UniCredit wird die größte Kapitalerhöhung in der Geschichte Italiens

Wien/Mailand (APA/Reuters/dpa-AFX) - Die mit dem Rücken an der Wand stehende italienische Großbank UniCredit versucht mit einer riesigen Kap...

Wien/Mailand (APA/Reuters/dpa-AFX) - Die mit dem Rücken an der Wand stehende italienische Großbank UniCredit versucht mit einer riesigen Kapitalerhöhung, der Auslagerung von Krediten und einem forcierten Sparkurs den Befreiungsschlag. Als wichtigster erster Schritt soll die Ausgabe neuer Aktien - wie bereits erwartet - 13 Milliarden Euro bringen, teilte Mailänder Mutter der österreichischen Bank Austria am Dienstag mit.

Die Kapitalerhöhung ist die größte in der italienischen Wirtschafts-Geschichte. Sie soll bis spätestens Juni 2017 umgesetzt sein, als engeres Ziel wurde heute das Ende des ersten Quartals genannt. Zehn Banken haben Garantien übernommen, dass sie die neuen Aktien an den Mann bekommen.

Der Mailänder Bankkonzern will fast so viel Geld aufnehmen, wie er an der Börse wert ist, dort sind es 15 Mrd. Euro. In diesem Jahr allein hat UniCredit die Hälfte ihres Marktwertes verloren. Nun sollen zehn Aktien zu einer zusammengelegt werden. Die neuen Nachrichten zum Geschäftsplan kamen heute vorerst gar nicht an. Die Aktie gab zu Handelsbeginn um mehr als 5 Prozent nach, dann drehte sie ins Plus.

Der seit knapp einem halben Jahr amtierende Konzernchef Jean-Pierre Mustier hatte den Kapitalbedarf mit dem Verkauf der polnischen Tochter Pekao und der Fondsgesellschaft Pioneer sowie einem Teilverkauf der Online-Tochter FinecoBank vorab etwas reduziert.

Weitere Verkäufe seien nun nicht geplant, sagte Mustier heute. Namentlich die deutsche HVB nannte er bei einer Pressekonferenz in London als „strategische“ Beteiligung. An der börsennotierten FinecoBank will Mustier weiterhin die Kontrolle bewahren.

Die Bank will zudem Kredite über fast 18 Milliarden Euro an Finanzinvestoren verkaufen. So sollen die Risiken für den Konzern sinken. Außerdem forciert die Bank einmal mehr den Sparkurs. Die Kosten sollen bis 2019 um weitere 1,7 Mrd. Euro gedrückt werden, davon 1,1 Mrd. Euro Personalkosten. Über den bereits bekannten Abbau von tausenden Stellen fallen weitere 6.500 Arbeitsplätze weg.

Die Zahl der Mitarbeiter in Italien soll nach Medienangaben um 21 Prozent reduziert werden, was 3.900 Jobs entspricht. 800 Filialen sollen in der Heimat geschlossen werden.

Insgesamt sollen bis Ende 2019 auf vergleichbarer Basis konzernweit rund 14.000 Stellen gestrichen werden. Ein Teil davon geht aber auf bereits bekannte Sparprogramme aus der Zeit vor dem Start des neuen Vorstandschefs Mustier im Sommer zurück. Ende September hatte die UniCredit rund 123.000 Vollzeitarbeitsplätze. Wie die Konkurrenten auch hat die Bank ihre Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren drastisch reduziert. So hatte die UniCredit im Jahr 2010 noch mehr als 160.000 Mitarbeiter.

Wie viel vom zusätzlichen Personalabbau auf Deutschland und Österreich entfällt, teilte die Bank vorerst nicht mit. Vom Abbau dürfte in Deutschland vor allem das Investmentbanking betroffen sein, das konzernweit mit dem Firmenkundengeschäft verzahnt werden soll. Mustier will die Führungsstrukturen deutlich straffen. Insgesamt kostet der Konzernumbau 12,2 Milliarden Euro, 8,1 Milliarden Euro schreibt UniCredit im vierten Quartal allein auf faule Kredite ab.

„Wir gehen unsere Altlasten konsequent an, um die Qualität der Bilanz deutlich zu verbessern und die Basis für nachhaltige Gewinne zu schaffen“, erklärte Mustier. Der Plan basiere darauf, dass UniCredit eigenständig bleiben werde. Es gebe keine Gespräche über einen Zusammenschluss. Zuletzt hatte es Spekulationen über eine Fusion mit der französischen SocGen gegeben.

Die Übernahme anderer Banken in Italien schloss Mustier heute aus. „Wir werden uns nicht an der Bankenkonsolidierung in Italien beteiligen“.

~ ISIN IT0004781412 WEB https://www.unicreditgroup.eu

http://www.bankaustria.at ~ APA176 2016-12-13/11:07