30 Tote bei Flammeninferno im Lagerhaus: Illegale Party endet in Tragödie

Das Gebäude, das ein Künstlerkollektiv unerlaubt nutzte, wurde in der Nacht zum Samstag zur Falle. Mindestens 30 Menschen starben in der Flammenhölle.

Bilder aus der Nacht zeigten, wie große Flammen aus dem Lagerhaus schlugen.
© Reuters

Oakland – Sie wollten feiern, bis in die Nacht tanzen zu elektronischer Musik. Doch ihre illegale Party in einem Lagerhaus im kalifornischen Oakland bei San Francisco endet in einer Katastrophe. Ein Feuer bricht aus, versperrt die Fluchtwege. Am Ende sind mindestens 30 Menschen tot, mehrere werden auch am Sonntag noch vermisst. Den Einsatzkräften steht das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben.

Überlebende beschreiben ein Flammeninferno. Das Gebäude, das ein Künstlerkollektiv unerlaubt nutzte, wurde vielen in der Nacht zum Samstag zur Falle.

Erst ein Fünftel des Gebäudes abgesucht

Nur mühsam kommen die Bergungsarbeiten in dem Gebäude am Wochenende voran. Ermittler suchen das Gelände mit Leichenhunden ab. Auch als es schon dunkel ist, arbeiten sie sich weiter vor. Schließlich gelingt es ihnen in der Nacht zum Sonntag, sich an der Ostseite besseren Zugang zu verschaffen. „Es war sehr still“, sagt Melinda Drayton von der Feuerwehr über die Arbeiten. „Es war herzzerreißend.“

Eine Frau hinterlegt Blumen.
© REUTERS

Es gebe mittlerweile 30 bestätigte Todesopfer, sagte der Polizeibeamte Ray Kelly vor Journalisten. „Das ist eine astronomische Zahl.“ Kelly hob hervor, dass die Einsatzkräfte noch nicht das gesamte Gebäude durchsucht hätten. Je tiefer sie vordrängen, desto mehr Opfer fänden sie.

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Bis dato konnten sie aber lediglich ein Fünftel des zerstörten Gebäudes absuchen. Die Einsatzkräfte arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten. Ein Polizeisprecher spricht von einer enormen Belastung.

Der stellvertretende Feuerwehrchef Mark Hoffmann sagt, in der Halle habe sich in der Nacht des Brandes ein einziges Chaos dargeboten. „Wir wussten, dass da Menschen drin sind, und wir haben versucht, sie rauszuholen, aber es war wie ein Labyrinth.“ Verwinkelt und vollgestellt mit allerlei Zeug.

Als „Ghost Ship“ ist das Gebäude bekannt, als „Geisterschiff“. Mehrere Menschen sollen dort auch gewohnt haben. Die Stadt ging Hinweisen darauf nach. Eine Wohngenehmigung gab es nicht, auch keine für eine Party. Als ein Vertreter der Stadt das Gebäude vor einigen Wochen inspizieren wollte, öffnete niemand.

Eine Sprinkleranlage und Rauchmelder gab es nicht

Fotos aus dem Gebäudeinneren, die vor der tragischen Nacht entstanden sind, zeigen ein Wirrwarr aus geschnitzten Skulpturen, alten Möbeln, Lampen, Instrumenten, bunten Tüchern und Bildern. Sehr viel Holz, sehr viel Plunder. Das Feuer konnte sich rasant ausbreiten. Eine Sprinkleranlage und Rauchmelder gab es laut Feuerwehr nicht. Menschen, die es hinaus schaffen, erzählen hinterher, wie andere im zweiten Stock feststeckten und um Hilfe riefen.

Der einzige Ausgang aus der Etage führte über eine provisorische Treppe aus Paletten. Der 25-jährige Adrian Lee saß nur wenige Meter von ihr entfernt, als das Feuer ausbrach. Er sei nach unten gestiegen, sagt er dem „San Francisco Chronicle“. Auf halbem Weg sei der Rauch schon überall gewesen. „Die Leute bekamen Panik.“

Das ganze Ausmaß der Tragödie wird bei Tageslicht ersichtlich. Fernsehbilder aus der Luft zeigen verkohlte Balken. Wie eine riesige klaffende Wunde liegt das Innere des Lagerhauses offen, nachdem das Dach eingestürzt war und auch die zweite Etage in Teilen einbrach.

Es sind die traurigen Überreste eines Künstlerdomizils, wie es sie in vielen Städten überall auf der Welt gibt. Ein heimlicher Club, der zum Rückzugsort für Kreative wurde. Ein Kastenbau, dessen Außenwände Graffiti zieren. Neben einem Fenster prangt die Fratze eines Totenkopfes. Dass sich die Wand an der Stelle schwarz gefärbt hat vom Rauch, lässt ihn noch gruseliger aussehen.

Gefühlt „wie sich meine Haut abpellt“

Bob Mule, ein Künstler, lebte in dem Lagerhaus und schaffte es rechtzeitig nach draußen. Der Zeitung „East Bay Times“ sagt er, er habe versucht, einem Freund zu helfen, der sich verletzt habe. Die Intensität des Feuers habe ihm das jedoch unmöglich gemacht. „Es war zu heiß, zu viel Rauch. Ich musste da raus. Ich habe buchstäblich gefühlt, wie meine Haut sich abpellt und meine Lunge vom Rauch erstickt.“

Das Feuer brach am Freitag gegen 23.30 Uhr (Ortszeit) in dem zweistöckigen Gebäude aus. Wie es dazu kam, war zunächst unklar. Bilder aus der Nacht zeigten, wie große Flammen aus dem Lagerhaus schlugen. Mehr als 70 Feuerwehrmänner waren im Einsatz. Die Löscharbeiten zogen sich über mehrere Stunden hin. Das Dach stürzte ein, woraufhin auch die zweite Etage in Teilen einbrach.

Die Behörden richteten eine Anlaufstelle für Angehörige ein. Berichten zufolge befanden sich zwischen 50 und 100 Menschen auf der Party. Das örtliche NBA-Basketballteam der Golden State Warriors kündigte eine Spende von 50 .00 Dollar (rund 47.000 Euro) für die Familien an. Vor ihrer Partie gegen die Phoenix Suns gab es am Samstagabend eine Schweigeminute für die Opfer. (APA, dpa)


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