Standort Tirol

Kufsteiner bündeln die Kräfte

© Mader

Tourismusverband und Stadtrat sagen Ja zu gemeinsamer Marketing-Gesellschaft. Millionenbudget für Veranstaltungen und Standortwerbung. Auch die Umlandgemeinden werden einbezogen.

Von Wolfgang Otter

Kufstein –Es wird ein Experiment, auf das sich die Stadt Kufstein und der TVB Kufsteinerland einlassen. Eines mit politischer und finanzieller Sprengkraft. Künftig werden – wie berichtet – die Marketingkräfte gebündelt, gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt und Werbung betrieben. Die Top City bleibt davon unberührt, sie wird sich nun ausschließlich um die Festung kümmern. Der entsprechende Beschluss dafür stand vorgestern Abend bei der Vollversammlung des TVB im Mittelpunkt, nachdem der Kufsteiner Stadtrat bereits zugestimmt hatte (der Gemeinderat wird sich heute damit beschäftigen). Jetzt mussten noch die Touristiker ihren Segen geben, was in einer geheimen Abstimmung mehrheitlich geschah.

„Eines will ich klarstellen, wir beteiligen uns an keinem Gebäude“, sagte Kufsteinerland-Obmann Hans Mauracher. „Wir haben uns beim Land Tirol erkundigt, die sind sehr glücklich darüber, dass wir in Tirol unter den Ersten sind, die so etwas machen“, fügte Mauracher an. Die neue Gesellschaft soll über ein Budget von rund einer Million Euro verfügen. Seitens der Touristiker, so wurde am Abend erklärt, werden 140.000 Euro vom Event- und Medienetat aus der Top City in die GmbH umgeschichtet, außerdem fließen 30.000 Euro für Grafikkosten sowie 40.000 Euro für Stammkapital und Administrationskosten. Die Gesellschaft wird auch den Blumenkorso, Kufstein Unlimited und die Rad WM 2018 abwickeln. Die genaue finanzielle Aufteilung wird nach Art der Veranstaltung erfolgen.

Den Löwenanteil steuert aber die Stadt bei, auch weil sie unter anderem Personal über die GmbH anstellt. Der TVB stellt zwar auch Arbeitskräfte und mit Stefan Pühringer einen der beiden Geschäftsführer (den zweiten bestimmt die Stadt), die bleiben aber beim Kufsteinerland beschäftigt. „Wichtig ist uns, dass die Finanzen künftig transparent dargestellt werden, wer für was einzahlt“, sagte Pühringer.

Die neue Marketing-Gesellschaft ist nicht nur für die Stadt zuständig, wie TVB-Obmann Johann Mauracher erklärte. Daher wird ein Vertreter aus einer zum Kufsteinerland gehörenden Gemeinde in den Aufsichtsrat einziehen. Aber es sei auch für die umliegenden Orte wichtig, „dass die Events in der Stadt funktionieren, davon profitiert auch das Umland“, wie Mauracher sagte.

Doch die Vereinbarung zauberte nicht allen Touristikern ein Lächeln auf die Lippen. Hotelier Hermann Simon Huber appellierte an den TVB, die Finger davon zu lassen. Er erinnerte daran, dass man vor Jahren alle Gesellschaften verlassen habe, um sich auf die Werbung zu konzentrieren, „daher sollten wir uns nicht wieder in Gesellschaften verzetteln“. Dazu sorgte er noch für einen unschönen Zwischenruf, als er einem anderen Redner eine „Watschn“ androhte, weil dieser sein Fehlen in der entscheidenden Aufsichtsratssitzung kritisierte (Huber war schwer erkrankt).

Hotelier und Stadtsaalbetreiber Thomas Sappl wiederum forderte die Einhaltung der Richtlinien bei der Vermittlung von Veranstaltungsräumen ein, „weil wir auch in den TVB Geld einbringen“. Positiv sah es Hotelier Richard Hirschhuber, der vorrechnete: „Ganz einfach auf den Punkt gebracht, setzen wir 40 Cent ein und bekommen dafür einen Euro.“

Auch für BM Martin Krumschnabel handelt es sich um ein Experiment, „daher habe ich auch darauf gedrängt, dass der Vertrag jährlich kündbar ist“, wie er gegenüber der TT gestern erklärte (er konnte an der Versammlung nicht teilnehmen). Sollte die Zusammenarbeit in dieser Form nicht funktionieren, „lassen wir es wieder“. Seitens des TVB wäre an eine Laufzeit von drei Jahren gedacht gewesen. Der Stadtchef erinnert aber auch an die bislang gute Zusammenarbeit über den Kooperationsvertrag und sieht für den städtischen Teil der GmbH die Vermarktung des neuen Kufsteiner Kulturquartiers vorrangig, wobei er auch die Notwendigkeit der Chancengleichheit bei der Vergabe von Veranstaltungsräumen hervorhob. „Daher haben wir bereits eine Preisliste für das Kulturquartier beschlossen, damit man sieht, hier kostet es auch etwas“, sagte Krumschnabel.

Musical begeisterte nicht alle

Nicht zufrieden zeigte sich Johann Mauracher, Obmann des TVB Kufsteinerland, mit dem Verlauf des jüngsten Operettensommers, bei dem das Musical „The Sound of Music" auf dem Programm stand. Da sei das „eine oder andere nicht mehr zeitgemäß. Da muss nachjustiert werden. Wir sind in harten Gesprächen mit unserem Partner", sagte er. Wie Mauracher gegenüber der TT ausführte, gehe es um die Qualität. Der TVB-Obmann könnte sich sogar vorstellen, in Hinkunft beim Programm mitzureden. Bekanntlich unterstützt das Kufsteinerland mit 100.000 Euro, die Stadt und ihre Gesellschaften mit 300.000 Euro den Operettensommer. Der Vertrag läuft bis 2021. Laut BM Martin Krumschnabel habe es eine Sitzung mit Operettensommer-GF Josef Resch gegeben, aber dass „zu wenige Übernachtungsangebote verkauft wurden, ist nicht Sache des Veranstalters, sondern des TVB". Er sei zufrieden mit der Qualität. Josef Resch war gestern nicht erreichbar. (wo)