Statt Handl andere Betriebe in Haiming
Der Haiminger Forchet wird jetzt doch für Gewerbe und Industrie genutzt. Von den ursprünglichen zehn Hektar sind aber nur noch 5,9 vorgesehen und 3,9 nun gewidmet.
Von Agnes Dorn
Haiming –Dass der Speckproduzent Handl nun statt im Forchet seinen Betrieb auf Tiwag-Grund südlich der Bundesstraße ansiedeln wird, hieß offensichtlich nicht, dass der Forchetwald in Haiming deshalb von anderen Betriebsansiedlungen verschont bleiben sollte. Bei der Gemeinderatssitzung am Samstagvormittag wurden nämlich 3,9 Hektar von derzeit Freifläche zu Gewerbe- und Industriegebiet umgewidmet. Dieser ursprünglich vorgesehene Standort östlich der Motorsportarena und nördlich der Wiesrainstraße im Gewerbegebiet Ötztal-Bahnhof wurde im Zuge der Handl-Diskussion im vorgezogenen Raumordnungskonzept (ROK) als 10 Hektar große Fläche ausgewiesen. Dieses Areal wurde nun im ROK auf 5,9 Hektar im selben Tagesordnungspunkt reduziert. Schon vor zwei Jahren war der Forchet und seine umstrittene Nutzung Thema bei einem TT-Forum.
Bürgermeister Josef Leitner sprach in diesem Zusammenhang von einer Kompromisslösung, da man auch im Falle einer Betriebsansiedlung des Speckherstellers im Forchet „eine komplette Umstrukturierung gebraucht“ hätte. Groß war die Mehrheit beim Beschluss nicht, denn nur mit elf zu sechs Stimmen wurde der Antrag angenommen.
Auch unter den Befürwortern gab es kritische Meinungen: Bernhard Zolitsch zeigte beispielsweise die Möglichkeit auf, im Zuge der neuerlichen Diskussion zugleich die Unterschutzstellung des restlichen „Hauptforchets“ voranzutreiben, und auch Andreas Saurwein wollte dem Antrag nur zustimmen, wenn zugleich ein Grundsatzbeschluss zum restlichen Forchet gefasst würde: „Bis hierher und dann ist Schluss, wäre ja das, was wir wollen.“ Diese Grenze sei ja in der Flächenwidmung bereits enthalten, konterte Leitner und gab Stefan Kuprian Recht, der meinte: „Es gibt keine endgültige Sicherheit.“ Kuprian stimmte dem Antrag jedoch nicht zu.
Ob man nun den restlichen Forchet unter Naturschutz stellen kann, will man nun klären. Gemeinderätin Petra Hofmann von den Grünen äußerte Bedenken, ob die Fläche nicht inzwischen für eine Unterschutzstellung zu klein geworden wäre. Die Forderung der freiheitlichen Monika Prantl, einen Naturschutzausschuss zu gründen, hielt sie zudem für übereilt: „Da sollten wir von Anfang an jemanden vom Land dazuholen, damit wir auch Experten mit im Boot haben.“ Im Ausschuss sollte auf jeden Fall von jeder Fraktion einer dabei sein, so Leitner.
Hofmann gab auch zu bedenken, dass der Platzbedarf für Gewerbe und Industrie gar nicht in dem Ausmaß vorhanden sei. Dass eine Umwidmung trotzdem sinnvoll sei, befand hingegen der Gemeindechef: „Da werden wir jetzt nicht quadratmeterbedarfsgerecht widmen, sondern auch Reserven schaffen. Null ist kein Kompromiss.“ Außerdem gäbe es Betriebe, die man nicht auf den bereits umgewidmeten Gewerbeflächen ansiedeln wolle, so Leitner: „Da tut mir bei einer bestimmten Art von Betrieben das Herz weh.“
Einen Teil des Forchets dagegen für Industrieansiedlung zu verwenden, sieht das Gemeindeoberhaupt unkritischer: „So viel ökologisches, biologisches Verständnis bilde ich mir ein zu besitzen, dass ich sagen kann, dass das Gebiet nicht so wertvoll ist.“
Die Alternativvorschläge der anderen Fraktionen, wie die Verschiebung der Fläche nach Süden, sieht Leitner dagegen mit Ablehnung: „Da sind schon Leute unterwegs. Der Raum wird genutzt.“
Zur Nutzung des nun zur Umwidmung freigegebenen Föhrenwaldstücks dürften sich wohl auch bald Interessenten finden, denn fünf Ansuchen für Gewerbeflächen gibt es bereits.
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