Prozess gegen IWF-Chefin Lagarde in Paris begonnen

Paris (APA/AFP) - In Paris hat am Montag der Prozess gegen die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, wegen eine...

Paris (APA/AFP) - In Paris hat am Montag der Prozess gegen die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, wegen einer Finanzaffäre begonnen. Der früheren französischen Wirtschafts- und Finanzministerin wird „Nachlässigkeit“ im Umgang mit öffentlichen Geldern vorgeworfen. Ihr drohen bis zu ein Jahr Haft und eine Geldstrafe von 15.000 Euro.

Hintergrund ist eine umstrittene staatliche Schadenersatzzahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie nach dem Verkauf des Sportartikelherstellers Adidas im Jahr 1993. Ein privates Schiedsgericht hatte Tapie 2008 mehr als 400 Millionen Euro Schadenersatz zugesprochen.

Lagarde hatte den Gang vor das Schiedsgericht als damalige Wirtschafts- und Finanzministerin gebilligt, um einem jahrelangen Rechtsstreit ein Ende zu setzen. Gegen den Schiedsspruch legte sie dann keinen Widerspruch ein. Die Ermittler werfen ihr vor, in beiden Fällen vorschnell und leichtfertig gehandelt zu haben. Die heute 60-Jährige hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Die französische Justiz erklärte den fraglichen Schiedsspruch 2015 für ungültig. Es laufen Betrugsermittlungen unter anderem gegen Tapie und Lagardes damaligen Bürochef, Stephane Richard, der heute Chef des Telekommunikationskonzerns Orange ist.

Von den Betrugsermittlungen ist Lagarde nicht betroffen. Ihr Fall wird vor dem Gerichtshof der Republik in Paris verhandelt, der für Vergehen von Ministern bei Ausübung ihres Amtes zuständig ist.

~ WEB http://www.imf.org ~ APA332 2016-12-12/14:35