Ärzteprotest - Protestmarsch der Ärztekammer am Mittwoch in Wien

Wien (APA) - Die Ärztekammer organisiert am Streik- und Aktionstag gegen die geplante Gesundheitsreform einen Protestmarsch in Wien. Im Ansc...

Wien (APA) - Die Ärztekammer organisiert am Streik- und Aktionstag gegen die geplante Gesundheitsreform einen Protestmarsch in Wien. Im Anschluss an eine Pressekonferenz am Mittwochvormittag im Billrothhaus marschieren Ärzte, die „ihre Solidarität zeigen wollen“, zum Franziskanerplatz in der City und verteilen Infoflyer, kündigte Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart am Montag vor Journalisten an.

Um 14.00 Uhr statten die Ärzte außerdem den Abgeordneten während der Nationalratssitzung, in der die Gesundheitsreform mit dem Ausbau der Primärversorgung beschlossen werden soll, einen Besuch ab. Mit dem Auftritt auf der Besuchergalerie des Plenarsaals wolle man „einen Appell an die Nationalratsabgeordneten richten, ihre Position nochmals zu überdenken“, sagte Steinhart.

Etwa 80 Prozent der Wiener Hausärzte werden laut Ärztekammer am Mittwoch ihre Ordinationen zusperren. Patienten sollen sich an den Ärztefunkdienst wenden, der am Streiktag zusätzliche Dienste einteilen und für eine Notversorgung zur Verfügung stehen wird, empfahl Steinhart - der sowohl Vizepräsident der Wiener als auch der Österreichischen Ärztekammer ist sowie in Wien als auch im Bund als Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte fungiert.

In Bezug auf die weitere Vorgangsweise will die Ärztekammer abwarten, ob die beiden Bund-Länder-Vereinbarungen zum Kostendämpfungspfad und zum Ausbau der Primärversorgung am Mittwoch beschlossen werden. Wenn sich an den geplanten Regelungen nichts ändere, gebe es „Potenzial, den Protest zu erweitern“. Steinhart forderte eine ausreichende Finanzierung und 300 zusätzliche Ordinationen in Wien. Um die Kommunikation zu verbessern, wünscht er sich außerdem einen Runden Tisch mit allen Beteiligten, so auch Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und Bürgermeister Michael Häupl (beide SPÖ).

Der Ärztekammer-Vizepräsident bekräftigte seine Kritik an der im Zuge des Finanzausgleichs vereinbarten Gesundheitsreform. Die geplanten Primärversorgungszentren würden das bewährte System der wohnortnahen Versorgung durch Hausärzte aushebeln. „Es ist für ältere Menschen fast eine Frage ihrer Menschenwürde, dass sie noch selbst zu Fuß ihren Arzt erreich können“, meinte Steinhart. Außerdem habe er die Sorge, dass mit den Primärversorgungszentren der persönliche Bezug zwischen Arzt und Patienten verloren gehe. Die Ärztekammer befürchtet außerdem, dass die Versorgung künftig durch gewinnorientierte Konzerne statt durch freiberufliche Ärzte erfolgen könnte. „Unsere größte Sorge ist, dass Ärzte nicht mehr so unabhängig agieren können wie es derzeit geht“, sagte Steinhart.