Graz-Wahl: Nagl will dazugewinnen und eine „fantasievolle Stadt“
Graz (APA) - Die Grazer Volkspartei hat am Montag zum offenen Stadtparteitag in die Helmut-List-Halle geladen und Siegfried Nagl einstimmig ...
Graz (APA) - Die Grazer Volkspartei hat am Montag zum offenen Stadtparteitag in die Helmut-List-Halle geladen und Siegfried Nagl einstimmig offiziell zum Spitzenkandidaten für die Grazer Gemeinderatswahl am 5. Februar gewählt. Der amtierende Bürgermeister will sich davon tragen lassen und an Stimmen dazugewinnen, so sein Ziel. Bei der Gemeinderatswahl 2012 hatte er 33,74 Prozent der Stimmen erhalten.
Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer leitete mit seiner Rede den Parteiabend ein und sprach von einer Zeit des Umbruchs: „Die Welt scheint ein einziger Krisenherd zu sein und der macht auch vor unseren Grenzen nicht Halt. In solchen Zeiten muss man zusammenstehen, das Miteinander und nicht das Gegeneinander suchen.“ Er appellierte an die Spitzen der Parteien, Flagge zu zeigen und nicht Angst zu schüren. Nagl sei seit knapp 14 Jahren Bürgermeister der steirischen Landeshauptstadt und habe diese zu dem gemacht, was ist ist: eine wachsende Stadt mit mehr als 300.000 Einwohnern - Zweitwohnsitze miteingerechnet - und eine Stadt der Bildung.
Die Zahl der Studierenden sei in Nagls Zeit als Stadtoberhaupt von 42.000 auf 62.000 gestiegen. Graz sei eine Sport-Hauptstadt, eine Stadt der Menschenrechte, der Wirtschaft und der Tourismusentwicklung, sagte Schützenhöfer. In Graz hätten Menschen alle Chancen am Arbeitsmarkt. Die Grazer hätten vor allem im Vorjahr nach der Amokfahrt und der Bewältigung der Flüchtlingsankünfte begriffen, „auf wen in stürmischen Zeiten Verlass ist, das ist Siegfried Nagl und kein anderer“, sagte der steirische ÖVP-Chef. Die anderen bezeichnete er als Verhinderer und Blockierer, Graz brauche klare Verhältnisse, um in eine gute Zukunft zu gehen.
Dem „Gerede von Schwarz-Blau“ erteilte Schützenhöfer eine Abfuhr: „Dass ich nicht lach‘. Wir haben kein Techtelmechtel mit blau. Wollt ihr einen blauen Bürgermeister oder eine kommunistische Bürgermeisterin? Oder wollt ihr Nagl? Diese Frage geht ganz eindeutig aus.“ Nagl ist für Schützenhöfer ein „Mann der Stabilität, der Verlässlichkeit, bei dem man weiß, woran man ist, einer der mit den Großen kann und auf Kleine schaut“. Er hält ihn für einen Mann mit Charakter, der in seiner Familie Rückhalt bekomme und Graz als „größere Familie“ ansehe. Schützenhöfer meinte, dass Graz gut dasteht, „aber es wird vor Herausforderungen stehen, die wir noch nicht kennen, weil sich die Welt verändert“. In solch einer Zeit sollte ein „stabiler Zukunftskurs bestätigt“ werden.
Statt von ÖVP-Parteiobmann Reinhold Mitterlehner spielte die Grazer Volkspartei eine Videobotschaft von Außenminister Sebastian Kurz ein, der Nagl schon lange kenne und erklärte: „Ich finde dich, lieber Sigi, super.“
Nagl selbst präsentierte die Linie für den Wahlkampf: „Wir wollen Klartext reden.“ Man wolle das plakatieren, was die ÖVP in Graz nicht wolle, durchstreichen und die Alternative nennen: „Stillstand riskieren wollen wir nicht“, man wolle Zukunft gestalten. Das Stadtoberhaupt bediente sich in seiner Rede an einem Ausschnitt aus einem Kinderbuch: „Wenn Alice im Wunderland von der Katze gefragt wird, wie sie weitergehen soll, dann sagt sie, das hängt davon ab, wohin du willst. Wäre ich die Katze, würde ich sagen: Du solltest am besten nach Graz gehen.“ Die Stadt sei bunt und beherberge Menschen aus fast der ganzen Welt.
Dann ging Nagl zum Angriff über: Die FPÖ habe als einziges Thema die Spaltung der Gesellschaft. Er wisse, dass viele zuletzt Norbert Hofer gewählt haben. Der Bürgermeister versicherte aber, dass auch er die Sorgen der Leute teile: „Aber in Graz werden wir ein Miteinander schaffen.“ Jene nach Graz geflüchteten Menschen, die Verbrechen begehen, Frauenrechte nicht akzeptieren und nicht arbeiten, wolle Nagl aber die Unterstützung versagen. Scharfe Kritik äußerte er am System der Mindestsicherung: Dieses sei der falsche Weg, denn jeder solle seine Talente am Arbeitsmarkt einbringen, außer die schwer Erkrankten: „Es darf von den Menschen verlangt werden, dass sie arbeiten.“
Nach der FPÖ nahm Nagl die KPÖ als zuletzt zweitstärkste Kraft im Gemeinderat ins Visier. Der Bürgermeister meinte, dass er kein Land kenne, in dem der Kommunismus regiere und es den Menschen gut ginge. Vizebürgermeisterin Elke Kahr stehe zum Kommunismus und damit zum Beispiel auch für die Abschaffung von Eigentum. Zuletzt schoss sich Nagl auch noch auf die Grünen ein, deren Politik er als unreif bezeichnete.
Am Ende gab sich Nagl optimistisch und zitierte Albert Einstein, der die Unbegrenztheit der Fantasie schätzte: „Ich hoffe auf eine fantasievolle Stadt.“ Wenn seine Wahlhelfer gefragt werden, warum sie den Bürgermeister wieder wählen sollten, dann sollen sie antworten: „Weil Nagl diese Stadt von ganzen Herzen liebt.“ Mit dem Schlusswort erhielt das Stadtoberhaupt stehende Ovationen.
~ WEB http://www.oevp.at ~ APA510 2016-12-12/20:38
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