Tragödie um Fußballteam: 71 Tote bei Flugzeugabsturz

Auf dem Weg zum Finale des Südamerika-Cups in Kolumbien stürzt eine Maschine mit einer brasilianischen Erstligamannschaft ab. Es sollte der größte Triumph ihrer Vereinsgeschichte werden - am Ende steht eine Tragödie mit 71 Toten und sechs Überlebenden.

Das Flugzeug mit 77 Menschen an Bord stürzte im Nordwesten Kolumbiens ab. Die Maschine verunglückte am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Union.
© AFP/RAUL ARBOLEDA

Medellin — Beim Absturz eines Flugzeugs sind 71 Menschen in Kolumbien gestorben, darunter 19 Profis des brasilianischen Fußballteams Chapecoense. Die Mannschaft sollte in Medellín das Finalhinspiel des Südamerika-Cups gegen Atlético Nacional Medellín bestreiten. Als mögliche Ursache nannte die kolumbianische Luftfahrtbehörde Treibstoffmangel. Zunächst waren die Behörden von 75 Toten ausgegangen, aber anders als geplant hatten vier Passagiere die Reise nicht angetreten. Sechs Menschen überlebten: drei Spieler, zwei Crewmitglieder und ein Journalist. Die für die Ursachensuche wichtigen Blackboxes konnten geborgen werden.

Das Charterflugzeug vom Typ Avro RJ85 der bolivianischen Gesellschaft Lamia verunglückte in rund 3000 Meter Höhe am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión - im Landeanflug, knapp 40 Kilometer vor Medellín. Bevor das vierstrahlige Flugzeug gegen 22.00 Uhr (Ortszeit) am Montagabend vom Radar verschwand, meldeten die Piloten technische Probleme.

Angehörige versammelten sich am Stadion des Clubs in der Stadt Chapecó in Südbrasilien und warteten verzweifelt auf Nachrichten. Nach Angaben der Behörden soll unter den Toten auch Torwart Danilo sein - er war mit spektakulären Paraden der Held im Halbfinale gegen den Lieblingsclub von Papst Franziskus, San Lorenzo aus Argentinien. Der Finaleinzug war der bislang größte Erfolg des Vereins. In Brasilien wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

Der südamerikanische Fußballverband Conmebol sagte das Finale ab. Atlético Nacional schlug vor, den Titel 2016 Chapecoense zuzusprechen. "Es ist ein trauriger Tag für den Fußball", sagte der Präsident des kolumbianischen Vereins, Juan Carlos de la Cuesta. Nach dem Absturz wollen brasilianische Erstligateams zudem Sonderrechte für den Club durchsetzen. Traditionsclubs wie Corinthians, Meister Palmeiras und der frühere Pelé-Club Santos starteten eine Initiative, die das kostenlose Leihen von Spielern in der Saison 2017 vorsieht, außerdem soll der Club Chapecoense drei Jahre lang nicht absteigen.

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Ein Grund für den Absturz könnte Treibstoffmangel gewesen sein, sagte der Direktor von Kolumbiens Luftfahrtbehörde, Alfredo Bocanegra. Widersprüchliche Angaben zu den Opfern verunsicherten die Angehörigen. "Jeder sagt was anderes. Mein Herz ist verzweifelt", sagte die Mutter des Torwarts Danilo dem Portal "Uol". Nach einem Linienflug von São Paulo nach Santa Cruz in Bolivien war die Maschine von dort in Richtung Medellín gestartet. In der Maschine waren auch rund 20 Journalisten, die über das Final-Hinspiel berichten wollten.

Die Copa Sudamericana ist nach der Copa Libertadores der wichtigste Fußball-Clubwettbewerb in Südamerika und vergleichbar mit der Europa League. Das Erreichen des Finals war der bisher größte Erfolg des 1973 gegründeten Teams aus der Stadt Chapecó im südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina. Noch 2009 hatte der Provinzclub in der vierten Liga gespielt.

Der brasilianische Staatspräsident Michel Temer hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. "Ich möchte in dieser traurigen Stunde, die die Tragödie für Dutzende Familien bedeutet, mein Mitgefühl aussprechen", ließ Temer in einer Mitteilung des Präsidentenpalastes am Dienstag in Brasilia verlauten. Man werde alles Mögliche tun, um den betroffenen Familien zu helfen.

Sportler, die bei Flugzeugunglücken ums Leben kamen

  • September 2011: Eine Maschine mit dem Team der russischen Eishockey Liga KHL, Lokomotive Jaroslawl, stürzt nach dem Start ab. 44 Menschen sterben, darunter der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich.
  • April 1993: Auf dem Flug zu einem WM-Qualifikationsspiel im Senegal kommen alle Stammspieler der Fußball-Nationalmannschaft von Sambia ums Leben. Die Militärmaschine stürzte ins Meer.
  • Juni 1989: Eine DC-8 der surinamischen Gesellschaft SLM streift beim Landeanflug auf Paramaribo einen Baum und zerschellt. Unter den 174 Toten sind 16 in den Niederlanden arbeitende Profifußballer, die in ihrer Heimat Wohltätigkeitsspiele bestreiten wollten.
  • Dezember 1987: Ein Flugzeug der peruanischen Marine stürzt vor der Küste von Lima ins Meer. Unter den 43 Todesopfern sind 16 Spieler der Fußballmannschaft Alianza Lima, davon 4 Nationalspieler.
  • August 1979: 14 Spieler und 3 Betreuer des usbekischen Fußballclubs Pachtakor Taschkent sterben bei einem Unglück über der Ukraine. Zwei sowjetische Maschinen waren zusammengestoßen.
  • Oktober 1972: Eine Maschine der uruguayischen Luftwaffe prallt in den chilenischen Anden gegen einen Berg. An Bord ist auch eine 40-köpfige Rugby-Mannschaft aus Montevideo. Erst zehn Wochen später werden 16 Menschen gerettet. Sie überlebten auch durch Kannibalismus.
  • Januar 1966: 7 Schwimmer der italienischen Nationalmannschaft kommen bei Bremen ums Leben, als eine Propellermaschine der Lufthansa nach einem abgebrochenen Landeversuch abstürzt.
  • April 1961: 7 Spieler des chilenischen Fußballclubs Grenn Cross sind unter den 23 Opfern des Absturzes einer DC-3 an den Hängen der Anden, etwa 160 Kilometer südlich von Santiago.
  • Februar 1958: Die Fußballmannschaft des englischen Clubs Manchester United stürzt auf dem Rückflug von einem Spiel bei Roter Stern Belgrad kurz nach einer Zwischenlandung in München ab. 23 Menschen sterben, darunter 8 Fußballer. 15 Insassen überleben, darunter Fußball-Legende Bobby Charlton und Trainer Matt Busby.
  • Mai 1949: Eine Maschine mit der Mannschaft des italienischen Fußballmeisters FC Turin an Bord streift auf dem Rückflug von Lissabon bei Turin einen Kirchturm und stürzt ab. Alle 31 Insassen kommen ums Leben, darunter 15 Fußballer.

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