Bestechung: Freispruch für Direktorin

Prozess gegen eine Schulleiterin, weil sie für den Kauf von Schulbüchern Provision verlangt haben soll. Doch das Gericht sprach sie gestern frei.

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Von Marco Witting

Innsbruck –Vieles war gestern am Beginn einer durchaus delikaten Verhandlung am Innsbrucker Landesgericht unklar. Fix war nur: Hier stand Aussage gegen Aussage. Der Vorwurf gegen eine Tiroler Schuldirektorin war schwerwiegend. Für den Bezug von Schulbüchern soll sie Ende Jänner 2014 von einem Buchhändler zehn Prozent Provision, also rund 3000 Euro, verlangt haben. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft leitete ein Verfahren wegen Bestechlichkeit ein. In dem sprach Richter Andreas Mair die Frau gestern dann allerdings – nicht rechtskräftig – frei.

Die Direktorin hatte die Anschuldigungen stets vehement bestritten. Sie schilderte den Fall außerdem ganz anders. Sie habe ihm beim Treffen, dem ersten mit dem Händler überhaupt, den Auftrag entziehen wollen. Dem vorausgegangen seien interne Querelen und Meinungsverschiedenheiten über den Einfluss des Händlers in der Schule. Dieser war in anderer Funktion auch Kooperationspartner für einen Schulzweig. Geld habe sie nie verlangt, erklärte die Direktorin, die in der Verhandlung auf ihr stattliches Gehalt und Eigentumswohnung sowie Haus verwies. Letztlich habe sie aus Sorge um den Schulzweig den Schulbuchauftrag 2014 aber noch einmal an den Händler gegeben.

Ein Jahr später wechselte die Direktorin dann den Buchlieferanten. Erst danach, im Früling 2015, ging der Mann mit einer Sachverhaltsdarstellung zum Landesschulrat.

Warum er damit so lange gewartet habe, fragte Richter Mair. „Als sie mir den Auftrag per Fax entzogen hat, dachte ich, dass sie jetzt bei jemand anderem mit der Provisionsforderung Erfolg hatte und habe deshalb die offiziellen Stellen informiert“, sagte der Mann, der erklärte, dass er versucht hätte, die Direktorin von dem Ansinnen abzubringen. Und geglaubt habe, dies sei auch gelungen. Als dann der Auftrag an jemanden anderen vergeben war, habe er lange mit sich gerungen und nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung verfasst. Er habe seinerseits seine Tätigkeiten als Händler und Partner der Schule stets „strikt getrennt“. Er sei davon ausgegangen, dass die Direktorin das vermeintliche Geld für sich behalten wollte.

Richter Mair befand den Zeugen als „nicht unglaubwürdig“, die Version der Angeklagten aber zumindest „ebenso glaubwürdig“, weshalb sie – nicht rechtskräftig – freizusprechen war. Mair fand es in seiner Begründung „merkwürdig, dass die moralischen Bedenken des Händlers“ erst 14 Monate später, nach Entzug des Auftrages, auftraten. Es sei auch aus E-Mails ersichtlich, dass der Mann gegen die Angeklagte als Direktorin interveniert hatte.


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