Die Liebe zur alten und neuen Heimat geht durch den Magen

Im Dinnerclub in Innsbruck ist die Weltküche zu Hause. Beim gemeinsamen Kochen und Essen werden aber auch Brücken gebaut.

Für Farhad ist Tirol längst eine zweite Heimat geworden. Mit Gerichten aus Afghanistan begeistert er regelmäßig im Dinnerclub.
© Dinnerclub

Innsbruck — Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling erreicht Farhad 2001 Europa und kommt schließlich 2005 nach Österreich. Eine Wohngelegenheit findet der Afghane im Caritas-Integrationshaus. Und obwohl er sich dort gut aufgenommen fühlt, sind die ersten Jahre geprägt von viel Unsicherheit. Sechs lang­e Jahre muss Farhad warten, bis er einen gültigen Asylbescheid in Händen hält. „Ich habe nicht arbeiten dürfen, nichts tun können und mit 40 Euro im Monat auskommen müssen", erinnert sich der heute 33-Jährige zurück. Etwas Zerstreuung in einem sonst von Warten und Langeweile geprägten Alltag bietet in dieser schweren Zeit der Dinnerclub im Caritas-Integrationhaus.

Zweimal in der Woche kochen im Rahmen eines Themenabends Bewohner oder Freunde des Integrationshauses auf und zaubern Speisen aus aller Welt auf den Tisch. Dabei geht es nicht nur ums gemeinsame Essen, wie Farhad erklärt: „Der Dinnerclub ist vor allem auch ein Treffpunkt für Leute." Man findet Gelegenheit, die Sprache zu üben, tauscht sich aus, bespricht Probleme oder lenkt sich von ebendiesen ab. Doch Farhad genießt nicht nur die Gesellschaft, sondern greift auch selbst zum Kochlöffel. Rund sechsmal gestaltet er Abende und macht mit einem legendären Gericht — Reis mit Rosinen, Karotten und einer pikanten Sauce — von sich reden. Seine Liebe zur Kulinarik und sein Wissen um die afghanische Küche bringen ihn so weit, dass er einmal sogar als Referent einen Volkshochschulkurs leitet.

Heute betreut Farhad, das ehemalige Flüchtlingskind, in Strass im Zillertal selbst unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Als Hauptberuflicher kümmert er sich um „seine Jungs" und hat mit ihnen auch schon den Dinnerclub besucht. Denn obwohl das Integrationshaus bis zu seinem Neubau vorerst Geschichte ist, lebt der Dinnerclub im Pfarrsaal der Schutzengelkirche in Neu-Pradl, Gumppstraße 67, weiter. Am kommenden Mittwoch steht dort etwa eine vegane Reise um die Welt auf dem Speiseplan. Weitere Informationen und die Möglichkeit der Reservierung gibt es unter www.caritas-integrationshaus.at (np)


Kommentieren


Schlagworte