Stahl, um den britischen Rivalen in Schach zu halten.“ Martialisch schrieb die „Khaleej Times“: „Hamilton gewann die Schlacht, Rosberg aber den Krieg.“

Abschlussgala am Freitag in Wien

Erst der Sponsorenauftritt am Dienstag in Kuala Lumpur, dann die Saison-Abschlussgala am Freitag in Wien, wo Rosberg als Weltmeister geehrt und zuvor noch der Motorsport-Weltrat am Mittwoch den endgültigen Kalender für 2017 absegnen wird. Da sich der Hockenheimring nicht mit Chefvermarkter Bernie Ecclestone finanziell einigen konnte, wird es kein Heimspiel für Rosberg im nächsten Jahr geben. „Ich hoffe, dass das Rennen doch im Kalender ist“, hatte Motorsportchef Wolff schon vor Krönungsfahrt des Deutschen gesagt.

Doch der Faktor Rosberg allein wird kaum zum Umdenken führen. Den Boom, den „Schumi“ Ende August 1991 in Deutschland mit seinem Formel-1-Debüt ausgelöst hatte, konnte nicht einmal der vierfache Weltmeister Vettel neu beleben. „Meine persönliche Meinung ist, dass die Deutschen ein bisschen einen Kater haben, nachdem Michael und Sebastian über die Jahre soviel gewonnen haben“, erklärte Wolff. Rosberg wird da einen neuen Schub kaum schaffen. „Vielleicht ändert sich in Zukunft ja etwas“, meinte Wolff. „Es wäre großartig, wenn Nico die Leidenschaft neu entfachen könnte.“ (APA)

Pressestimmen zu Rosbergs WM-Triumph

Deutschland

Bild:

Rosbergs Stern-Stunde. Erster deutscher Weltmeister im deutschen Auto!

Die Welt:

Raus aus dem Schatten. Die letzten Meter glichen einer Ehrenrunde. Nach dem zweiten Platz in Abu Dhabi ist Nico Rosberg endgültig in die Fußstapfen seines Vaters Keke getreten: Erstmals seit 1982 heißt der Formel-1-Weltmeister wieder Rosberg, nach Schumacher und Vettel steht wieder ein Deutscher ganz oben. Was für ein Triumph!

Frankfurter Allgemeine Zeitung:

Rosbergs Triumph über den Trickser. Als rollende Blockade versucht Hamilton den WM-Sieg seines Teamkollegen zu verhindern. Aber der Deutsche behält die Nerven und wird Formel-1-Champion.

Süddeutsche Zeitung:

Mit Geduld zum Kindheitstraum. Nach mehr als zehn Jahren Anlauf wird Nico Rosberg Formel-1-Weltmeister.

Vereinigte Arabische Emirate

Gulf News:

Der Deutsche hat Nerven aus Stahl, um den britischen Rivalen in Schach zu halten.

Khaleej Times:

Hamilton gewann die Schlacht, Rosberg aber den Krieg.

Großbritannien

The Guardian:

Nico Rosbergs erster Formel-1-Titel war ein klassischer Sieg für den fleißigen, hartnäckigen Wettkämpfer über einen talentierteren Gegner. Es war der Triumph des Retrievers über den Windhund, der Schildkröte über den Hasen.

The Times:

Champion Rosberg tritt aus Hamiltons Schatten. Als es drauf ankam, hatte der Bursche mit dem Spitznamen Britney Nerven aus Stahl. Am Ende war Nico Rosberg so erschöpft, dass er aussah, als wäre er aus dem warmen Wasser des Persischen Golfs gezogen und über eine Wäscheleine gehängt worden.

The Telegraph:

Über Jahre war Rosberg ein unterbewertetes Talent, nun bekommt er die Anerkennung, die er verdient. Lewis Hamilton könnte von Mercedes suspendiert werden, nachdem er frech und mehrfach die Teamorder missachtete.

Daily Express:

Anarchie. Mercedes wütend, Hamilton droht der Rauswurf.

Italien

La Gazzetta dello Sport:

Der König ist Nico. Ist es ein verdienter Titel, den er gewonnen hat, gegen Lewis Hamilton, der ihm bis auf die letzten Meter eine harte Nuss zu knacken gegeben hat? Ja, weil die Titel nicht nur mit Schnelligkeit - eine Gabe, die ihm beileibe nicht fehlte -, sondern auch mit dem Kopf gewonnen werden. Und Rosberg hat hauptsächlich seine mentale Kraft genutzt, um die Oberhand über Hamilton zu bekommen.

Corriere dello Sport:

Rosberg - der normale König. Wie ein Elfe unter den Giganten.

Frankreich

L‘Equipe:

Lewis Hamilton hatte die Gunst der Prognosen nicht auf seiner Seite, und mit 12 Punkten Rückstand brauchte er ein Wunder, um die Hoffnung zu wahren, seinen Weltmeistertitel zu behalten. Also hat der Engländer sich entschieden, dem Schicksal ein bisschen nachzuhelfen. Am Anfang und am Ende des Rennens hat er eindeutig nicht die ganze Kraft seines Mercedes-Motors genutzt, um seinen Rivalen unter dem Druck seiner Verfolger zu halten.

Le Figaro:

Man muss sagen, dass Rosberg und Hamilton wie Tag und Nacht sind. So sehr der Brite die Idee eines sich zur Extravaganz bekennenden Jet-Setters verkörpert, so sehr gilt der Deutsche als idealer Schwiegersohn und guter Familienvater.

Schweiz

Neue Zürcher Zeitung:

Rosberg hat Hamilton entthront, auf dem Podest in Abu Dhabi gaben sich die beiden Mercedes-Rivalen brav die Hände, umarmten sich sogar. Doch die beiden werden sich auch künftig nichts schenken, das ist die Botschaft der letzten, entscheidenden Runden auf der Wüsteninsel Yas.

Tagesanzeiger:

Hamilton lässt Rosberg leiden. Der Brite fährt langsam und gefährdet Rosbergs Rennen. Der Chef hat wenig Freude.


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