Van der Bellen: Vom Kaunertal bis vor die Tore der Hofburg

Kaum gewonnen, war der Sieg bei der Bundespräsidentenwahl schon wieder weg. Und so muss sich Alexander Van der Bellen am Sonntag erneut der Stichwahl stellen.

Alexander Van der Bellen.
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Wien – Eigentlich war er schon Bundespräsident. Aber nur eigentlich. Bei der Stichwahl am 24. Mai gab es zwar keine Wahlmanipulationen, wohl aber Schlampereien bei der Auszählung der Wahlkarten. Für den Verfassungsgerichtshof reichte dies. Die Wahl wurde aufgehoben. So konnte also Alexander Van der Bellen im Juli nicht in die Hofburg einziehen, sondern musste zurück in den Wahlkampf.

Für den 72-jährigen Ökonomieprofessor und früheren Grünen-Chef wurde die Wahlwiederholung zu einer echten Tortur. Zwar wurde er von breiten Teilen der Bevölkerung unterstützt, er musste sich aber vor allem vom politischen Gegner Anfeindungen und Verleumdungen aussetzen. Gezielt gestreute Gerüchte von beginnender Demenz bis hin zu einer Krebserkrankung wurden kolportiert. Van der Bellen sah sich gezwungen, in die Offensive zu gehen und ein Gutachten über seinen Gesundheitszustand zu veröffentlichen. Das Fazit: Der leidenschaftliche Raucher „ist super bei- nand“, wie sein Arzt, Univ.-Prof. Christoph Zielinski, erklärte, nachdem er von Van der Bellen von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden worden war.

Van der Bellen ist der politische Gegenentwurf zu seinem Herausforderer. Unterschiedlicher könnten die beiden Kandidaten kaum sein. Van der Bellens Eltern mussten dreimal flüchten. Zuerst vor den Kommunisten von Russland nach Estland. Die zweite Fluchtetappe führte nach Wien. Dort war in den Wirren des Kriegsendes der kleine Sascha auf die Welt gekommen. Als die Rote Armee vor den Toren Wiens stand, flüchtete die Familie ins Kaunertal. Dort erlebte er seine Kindheit.

In Innsbruck besuchte er dann das Akademische Gymnasium. Nach der Matura studierte er in Innsbruck. Univ.-Prof. Clemens August Andreae wurde sein Förderer, obwohl der wirtschaftsliberale Professor eine andere Denkschule vertrat als sein junger Assistent. Als Professor wurde er dann an die Uni Wien berufen. Politisch sozialisiert unter Kreisky, führte sein Weg in den 1990er-Jahren zu den Grünen.

Zu glauben, dass er am Beginn des Wahlkampfs als unabhängiger Kandidat punkten könnte, war naiv. Erst im zweiten Wahlgang, nach einer breiten gesellschaftlichen Unterstützung, stellte sich für den Vater zweier erwachsener Söhne der Erfolg ein. (misp)


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