Logo soll Reutte begreifbar machen

Tourismusverband und Regionalentwicklung präsentierten in der Wirtschaftskammer die neue Regionsmarke Reutte – eine Pionierleistung in Tirol. Ronald Petrini: „Man muss Reutte neu lesen!“

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Von Helmut Mittermayr

Reutte –Moderatorin Barbara Kohla legte die Latte Donnerstagabend, als sie zur Eröffnung Wortbilder aus angebissenen Äpfeln und gelben M’s ins Spiel brachte, wohl fast zu hoch. Jeder wisse, was gemeint ist, sagte sie. Jedenfalls Beispiele, bei denen die Markenfindung geglückt sei. Und jetzt habe man sich in der Wirtschaftskammer Reutte versammelt, um den offiziellen Start einer neuen Marke mitzuerleben. Über 200 Geladene warteten gespannt, was zwei Jahre Vorarbeit von 100 Involvierten aus der ganzen Region wohl zu Tage gefördert haben könnten.

TVB-Obmann Hermann Ruepp freute sich, als erster Tourismusverband Tirols den Markenbildungsprozess abgeschlossen zu haben. „Es brauchte Mut, neue Wege zu gehen. Zeitgleich haben wir auch eine neue Homepage als Buchungsplattform entwickelt. Und auch die Gästezeitung präsentiert sich neu.“

Mehr als 100 Personen aus Tourismus, Wirtschaft und engagierten Kreisen hatten sich mit der Markenfindung beschäftigt. Als Mastermind hinter der Entwicklung stand TVB-Geschäftsführer Ronald Petrini: „Das hat viel Überzeugungsarbeit in den eigenen Gremien gekostet. Wofür stehen die elf Gemeinden der Naturparkregion Reutte? Was zeichnet sie aus? Sicher mehr als nur Tourismus.“ Deshalb wurde nach einer Regionsmarke gesucht, die Natur, Landwirtschaft, Unternehmen bis hin zu Industrie miteinbinden sollte. Herausgekommen sei ein Leistungsversprechen, das die Region künftig geben will: gesunde Ursprünglichkeit, ein Wassernaturpark am Fuße des Hochgebirges, Hochtechnologie, vereint mit erlebbarer Geschichte, alles im Einklang mit Mensch und Natur. Allegorisch meinte Petrini, dass man Reutte neu lesen soll: „Es muss uns gelingen, Reutte begreifbar zu machen.“

Auch Regionalentwicklungsgeschäftsführer Günter Salchner hat schon lange begriffen, dass die Region nur als Ganzes erfasst werden könne. Er war in den Prozess maßgeblich eingebunden. Wenn Unternehmen etwa versuchen würden, als Arbeitgeber für Auswärtige attraktiv zu sein, betreffe das nicht nur den Tourismus. Laut Salchner, ein gebürtiger Innsbrucker, muss Schluss damit sein, dass in Tirol eine Arbeitsstelle im Außerfern „immer noch als Strafversetzung wahrgenommen wird“. Die nun angegangene Markendehnung sei eine kleine Revolution. Man sei eben mehr als nur Ischgl, wo eine touristische Monokultur bestehe. Gerade dieser Mehrwert Reuttes werde nun sichtbar gemacht. „Wir brennen dafür“, machte Salchner klar, dass die Reise gerade erst begonnen hat und am Karren kräftig gezogen werden wird.

Auch der Chef der Tirol Werbung war nach Reutte gekommen. Joe Margreiter erklärte, dass Reutte mehr als ein Städtchen am Lech sei, diese Region nicht nur touristisch funktioniere. Reutte leiste hier „echte Pionierarbeit“. Er sei „wirklich begeistert“.

Auch Landwirt Thomas Storf, Industrieller Reinhard Schretter, Brillenmanufakturist Roland Wolf, Bäckermeister Manfred Holzmayr und Wirtin Barbara Saletz erläuterten coram publico ihre Motive für die Mitarbeit beim Projekt. Die zuvor Genannten sind auch Protagonisten eines kurzen Reutte-Trailers à la Universum-Doku.

Zum „neuen Gewand“ der elf Gemeinden von Weißenbach bis Vils hatten der Innsbrucker Markenentwickler Robert Trasser sowie die Agentur für Kommunikationsdesign Jäger & Jäger aus Überlingen die notwendige Außensicht eingebracht. Jäger & Jäger sprach in Sachen Logo von einem visuellen Ankerpunkt, der leicht memorierbar sei: zeitlos, puristisch und einzigartig. Die Designer waren nach langer Denkphase derart überzeugt gewesen, dass sie den Reuttener Gremien einen einzigen Entwurf vorgelegt hatten.

Der Vilser Bürgermeister zeigte sich auf die TT-Frage, ob er sich schwer damit tue, dass das Wort Naturparkregion grafisch nicht mehr vorkomme, erheitert: „Keine Sorge, wir verwenden das Logo. Schreiben aber ,Vils, die Stadt in der Region Reutte‘ dazu.“

Das Markenentwicklungsprojekt kostete 95.000 Euro.


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