Franziskus wird 80: Als Papst bei Reformen mit Gegenwind konfrontiert
Vatikanstadt (APA) - Seinen 80. Geburtstag feiert der Papst am Samstag im kleinen Kreis der Kardinäle, die mit ihm im Gästehaus Santa Marta ...
Vatikanstadt (APA) - Seinen 80. Geburtstag feiert der Papst am Samstag im kleinen Kreis der Kardinäle, die mit ihm im Gästehaus Santa Marta wohnen. Glückwünsche aus den höchsten Kirchenkreisen treffen zum runden Geburtstag des Kirchenoberhauptes ein. Doch den Pontifex umgeben nicht nur Freunde.
Wegen seines offenen, volksnahen und modernen Kurses hat Franziskus auch Feinde in der Kurie, die ihm zu schaffen machen und Steine in den Weg legen. „Die Kurie ist reformbedürftig. Sie hängt an alten Traditionen, die längst überholt sind. Das meine ich nicht im negativen Sinn, doch das muss sich jetzt ändern“, sagt der Papst im Dokumentarfilm „Papst Franziskus: ‚Wie Gott will‘“, den die TV-Plattform Sky Atlantic am Montag sendete.
Der Papst, der gelassen seine Probleme mit dem strengen Protokoll im Vatikan zugibt, hat mit der Kurie nicht unbedingt ein einfaches Leben. Im Ringen um die künftige Linie der katholischen Kirche kämpfen Modernisierer und Konservative mit harten Bandagen. Vor allem bei der Kurienreform und in punkto Familienpastoral bekommt der argentinische Pontifex rauen Gegenwind zu spüren. Der Reformprozess der Kirche, will er effektiv sein, schafft Spannungen, die der Papst zwar hinnimmt, jedoch nicht ignorieren kann.
Viel Kritik in erzkonservativen Kreisen muss der Papst wegen seines im April veröffentlichten Schreibens zu Ehe und Familie „Amoris Laetitia“ hinnehmen, das sich vor allem mit dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen beschäftigt. Dem Papst geht es um ein genaues Hinsehen auf die individuellen Lebensrealitäten und -umstände der Betreffenden, auch wenn sich diese in einer sogenannten „irregulären“ Lebenssituation befinden. Strittig ist, ob diese Gläubigen nun - anders als bisher - in Ausnahmefällen zur Kommunion zugelassen werden dürfen oder nicht.
Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Debatte zuletzt mit der Veröffentlichung eines Briefes von vier Kardinälen. Die Unterzeichner, unter ihnen der emeritierte Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner, fordern vom Papst größere Klarheit in einigen Punkten, die aus ihrer Sicht mehrdeutig sind, etwa zum Umgang mit Geschiedenen. Weil Franziskus ihnen nicht antwortete, schrieben sie im November einen Offenen Brief, um das „ganze Volk Gottes von unserer Initiative“ zu informieren.
Kritik zog sich der Papst auch wegen seines Beschlusses zu, Frauen nach einer Abtreibung den Weg zur kirchlichen Vergebung zu erleichtern. Es bestehe die Gefahr, dass sich Frauen nun eher zu einer Abtreibung entschließen würden, weil sie irrtümlich überzeugt wären, „ihnen werde leicht vergeben“, betonte der pensionierte Kurienerzbischof Gianfranco Girotti. Der Umstand, dass nun jeder Priester die Befugnis habe, davon loszusprechen, könne das Bewusstsein für die Sündhaftigkeit von Abtreibungen schwächen, so der italienische Geistliche. Etliche Glaubensbrüder teilen im Vatikan die Bedenken Girottis. Der Papst hatte im November mit dem Schreiben „Misericordia et miseria“ allen Priestern die Befugnis erteilt, von der „Sünde der Abtreibung“ loszusprechen. Eine entsprechende Vollmacht hatte Franziskus schon für das Heilige Jahr erteilt. Nun wird sie dauerhaft gelten.
Seit seinem Pontifikatsbeginn vor mehr als dreieinhalb Jahren bemüht sich Jorge Mario Bergoglio auch um mehr Transparenz in den vatikanischen Finanzen. Diese wurden lange nicht nach modernen Verfahrensweisen gehandhabt, was bisweilen zur Unterschlagung von Mitteln führte. Die Einführung moderner Methoden durch den Argentinier stößt in Teilen der Kurie auf heftigste Vorbehalte, weil dies alteingefahrene Gewohnheiten umstößt. Bestimmte Lobbys im Vatikan beobachten mit Unmut Franziskus‘ entschlossenes Engagement für Transparenz bei Ausgaben und im Umgang mit Spendengeldern.
Franziskus‘ Reformelan hat weltweit große Hoffnung in den Gläubigen ausgelöst, die sich eine offenere und modernere Kirche wünschen. Zugleich wird dieser Modernisierungsdrang dem Papst wohl noch viel Widerstand bescheren. Denn mehrere Baustellen muss Franziskus noch angehen, unter anderem die Fortsetzung der Kurienreform. Die Herausforderung ist für Franziskus gewaltig: Er will in der Kurie schlankere Strukturen mit weniger Kongregationen und Räten schaffen. Die Kurienbehörden sollten sich besser abstimmen als bisher und regelmäßig zu Beratungen zusammenkommen, lautet das Anliegen des Heiligen Vaters. Er fordert auch die Einführung regelmäßiger Kabinettssitzungen und verspricht sich davon eine bessere Koordination der Arbeit im Vatikan. Für Geburtstagsfeierlichkeiten wird Papst Franziskus also wenig Zeit haben.
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