Reutte

Volle Herzen und Kirchen in der Weihnachtszeit

© Helmut Mittermayr

Dekan Neuner sorgt sich um eigentlichen Sinn der Feiertage. Einsame Menschen sind zu seiner persönlichen „Bescherung“ herzlich geladen.

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Wenn die stille Zeit vorbei ist, wird’s auch endlich wieder ruhiger. Der bayerische Humorist Karl Valentin hatte schon vor 100 Jahren für die Weihnachtszeit einen treffenden Aphorismus parat. Dekan Franz Neuner wird ihn wohl bestätigen können. Auf den katholischen Geistlichen und Leiter des Seelsorgeraumes Reutte kommen intensive, aber auch besondere Tage zu. Insgesamt 25 Priester, Pfarrer, Diakone und Pastoralassistenten im Außerfern werden die Feiertagsgottesdienste zelebrieren. „Und viele, viele mehr an ehrenamtlichen Helfern unterstützen uns. Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich. Wir Hauptamtlichen allein könnten das niemals machen“, ist sich Neuner bewusst.

Ein klein wenig ruhiger als üblich werden die heurigen Feiertage für die Geistlichen aus einem trivialen Grund sein. Was dieses Jahr den Menschen weniger Feiertage beschert, entlastet die Pfarrer – Heiliger Abend und Christtag fallen auf Samstag und Sonntag. Tage, an denen sie sowieso in den Kirchen gestanden wären.

Auf die TT-Frage, welche Frequenz der Dekan über die Feiertage erwartet, sagt er „überall g’schteckt voll“. Weihnachten sei eine Zeit, die viel Gutes zu Tage fördere. Die Hilfsbereitschaft nehme stark zu, das Spendenaufkommen ganz besonders. Gleichzeitig sorgt sich Neuner, dass der eigentliche Sinn zugedeckt wird. „Wenn sofort nach Allerheiligen die Nikoläuse in den Regalen stehen, zeigt das, wie Wirtschaft und Konsum alles bestimmen.“ Für viele komme jetzt auch eine Zeit, in der auf hohe Ansprüche starke Ernüchterung folge. Alle wünschten sich Harmonie. Aber es gebe traurige Vorkommnisse, Vorfälle in Familien, woran viele knabbern.

Neuner mag Weihnachten persönlich sehr gern, gerade aus der theologischen Position heraus. „Ich finde es umwerfend, dass Gott so groß gedacht werden kann, wie es größer nicht geht. Nämlich, dass Gott Mensch wird. Das ist ein sehr tröstlicher Gedanke. Damit versteht er alle Nöte und Sorgen der Menschen“, ist sich der Dekan sicher.

Die Gottesdienste am Heiligen Abend nehmen im Seelsorgeraum Reutte auch auf ideale Abläufe in den Familien Rücksicht. Die Metten in Wängle, Lechaschau, Pflach und Reutte finden alle um 22 Uhr statt. Nur in Breitenwang starten die Spätberufenen um Mitternacht.

Nach zweijähriger Pause spricht Dekan Franz Neuner eine schon bald traditionelle Einladung wieder aus. Wer am Heiligen Abend allein ist und die Zeit gerne in Gesellschaft verbringen möchte, ist von 19 bis 21.30 Uhr im Widum herzlich willkommen. Niemand brauche sich „sorgen“ – es handle sich nicht um eine Andacht, sondern um ein gemeinsames, fröhliches Zusammensein, Feiern und Singen. Eine Anmeldung beim Pfarramt ist erwünscht.