Pressestimmen zum Doppelanschlag in Istanbul

Istanbul (APA/AFP/dpa) - Internationale Tageszeitungen kommentieren am Montag zum Doppelanschlag in Istanbul, zu denen sich eine Splittergru...

Istanbul (APA/AFP/dpa) - Internationale Tageszeitungen kommentieren am Montag zum Doppelanschlag in Istanbul, zu denen sich eine Splittergruppe der kurdischen Arbeiterpartei PKK bekannte:

„Frankfurter Rundschau“:

„Einmal mehr zeigt sich nach dem jüngsten Terroranschlag am Wochenende in Istanbul, dass die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan den Terrorismus nicht eindämmt, sondern befördert. Je energischer er die PKK im Südosten des Landes - und teils jenseits der Landesgrenzen - bekämpfen lässt und je mehr sich die türkische Armee in den Bürgerkrieg in Syrien einmischt, desto entschiedener wird der gewalttätige Widerstand gegen sein Regime. Wenn Erdogan nicht bald wieder mit der PKK verhandelt und ein kurdisches Autonomiegebiet in Syrien akzeptiert, könnte sich der Bürgerkrieg in seinem eigenen Land verschärfen.“

„Kölner Stadt-Anzeiger“:

„Erdogan weiß die Mehrheit hinter sich. Dass er seine Nation eint, ist nicht zu erkennen, im Gegenteil. Mit der Inhaftierung gemäßigter kurdischer Politiker gießt er Öl ins Feuer. Die Eskalation verschafft radikalen Kräften noch mehr Zulauf. Das zeigen die Anschläge von Istanbul. Die Regierung ruft nach dem Massaker zur Geschlossenheit auf. Aber in Wirklichkeit ist die Türkei tief gespalten.“

„Leipziger Volkszeitung“:

„Die Türkei: Ein Land im Fadenkreuz des Terrors. Gleich aus drei Richtungen kommt die Bedrohung: Von der IS-Terrormiliz, die sich tief im Land eingenistet hat, von pseudorevolutionären linksradikalen Untergrundorganisationen, und von der kurdischen PKK, deren militanter Terrorflügel nach dem Zusammenbruch des Friedensprozesses in der kurdischen Bewegung immer größeren Einfluss zu erlangen versucht. (...) Die Blutspur der kurdischen Terroristen ist lang. Allein in diesem Jahr töteten sie bei Anschlägen mindestens 160 Menschen, davon allein 67 bei zwei Attentaten in Ankara im Februar und März. Nicht zuletzt mit der Bedrohung durch den Terror begründet Recep Tayyip Erdogan seine Pläne für die Einführung eines Präsidialsystems. Es soll ihm nahezu unumschränkte Befugnisse geben.“

„Tages-Anzeiger“ (Zürich):

„Das Land bewegt sich in Richtung einer Diktatur - mit Erdogan als Alleinherrscher. Die Zeiten, als der Frieden mit den Kurden in greifbarer Nähe war, scheinen vorbei. In diesem Konflikt haben bislang über 40.000 Menschen ihr Leben verloren. Ein Ende der Gewaltspirale ist mit Erdogan nicht in Sicht. Die Jahre an der Macht haben den einstigen Hoffnungsträger korrumpiert und taub gegenüber jeglicher Kritik gemacht. So bleibt das Land im Kreislauf der Rache gefangen.“