Formel 1: Rosberg folgte seinem Herzen und trat als Champion ab

Wien (APA) - Nico Rosberg hat am Freitag nach einem extrem kräfteraubenden Jahr eine Bombe platzen lassen. Fünf Tage nach dem Gewinn des For...

Wien (APA) - Nico Rosberg hat am Freitag nach einem extrem kräfteraubenden Jahr eine Bombe platzen lassen. Fünf Tage nach dem Gewinn des Formel-1-Titels erklärte der Deutsche in der Wiener Hofburg seine Karriere in der Motorsport-Königsklasse für beendet. „Ich habe beschlossen, meinem Herzen zu folgen, hier zu stoppen und etwas anderes zu machen“, verriet der 31-Jährige.

Als Rosberg gegen 13.30 Uhr die Bühne auf dem Heldenplatz betrat, ließen sich erste Sonnenstrahlen zwischen den Wolken blicken - und Rosberg strahlte bei seinem Kurzinterview mit Andreas Gröbl. Etwa 45 Minuten später wurde der Grund für seine Tiefenentspanntheit begreiflich. „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um zu erklären, dass ich entschieden habe, meine Formel-1-Karriere zu beenden“, sagte Rosberg nun in den Räumlichkeiten der Wiener Hofburg vor Journalisten.

Es war eine sorgfältige geplante Aktion, die der Blondschopf dann aber doch nicht ohne sichtbare Rührung hinter sich brachte. Die am Sonntag in Abu Dhabi zu Ende gegangene Saison habe ihm alles abverlangt, erklärte er. Der WM-Zweikampf mit seinem Mercedes-Stallkollegen Lewis Hamilton, dem er sich 2014 und 2015 jeweils geschlagen geben musste, habe letztlich einen zu großen Tribut gefordert. „Das war mental richtig tough. Nicht nur für mich, sondern auch für alle jene, die mir nahestehen“, sagte er.

„Seit ich mit sechs Jahren angefangen habe, habe ich einen Traum gehabt - das war Formel-1-Champion zu werden. Ich habe in 25 Jahren Rennsport alles gegeben, um diesen Traum zu erreichen“, so Rosberg. „Ich habe den Berg erklommen, ich bin an der Spitze angekommen und es fühlt sich richtig an“, erklärte er. Nun sei er nicht mehr bereit, weiterhin so viel Energie in den Sport zu investieren.

Es wäre freilich anders gekommen, hätte es heuer wieder nicht mit dem WM-Coup geklappt. „Dann wäre ich weitergefahren“, stellte der Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg klar. Der Finne hatte sich 1982 den Titel geholt. Rosberg junior absolvierte 206 Grand-Prix-Rennen und feierte 23 Siege, allesamt für Mercedes. Damit belegt er in der ewigen Bestenliste ex aequo mit dem Brasilianer Nelson Piquet den zwölften Rang.

Rosberg, der zahlreiche Winterurlaube in der Kindheit in Zell am See verbrachte, habe die Entscheidung vor gut eineinhalb Monaten nach dem Grand Prix von Japan in Suzuka getroffen. „Seitdem der Titel greifbar nahe ist, da haben die Gedanken angefangen und sind dann ziemlich konkret geworden vor dem Start in Abu Dhabi.“ Da habe er im Prinzip gewusst, dass er sein letztes Rennen bestreiten werde.

Nur sein engstes Umfeld und der Mercedes-Rennstall waren vor seiner großen Erklärung in Wien eingeweiht, betonte Rosberg. Zuerst habe seine Frau Vivian davon erfahren. Am Montag habe er Motorsportchef Toto Wolff informiert. Der war nach dem „mutigen Schritt“ erst einmal geschockt, wie er berichtete. „Es war etwas, das wir uns niemals vorstellen hätten können“, hielt der Wiener fest. „Er ist der beste Fahrer in der Formel heute“, lobte er seinen Ex-Schützling, für den er jetzt recht schnell Ersatz finden muss. „Wir beginnen am Montag, uns das anzuschauen.“

Seinem nunmehrigen Ex-Rivalen Hamilton habe Rosberg mit einer Textnachricht über seine Entscheidung informiert, habe doch alles sehr schnell passieren müssen. „Ich bin vielleicht einer der wenigen, die nicht so überrascht waren, weil ich ihn seit einiger Zeit kenne“, meinte der Brite, der sich schon in Jugendtagen mit Rosberg auf der Kartbahn duelliert hatte. Damals waren die beiden im Gegensatz zu heute enge Freunde. „Das war das erste Mal in 18 Jahren, das er gewonnen hat“, gab Hamilton zu Protokoll. „Ich habe eine andere Einstellung.“

Rosberg will sich nun ganz seiner Familie widmen. Im vergangenen Sommer brachte Vivian Töchterchen Alaia zur Welt. „Mein Frau freut sich bestimmt, ihren Ehemann wieder zu bekommen“, bekundete er. Einen Rücktritt vom Rücktritt in der Formel 1 werde es nicht geben. „Ich bin tausend Prozent sicher, weil ich das einfach spüre. Ich hab‘ ein Lachen im Gesicht, weil es für mich richtig ist.“

Dass er irgendwann in irgendeiner anderen Serie antreten werden, wollte Rosberg nicht ganz ausschließen. Für die absehbare Zeit schließe er das jedoch aus. Über die Zukunft mache er sich „überhaupt keine Sorgen. Ich habe so viele Interessen rechts und links. Meine Basis ist, Vater und Mann zu sein. Weil das ist sehr zu kurz gekommen in den letzten Jahren.“ Am Freitagabend wurde Rosberg in der Hofburg bei der Gala des Motorsport-Weltverbandes (FIA) offiziell als Weltmeister geehrt.


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