Welt-Lungenkrebs-Kongress - Feindiagnose für zielgerichtete Therapie

Wien (APA) - Vor rund zehn Jahren hat die sogenannte zielgerichtete Krebstherapie eine neue Ära in der Onkologie eingeläutet. Erstmals wurde...

Wien (APA) - Vor rund zehn Jahren hat die sogenannte zielgerichtete Krebstherapie eine neue Ära in der Onkologie eingeläutet. Erstmals wurde es möglich, Patienten gemäß den molekularbiologischen Eigenschaften des Tumors individuell zu behandeln. Das hat deutliche Auswirkungen auf die Behandlungsmöglichkeiten von Lungenkrebspatienten. Dies zeigt eine Studie beim bevorstehenden Welt-Lungenkrebs-Kongress in Wien.

Die wissenschaftliche Arbeit wird bei dem Kongress mit rund 6.000 Teilnehmern (IASLC 17th World Conference on Lung Cancer, 4. bis 7. Dezember) präsentiert. Sophia Schwab vom Wiener Otto Wagner Spital (Abteilung für Lungenerkrankungen mit Intensivmedizin) hat unter Beteiligung von spezialisierten Abteilungen in ganz Österreich analysiert, welche molekularbiologischen Charakteristika wie häufig bei Lungenkarzinomkranken vorliegen. Dies hängt vom genetischen Hintergrund der betroffenen Person ab.

Die Entwicklung solcher Therapien begann ehemals beim Mammakarzinom und ist mittlerweile auch bei anderen bösartigen Erkrankungen - wie beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC), bei Dickdarmkarzinomen und auch bei bestimmten Formen von Blutkrebs - der Fall. Das Ergebnis ist ein - leider zumeist nur vorübergehender - frappanter Behandlungserfolg, wenn die Therapie wirklich zum Tumor und den in den bösartigen Zellen vorliegenden genetischen Veränderungen „passt“.

Insgesamt wurden in der Untersuchung die molekularbiologischen Marker für die Tumoren von 3.067 Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom aus Operationspräparaten und Biopsien für die Untersuchung herangezogen. Dabei wurde die Häufigkeit von Mutationen im EGFR-, BRAF-, EML-ALK- und ROS1-Gen bestimmt. Beim Vorliegen solcher Mutationen gibt es eine relativ große Chance, dass der jeweilige Patient auf eine zielgerichtete Therapie mit jeweils einem bestimmten Arzneimittel anspricht.

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Am häufigsten waren mit einem Anteil von zwölf Prozent Mutationen im EGFR-Gen, jenes Gen, das für den Rezeptor des Epidermal Growth Factor (EGF) kodiert (368 Patienten). Bei ihnen sollten Medikamente, welche diesen Rezeptor blockieren, eine gute Wirkung entfalten. 92 von darauf untersuchten 2.212 Patienten (4,2 Prozent) wiesen Mutationen im EML4-ALK-Gen auf. Das macht den Tumor zu einem relativ hohen Grad mit Medikamenten behandelbar, welche diesen Signalweg blockieren.

Relativ selten bei den österreichischen Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom waren hingegen ROS1-Mutationen (fünf von 1.060 untersuchten Gewebeproben). Auch bei Vorliegen einer solchen Mutation gibt es eine zielgerichtete Therapie. 2,9 Prozent der österreichischen Lungenkarzinompatienten (nicht-kleinzelliger Lungenkrebs) weisen eine sogenannte BRAF-Mutation auf. Sie findet sich besonders häufig bei bestimmten Formen von Hautkrebs. Hier war aber mit 40 untersuchten Gewebeproben die Datenmenge relativ gering.

„Die Häufigkeit von solchen Mutationen bei österreichischen Patienten mit NSCLC war insgesamt ähnlich wie bei anderen Personengruppen kaukasischer Herkunft“, betonte die Expertin. Eine solche molekularbiologische Untersuchung von Gewebeproben sollte bei Lungenkarzinompatienten auf jeden Fall durchgeführt werden. Immerhin könnte ja jetzt schon bei rund einem Viertel der Betroffenen eine wahrscheinlich wirksame und nebenwirkungsarme zielgerichtete medikamentöse Therapie erfolgen.


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