Fußball: Aufatmen bei Rapid nach erstem Sieg unter Neo-Coach Canadi

Wien (APA) - Bei Rapid war am Samstag nach dem 1:0 im Allianz Stadion über St. Pölten ein großes Aufatmen spürbar. Der erste Erfolg unter Ne...

Wien (APA) - Bei Rapid war am Samstag nach dem 1:0 im Allianz Stadion über St. Pölten ein großes Aufatmen spürbar. Der erste Erfolg unter Neo-Trainer Damir Canadi in dessen fünfter Partie beendete eine Negativserie von sechs sieglosen Pflichtspielen in Folge und drei Liga-Heimniederlagen en suite. Außerdem wurde der Rückstand auf die Spitze zum Abschluss der ersten Saisonhälfte auf zwölf Punkte reduziert.

Dabei machten sich die Hütteldorfer gegen den sichtlich überforderten Abstiegskandidaten lange Zeit selbst das Leben schwer. Joelinton und Co. ließen zahlreiche Möglichkeiten aus, ehe Arnor Ingvi Traustason seine Mannschaft in der 79. Minute erlöste. „Wenn wir mehr Spiele gewinnen, werden wir auch wieder die Chancen besser finalisieren“, sagte Canadi.

Auf Kritik an der mangelnden Effizienz verzichtete der Coach und lobte stattdessen die Darbietung seiner Spieler. „Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft, hatten eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive, haben wenig zugelassen und viele Chancen herausgespielt“, erklärte der 46-Jährige und sprach von einer „tollen Leistung“.

Mit besonderer Zufriedenheit erfüllte den früheren Altach-Betreuer die Tatsache, dass seine Profis die erstmals am 24. November beim Europa-League-Auswärtsspiel gegen Genk vollzogene Systemumstellung auf drei Innenverteidiger schnell bewältigten. „Dafür gebührt der Mannschaft großer Respekt.“

Durch das neue System gibt es bei Rapid keine klassischen Flügelspieler wie beim zuvor praktizierten 4-2-3-1 mehr. Für Gold-Torschützen Traustason hatte dies gegen St. Pölten zur Folge, dass er links in der Fünferkette auch viele Defensivaufgaben zu erledigen hatte. Der als Ersatz für den gesperrten Thomas Schrammel aufgebotene Isländer zeigte sich von der neuen Position durchaus angetan und meinte, er könne sich vorstellen, sie des öfteren auszufüllen.

Damit lag Traustason auf einer Wellenlänge mit Canadi. „Er hat die Rolle sehr gut interpretiert, es hat ihm noch mehr Spaß gemacht, weil er mit dem rechten Fuß nach innen ziehen konnte. Das könnte etwas für die Zukunft sein“, meinte der Trainer.

Für Traustason war der Erfolg die logische Konsequenz aus Rapids drückender Überlegenheit. „Es war Wahnsinn, was wir vergeben haben. Aber wir haben die Köpfe nicht hängengelassen und gewusst, dass das Tor noch kommen wird.“

Traustason sorgte jedoch nicht nur für positive Schlagzeilen - für sein brutales Einsteigen im Finish hätte der 23-Jährige durchaus die Rote Karte sehen können. Der EURO-2016-Viertelfinal-Teilnehmer entschuldigte sich danach via Twitter.

Ob Traustason auch im Europa-League-Heimspiel am Donnerstag gegen Athletic Bilbao in der Startformation stehen wird, ist offen. Canadi kündigte lediglich an, dass es gegen die Basken zu einigen Änderungen kommen werde - so dürfte etwa der zuletzt starke Louis Schaub eine Pause bekommen.

Obwohl die Aufstiegschance für Rapid schon vor dem Duell mit Bilbao dahin ist, versprach Canadi vollen Einsatz gegen den Primera-Division-Club. „Wir werden auch gegen Bilbao versuchen, das Bestmögliche rauszuhauen.“ Es gehe um viel Prestige und man werde keine Prioritäten setzen, betonte der Coach. Allerdings dürften für Rapid die letzten Liga-Partien in diesem Jahr daheim gegen Ried und auswärts gegen Altach wohl eine größere Bedeutung haben.

Für die St. Pöltner stehen vor der Winterpause noch die Heimspiele gegen die Austria und die Admira auf dem Programm. Der Vorsprung des Vorletzten auf Schlusslicht Mattersburg beträgt weiterhin drei Punkte, nachdem die Burgenländer in Ried im Finish einen 1:0-Vorsprung verspielten und 1:2 verloren.

Die Innviertler liegen damit schon neun Punkte vom Abstiegsplatz entfernt, für die Mattersburger hingegen wird die Luft immer dünner. „Wir haben gut begonnen, dann aber den Faden verloren und es nicht geschafft, nachzulegen“, analysierte SVM-Coach Ivica Vastic. Sein Club hält nach 18 Runden nur bei 11 Punkten - seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel schaffte noch nie ein Team mit so wenigen Zählern bei Saison-Halbzeit noch den Klassenerhalt. Einzige Ausnahme war die Admira, die dank des Lizenz-Entzugs für den FC Tirol 2002 im Oberhaus blieb.


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