Junge Dealer erzwingen Schließung von Jugendzentrum

Nordafrikaner suchten im Jugendzentrum Innsbruck-Pradl verstärkt Unterschlupf. Stadt zog die Reißleine.

© Thomas Boehm / TT

Von Manfred Mitterwachauer und Michael Domanig

Innsbruck –Das Jugendzentrum Pradl wird nicht wieder aufsperren. Zumindest nicht an seinem alten Standort am Rand des Innsbrucker Rapoldiparks. Mit Donnerstag verfügte ISD-Geschäftsführer Hubert Innerebner nach Absprache mit Vize-BM Christoph Kaufmann (FI) die sofortige Schließung. Die Innsbrucker Sozialen Dienste (ISD) betreiben alle städtischen Jugendzentren.

„Die Situation ist in den vergangenen Monaten eskaliert“, sagt Innerebner. Unter diesen Umständen sei ein Betrieb „nahezu unmöglich“. Die Mitarbeiter hätten sich nicht mehr sicher gefühlt. Teilweise sollen sie auch bedroht worden sein. Der Grund hierfür: Immer mehr junge Nordafrikaner hätten im Pradler Jugendzentrum Unterschlupf gesucht, sagt Kaufmann. Und zwar jene aus der einschlägigen Szene, für die der Rapoldipark inszwischen landesweit berühmt-berüchtigt ist. Die Polizei ist der Stadt zur Einschätzung der Lage beratend zur Seite gestanden. „Das Jugendzentrum war für die nordafrikanische Dealerszene ein Magnet“, bestätigt auch Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler.

Die Themen Drogen und Gewalt hätten deshalb im Umfeld der Einrichtung stets eine Rolle gespielt, sagt Kaufmann. Zudem seien Konflikte in der jungen Nordafrikanerszene in das Jugendzentrum hineingetragen worden. Auch Anrainer hätten sich massiv über die Zustände beschwert. Gedealt worden sei in den Räumlichkeiten aber nicht. Einen diesbezüglichen Verdacht von GR Rudi Federspiel (FP) und Helmut Buchacher (SP) im Rahmen der Sitzung des Innsbrucker Gemeinderates am Donnerstag weist Kaufmann aufs Schärfste zurück. Buchacher berichtet aber auch von einheimischen Jugendlichen, die sich nicht mehr in die Nähe des Zentrums getraut hätten.

Um die Situation zu beruhigen, hatte das Jugendzentrum in den beiden vergangenen Wochen geschlossen. Eine Art „Cool-down“-Phase. Diese Woche wurde der Betrieb wieder aufgenommen – mithilfe von zwei Securitys. „Um wieder Struktur reinzubringen“, sagt Innerebner. Doch auch dieser Versuch schlug fehl. Offene Jugendarbeit, die nur auf Basis des Einsatzes von Sicherheitskräften möglich ist – das sei ein Widerspruch in sich, sagt Innerebner.

Die Suche nach einem alternativen Standort in Pradl läuft bereits. Ein Jugendzentrum brauche es im Stadtteil, heißt es. Denn Jugendliche mit Flucht-Hintergrund seien schon eine klassische Zielgruppe dieser Jugendarbeit in Pradl, sagt Innerebner. Im Gegensatz zur gewaltbereiten Rapoldipark-Szene.


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