Klimawandel

Gletscherschwund und Klimawandel: Forscher belegen klare Verbindung

Die Forscher haben 37 Gletscher und ihre Regionen erforscht, darunter den Hintereisferner in den Ötztaler Alpen. (Fotolizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ )
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Dass Gletscher weltweit „dahinschmelzen“ gilt als eines der stärksten Anzeichen für den vom Menschen verursachten Klimawandel, Belege für einen Zusammenhang gab es bisher jedoch nicht. US-Forscher haben nun zusammen mit einem Innsbrucker Studenten eine Arbeit vorgelegt, die diese Lücke füllt.

Innsbruck, Seattle – Auch wenn der designierte US-Präsident Donald Trump den Klimawandel für eine Erfindung der Chinesen hält, ist er doch durch viele wissenschaftliche Befunde untermauert. Als augenscheinliches Beispiel dafür werden oft die schwindenden Gletscher herangezogen. Methodische Schwierigkeiten machten es bisher aber schwer, diese Verbindung wissenschaftlich zu belegen. Im Expertenbericht des Weltklimarats IPCC ist daher sehr vorsichtig lediglich von einem „wahrscheinlichen“ Einfluss der menschgemachten Klimaveränderung auf die Schmelze die Rede.

Methodische Schwierigkeiten

und zwei Forscher aus den USA haben nun den Beweis für diesen Zusammenhang geliefert. „Bisher war man relativ sicher, dass auch dieser weltweite Gletscherrückgang auf den Treibhauseffekt zurückzuführen ist“, sagt Florian Herla, Ko-Autor der im Fachblatt Nature Geoscience erschienenen Arbeit. „Es war allerdings nicht wirklich möglich, von einem einzelnen Gletscher auf einen regionalen Klimawandel zu schließen.“

Das Problem sei bisher vor allem methodischer Art gewesen. Einerseits standen den Forschern entweder zu einfache, für diese Fragestellungen unpassende mathematische Modelle oder andererseits solche zur Verfügung, deren Berechnung einfach zu aufwendig ist. Gerard Roe und Marcia Baker von der University of Washington haben auf Basis dieser Modelle eine neue Berechnungsmethode entwickelt, „bei der die benötigte Rechenleistung auf einem halbwegs niedrigen Niveau gehalten werden kann“, so Herla, der mit den beiden Wissenschaftern in Seattle zusammengearbeitet hat.

Neue Erkenntnisse durch Arbeit in Ötztaler Alpen

Die drei Forscher haben dann 37 Gletscher und die jeweilige Region, in der sie sich befinden, genau analysiert. Herla, der sich an der Universität Innsbruck auf Atmosphärenwissenschaft und Glaziologie spezialisiert hat, interessierte sich vor allem für der Entwicklung des Hintereisferners in den Ötztaler Alpen in Tirol.

Hier konnte er auf einen mehr als 200 Jahre zurückreichenden Datensatz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) über Temperatur, Niederschlag und die jeweilige Länge des Gletschers zurückgreifen. „Aus diesem Satz haben wir die statistischen Eigenschaften der Temperatur- und Niederschlagsreihen herausgerechnet“ und dann verschiedene Szenarien des Gletschermodells durchgespielt, sagt der Forscher.

Über die Arbeit an dem Tiroler Gletscher kam das Team auf die Idee, dass sich aus einzelnen Gletschern – „die ja nichts anderes als Filter für unruhige Temperaturreihen sind“ – generellere Aussagen über den Einfluss regionaler Klimaveränderungen treffen lassen. Den neuen Analysen zufolge liegt für 36 der 37 untersuchten Gletscher die Wahrscheinlichkeit bei über 90 Prozent, dass hier der menschgemachte Klimawandel Einfluss nimmt. „Die meisten Aussagen sind also relativ eindeutig“, sagte Herla.

Effekt „überraschend“ klar

Da solche Aufzeichnungen erst über relativ kurze Zeit gemacht werden, sei es überraschend, dass der Effekt nun so klar herauskomme. Auch weil der Effekt global sichtbar ist, sei es sehr unwahrscheinlich, dass dafür natürliche Klimaschwankungen verantwortlich sind, sagt Herla. (TT.com, APA)