Nach Unfall bei RoLa: Zustand von drittem Flüchtling sehr kritisch

Einen Tag nach dem schrecklichen Unglück auf einem Güterzug der Rollenden Landstraße (RoLa) in Wörgl schwebt das dritte Opfer weiter in akuter Lebensgefahr.

Einsatzkräfte am Unfallort.
© ZOOM.TIROL

Wörgl – Der Zustand des dritten Opfers der Flüchtlingstragödie mit zwei Toten am Bahnhof Wörgl ist am Sonntag nach wie vor „sehr kritisch“. Auf Nachfrage bei der Polizei in Wörgl konnte nur bestätigt werden, dass der Schwarzafrikaner, der die gefährliche Fahrt als einziger überlebt hat, immer noch in sehr kritischem Gesundheitszustand sei. Er liegt in der Klinik Innsbruck auf der Traumatologischen Intensivstation. Die Obduktion der beiden Toten – ein Mann und eine Frau kamen wie berichtet ums Leben – soll am Montag durchgeführt werden.

Weiterhin unklar ist die Identität der beiden Männer und der Frau. Die Polizei konnte bislang nur sagen, dass es sich um Schwarzafrikaner gehandelt hat. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen zur Identität übernommen, erste Abklärungsversuche verliefen bis dato allerdings negativ. Jetzt sei das Bundeskriminalamt am Zug, hieß es.

Weitere intensive Kontrollen gefordert

Erschüttert zeigte sich am Vortag ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel über die Tragödie. Der Zug sei von den Kontrollen, die die Polizei mit Unterstützung von ÖBB-Sicherheitspersonal aufgrund mehrerer ähnlicher Vorfälle in jüngster Zeit verstärkt durchgeführt hatte, nicht betroffen gewesen.

Zumtobel kündigte weitere Kontrollen von Güterzügen am Montag und am Dienstag an. Klar sei aber auch, dass man das illegale Mitfahren nicht 100-prozentig verhindern könne. Die ÖBB würden auch auf Sensibilisierung setzen. Aber: „Man kann nicht jeden Güterzug kontrollieren. Am Tag fahren 40-50, das ist schon rein logistisch nicht möglich“, so der Sprecher.

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Landeshauptmann Günther Platter zeigte sich in einer Aussendung am Sonntag ebenfalls tief betroffen vom Schicksal der drei Flüchtlinge: „Wie groß muss die Verzweiflung dieser Menschen sein, wenn sie sich bei Minusgraden auf einen Güterzug begeben, um nach Deutschland zu gelangen?“

Der schreckliche Unfall in Wörgl zeige, dass alles getan werden müsse, um die illegale Migration zu stoppen. Die weiteren Kontrollen am Brenner aber auch die Zugkontrollen seien dringend notwendig. Bereits in Italien müsse reagiert werden, damit sich eine derartige Tragödie nicht mehr wiederhole, so der Landeshauptmann, der erneut darauf hinwies, dass man die von der Flüchtlingskrise betroffenen Länder keinesfalls im Stich lassen dürfe.

Flüchtlinge vermutlich erfroren

Der Zug der Rollenden Landstraße (RoLa) war in der Nacht auf Samstag gegen 1 Uhr in Wörgl angekommen. Danach fingen die Lkw-Fahrer mit der Entladung an. Gegen 1.30 Uhr bemerkten zwei Lenker, dass etwas auf den Waggons lag, das sie überrollt hatten. Bei einer Nachschau stellten sie dann schockiert fest, dass dort drei Menschen lagen, die entweder schon in Italien oder bei einem Zwischenaufenthalt am Brenner auf den Güterzug aufgesprungen sein dürften und sich versteckt hatten.

Bei eisigen Temperaturen dürften die drei die Kälte unterschätzt haben: Die Polizei geht davon aus, dass die drei wegen der Minusgrade entweder schon erfroren waren, als der Zug in Wörgl stoppte, oder zumindest das Bewusstsein verloren hatte. Deshalb sind sie wohl auch nicht davongelaufen, als der Güterzug anhielt. Der Notarzt konnte dann nur noch den Tod einer Frau und eines Mannes feststellen, der dritte wurde lebensgefährlich verletzt in die Klinik überstellt. (rena)


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