Kirche

Opus-Dei-Chef Javier Echevarria ist tot

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Der Prälat des „Werk Gottes“ starb 84-jährig an den Folgen einer Lungenentzündung.

Rom – Der Chef der einflussreichen konservativen katholischen Laienbewegung Opus Dei, Bischof Javier Echevarria, ist tot. Der Prälat des in Rom ansässigen „Werk Gottes“ starb am Montagabend an den Folgen einer Lungenentzündung, wie der Pressesprecher von Opus Dei Deutschland, Hartwig Bouillon, bestätigte. Der 1932 in Madrid geborene Echevarría wurde 84 Jahre alt.

Die Priester- und Laienorganisation Opus Dei (Werk Gottes) gilt als eine der einflussreichsten und konservativsten Gruppierungen in der katholischen Kirche. Sie soll das Verlangen der Mitglieder nach „christlicher Vollkommenheit“ fördern. Gegründet im Jahr 1928 vom spanischen Priester Josemaria Escriva (1902-1975), gehören der Gruppe rund 80.000 Mitglieder in 80 Ländern an.

Ziel: „Heiligung des Alltags“

Prominentestes Mitglied des Opus Dei in Österreich ist der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng. Er war vor seiner Bischofsweihe in Vorarlberg im Jahr 1989 Chef von Opus Dei in Österreich, wo der Orden seit 1957 aktiv ist. Er zählt 350 Mitglieder in Österreich, die Zahl der Sympathisanten wird mit 1.000 angegeben. Regionalvikar für Österreich ist der frühere Wirtschaftsberater Ludwig Juza.

Ziel des Opus Dei die „Heiligung des Alltags“: Die Mitglieder sollen ihr Leben und ihre Arbeit ganz in den Dienst Gottes stellen sowie Gesellschaft und Staat „christianisieren“. Außerdem gibt es strenge Gehorsams- und Bußregeln für die Mitglieder. „Wir haben den Ehrgeiz, die Institutionen der Völker, der Wissenschaft, der Kultur, Zivilisation, Politik, Kunst und sozialen Beziehungen zu heiligen und zu christianisieren“, heißt es in einer Opus-Dei-Zeitschrift.

Weltweit in die Schlagzeilen geriet das „Werk Gottes“ durch die Verfilmung des Kirchenkrimis „The Da Vinci Code“, in dem ihn US-Autor Dan Brown als düsteren Geheimbund darstellte.

IM Strudel der „Vatileaks“-Ermittlungen.

Sprecher des Opus Dei mussten sich schon zuvor immer wieder gegen Kritik verteidigen, man versuche wie ein „Geheimbund“, Mitglieder systematisch in Schaltstellen der Gesellschaft einzuschleusen. Auch Bischöfe und Kardinäle gehören Opus Dei an oder sympathisieren mit der Organisation, die vor allem von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) gefördert wurde. Er machte mit Joaquin Navarro-Valls einen Opus-Dei-Mann zum Vatikansprecher und ließ Opus-Dei-Gründer Escriva im Jahr 2002 im Schnellverfahren heiligsprechen. Escrivas Nachfolger als Opus-Dei-Chef, Bischof Alvaro del Portillo y Diez de Sollano (1914-1994) wurde im Jahr 2014 unter Papst Franziskus freigesprochen.

Das Werk betreibt mehrere Universitäten und andere Bildungsstätten, vor allem in Spanien, wo die meisten Mitglieder leben. Manche Zeitungen und Rundfunkanstalten gelten als Opus Dei orientiert.

Allerdings geriet die Organisation auch in den Strudel der „Vatileaks“-Ermittlungen. So wurde der Opus-Dei-Priester Lucio Vallejo Balda im zweiten Vatileaks-Prozess im heurigen April zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt, weil er Vatikan-Gelder veruntreut haben soll.

Vor allem in den 1980er Jahren hatte die Organisation Negativ-Schlagzeilen gemacht: Ehemalige Mitglieder berichteten von fragwürdigen und sektenähnlichen Bekehrungsversuchen, vor allem bei jungen Leuten. Kritiker werfen Opus Dei vor, es arbeite der Öffnung der Kirche nach dem zweiten Vatikanischen Konzil entgegen. ( APA, dpa)

Hintergrund:

Die Leitung geht nun zunächst an Fernando Ocariz über, wie Opus Dei Deutschland auf seiner Internetseite weiter mitteilte. Er werde innerhalb eines Monats einen Kongress zur Wahl des neuen Prälaten einberufen. Der Kongress müsse dann innerhalb von drei Monaten stattfinden; die Wahl müsse dann noch vom Papst bestätigt werden.

Opus Dei genießt in der katholischen Kirche einen Sonderstatus. Es ist eine sogenannte Personalprälatur, diese kirchenrechtliche Sonderform mit der Möglichkeit, unter Leitung eines Oberhirten eine eigene Einheit innerhalb der Kirche zu bilden, wurde 1969 vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeführt und bisher nur der Organisation gewährt.

Wegen ihres oft im Hintergrund stattfindenden Wirkens und ihres politischen Einflusses gilt Opus Dei als von Geheimnissen umwittert. So wirkte die Organisation seit den 1950er-Jahren als starke Stütze der Diktatur von Francisco Franco in Spanien. Auch für das Militärregime von Augusto Pinochet in Chile (1973-1990) hegten Mitglieder der Organisation Sympathien.