Frauen haben in Tansania meist die Arbeit, die Männer das Sagen

Arusha/Wien (APA) - Frauen auf dem Land in Tansania sind traditionell nicht nur für den häuslichen Bereich zuständig. Auf sie entfällt nicht...

Arusha/Wien (APA) - Frauen auf dem Land in Tansania sind traditionell nicht nur für den häuslichen Bereich zuständig. Auf sie entfällt nicht nur das tägliche Heranschaffen von Wasser und Feuerholz, das Kochen, die Kindererziehung und die Betreuung alter Familienmitglieder, sie müssen auch die harte landwirtschaftliche Arbeit größtenteils erledigen.

Bei geschätzten 53 Millionen Einwohnern in dem afrikanischen Land, in dem 70 bis 80 Prozent der Einwohner direkt von der Landwirtschaft - oft rein zur Selbstversorgung - leben, ist das ein enormes Pensum, das die Frauen allein zu bewältigen haben. Als Ernährer und Versorger ihrer Familien sind sie der Grundpfeiler der Gesellschaft.

Männer sind dagegen die Entscheider. Sie helfen den Frauen oft nur bei der Vorbereitung der Felder, von der Saat bis zur Ernte sind dann die Frauen allein gefordert. Was an Mais, Hirse, Bohnen usw. geerntet wird, gehört wiederum dem Mann. Er befindet darüber, was und wann verkauft wird, und verfügt über das Geld. Allzu häufig verkaufen die Männer zu viel, so dass die Familie hungern muss. Oft geben die Männer das Geld auch in der Stadt für Alkohol oder Prostituierte aus und kehren mit leeren Händen ins Dorf zurück.

Bäuerinnen kümmern sich zwar um das Vieh wie Rinder, Ziegen oder Hühner. Ohne Zustimmung dürfen sie aber kein Huhn verkaufen.

Ihre althergebrachte Rolle als Jäger und Beschützer der Familien haben die Männer eingebüßt. Neue gesellschaftliche Funktionen sind aber wenige dazugekommen. In den Städten hat sich seit den 90er Jahren zwar eine dünne Mittelschicht gebildet, ein Angestellten-Job ist aber nicht leicht zu ergattern. Und auch hier sind Frauen als Lehrerinnen, Krankenschwestern und Sekretärinnen stark vertreten, während sich Männer auf Führungspositionen beschränken.

In den Dörfern gehen Initiativen zur Entwicklung oft auf Frauen zurück, die sich zusammentun, um gemeinsam einen Acker zu bewirtschaften oder gemeinsam ein einfaches Handwerk wie Flechten zu betreiben. Durch den Verkauf einfacher Erzeugnisse sorgen sie so für ein zusätzliches Familieneinkommen. Männer hingegen - rund 25 Prozent sind aufgrund der gesetzlichen Polygamie mit mehreren Frauen verheiratet - verbringen dagegen ihre Tage „untätig (...) unter ausladenden Mangobäumen im kühlen Schatten“, trinken Tee oder Kaffee und spielen das beliebte Brettspiel Bao, wie die Tansania-Kennerin Daniela Eiletz-Kaube schreibt.

Ihr wichtiger Stellenwert und ihre entscheidende Arbeitskraft schützt die Frauen in Tansania nicht davor, oft Opfer häuslicher Gewalt zu sein. Die Verheiratung im Kindesalter ist auf dem Land ebenso weit verbreitet wie die äußerst grausame Praxis der eigentlich verbotenen weiblichen Genitalverstümmelung.


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