Ungarisch-rumänische Verstimmungen am Nationalfeiertag

Budapest/Bukarest (APA/dpa) - Für viele Ungarn ist es ein Trauertag, für Rumänien Nationalfeiertag: Am 1. Dezember 1918 stimmten die Siebenb...

Budapest/Bukarest (APA/dpa) - Für viele Ungarn ist es ein Trauertag, für Rumänien Nationalfeiertag: Am 1. Dezember 1918 stimmten die Siebenbürger für die Abtrennung von Ungarn und den Anschluss an Rumänien. Die rechtsnationale Regierung in Budapest nimmt das Datum zum Anlass für einen bilateralen Zwist.

Ungarns Außenminister Peter Szijjarto verbot seinem Personal, an den Feiern zum rumänischen Nationalfeiertag teilzunehmen. Zugleich warf Ministerpräsident Viktor Orban der Justiz im Nachbarland vor, die politischen Vertreter der ungarischen Minderheit gezielt zu verfolgen. Er ließ durchblicken, dass er sich nach der Parlamentswahl in Rumänien vom 11. Dezember ein Ende dieser Vorgänge erhoffe.

Am 1. Dezember feiern die Rumänen den Anschluss des früher zu Ungarn gehörenden Landesteils Siebenbürgen an ihr Land nach dem Ersten Weltkrieg. Das Außenministerium in Bukarest nahm Szijjartos Akt „mit Erstaunen“ zur Kenntnis.

„Weil die Ungarn am 1. Dezember nichts zu feiern haben, hat der Minister für Äußeres und Außenhandel jedem Diplomaten und jedem Angestellten des Ministeriums verboten, am rumänischen Nationalfeiertag teilzunehmen“, ließ Szijjarto mitteilen. In Siebenbürgen, wo 1,2 Millionen ethnische Ungarn leben, lehnten mehrere Politiker der rumänischen Ungarn-Partei UDMR die Teilnahme an Festen ab, zu denen rumänische Kollegen sie ausdrücklich eingeladen hatten.

Bei einem Treffen mit der Führung der UDMR am Donnerstag in Budapest sagte Orban: „Unter der Maske des Kampfes gegen Korruption“ würden Politiker der UDMR verfolgt. Wegen der Justizprobleme sei „die parlamentarische Vertretung der siebenbürgischen Ungarn in Bukarest schon lange nicht mehr so ernsthaft gefährdet wie jetzt“ gewesen. Deshalb sei die Wahl in Rumänien „eine Schicksalsfrage“.

Rumäniens Justiz bringt seit Jahren korrupte Politiker aller Parteien hinter Gitter, darunter auch Vertreter der UDMR. Im aktuellen Wahlkampf ist Kampf gegen Korruption das zentrale Thema, weil die Parteien sich darin nicht einig sind.

Rumäniens Außenministerium nahm das „schwer verständliche“ Verbot für ungarische Diplomaten, mit den Rumänen den Nationalfeiertag zu feiern, „mit Überraschung und Erstaunen“ zur Kenntnis. „Der Respekt vor Werten und Symbolen eines Landes gehören unbestreitbar zum Werte-Kanon, auf den sich die Europäische Union und die transatlantische Gemeinschaft stützen“, hieß es aus dem Außenamt.


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