Ski: Hirscher verneigt sich vor neuem, altem König Kristoffersen

Val d‘Isere (APA) - Sind die Kräfteverhältnisse in den technischen Disziplinen im alpinen Ski-Weltcup einzementiert? Laut seiner eigenen Ein...

Val d‘Isere (APA) - Sind die Kräfteverhältnisse in den technischen Disziplinen im alpinen Ski-Weltcup einzementiert? Laut seiner eigenen Einschätzung fährt Marcel Hirscher im Riesentorlauf Alexis Pinturault hinterher, im Slalom musste er am Sonntag in Val d‘Isere Henrik Kristoffersen den Vortritt lassen. „Henrik ist wirklich der König des Slaloms“, meinte der Salzburger. Die ÖSV-Truppe präsentierte sich erneut stark.

Kristoffersen war die Erleichterung nach seinem elften Weltcup-Sieg deutlich anzumerken. „Die letzten zwei Monate waren sehr schwierig für mich. Heute ist deshalb ein ganz großer Tag“, sagte der 22-Jährige, dem es in letzter Zeit wegen des Zwists mit Norwegens Skiverband nicht leicht gefallen war, den Kopf freizubekommen.

Vor vier Wochen verzichtete der Blondschopf auf den ersten Slalom des WM-Winters in Levi, weil ihm der Stress zu sehr zugesetzt hatte. Der Norges Skiforbund verweigerte Kristoffersen die Erlaubnis, das weltbekannte Logo von Privatsponsor Red Bull auf Helm und Mütze anzubringen. Das ließ für ihn und seinen Vater den Gang vor ein Gericht als einzig plausiblen Ausweg erscheinen. Die Entscheidung ist ausständig und wird wohl noch Monate auf sich warten lassen.

Nun meldete sich Kristoffersen auf dem steilen Gelände der Face de Bellevarde mit beeindruckender Nervenstärke zurück. Ob das Rennen in Hochsavoyen nicht doch nur ein Ausreißer war, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Alexis Pinturault fiel im zweiten Durchgang aus, Hirscher haderte im ersten Lauf mit Abstimmungsproblemen. Abgesehen von diesen beiden blieb aber keiner auf Tuchfühlung mit Kristoffersen.

„Es ist eindeutig, dass es im Riesentorlauf einen Alexis gibt, der vorne weg fährt, und jetzt ist es Henrik. Natürlich habe ich nach dem Triumph in Levi mit großem Vorsprung gehofft, dass es besser ist. Aber Henrik ist gewaltig gefahren“, meinte Hirscher, der letztlich 0,75 Sekunden hinter Kristoffersen lag. „Er hat eine großartige Technik und fährt perfekt auf den Kanten.“ Auf ihn warte nun die Mammutaufgabe, mögliche Schlüssel zu finden, um den Norsker zu knacken. „Ich bin auf der Suche nach einigen Slalomtricks.“

Was die Punkteausbeute betrifft, freute sich der fünffache Weltcup-Gesamtsieger über ein exzellentes Wochenende. „Zwei Mal Zweiter, da darf man nicht sudern“, kommentierte er diesbezüglich. Macht Hirscher in dieser Tonart weiter und punktet in zumindest drei Disziplinen konstant, wird es für seine Weltcup-Rivalen schwer. „Wenn Marcel keine großen Fehler macht, wird ihm die sechste Kristallkugel nicht zu nehmen sein“, so die Einschätzung von Kristoffersen, dem aktuell 216 Zähler auf Hirscher fehlen.

Furiose Aufholjagden legten am Sonntag Marc Digruber und Michael Matt im zweiten Durchgang hin. Während Digruber bei seinem Vorstoß auf Platz vier 13 Positionen gutmachte, ließ Matt sogar 21 Kontrahenten hinter sich, um noch den sechsten Rang zu belegen. „Ich hab‘ gewusst, dass man einen Sprung vorwärts machen kann, weil alles knapp beieinander war. Aber 20 Plätze sind natürlich ein Wahnsinn“, sagte der Levi-Zweite aus Tirol.

Ähnlich klang Digruber nach dem bisher besten Resultat in seiner Karriere. „Ich habe schon gewusst, dass ich angreifen kann, aber damit, dass ich so knapp ans Podest rankomme, hätt‘ ich nicht gerechnet“, jubelte der Niederösterreicher. Im ersten Durchgang habe ihm ein „Riesenfehler“ rund sieben Zehntel gekostet, sagte Digruber.

Insofern wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Doch das wollte der 28-Jährige auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. „Trainieren, trainieren, trainieren“, laute der Fahrplan für die Zukunft. „Irgendwann werd‘ ich die da vorne auch schaffen, dann werd‘ ich am Stockerl stehen“, kündigte Digruber an.