Europas Börsen bis Mittag einhellig höher

Frankfurt am Main (APA) - Europas wichtigste Aktienmärkte sind heute, Dienstag, bis zu Mittag einhellig klar in die Gewinnzone vorgerückt. D...

Frankfurt am Main (APA) - Europas wichtigste Aktienmärkte sind heute, Dienstag, bis zu Mittag einhellig klar in die Gewinnzone vorgerückt. Der Euro-Stoxx-50 stieg 28,89 Einheiten oder 0,90 Prozent auf 3.228,00 Punkte.

Der DAX in Frankfurt notierte gegen 11.45 Uhr mit 11.276,57 Punkten und plus 86,36 Einheiten oder 0,77 Prozent. Der FT-SE-100 der Börse London stieg um 12,70 Zähler oder 0,18 Prozent und steht nun bei 6.903,12 Stellen.

Zur Eröffnung hatten sich die meisten Handelsplätze noch verhalten gezeigt. In den Fokus rückt immer stärker die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed zur Wochenmitte. Dass die Federal Reserve (Fed) dabei die zweite Zinserhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 beschließen wird, erachten Experten als fix. Investoren erwarten eine Erhöhung des Leitzinses durch die Fed um 25 Basispunkte auf 0,5 bis 0,75 Prozent.

Positive Konjunkturnachrichten kamen aus China, wo im November die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion überraschend stark ausfielen. In Großbritannien kletterte die Teuerungsrate unterdessen auf ein Zweijahreshoch, die Inflationsrate stieg im November um 0,3 Punkte auf 1,2 Prozent. Der deutsche ZEW-Index für Dezember wies unterdessen unveränderte Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten aus.

Im Fokus stand aber insbesondere die italienische Bankenkrise. In Mailand verteuerten sich UniCredit um 6,52 Prozent. Nach einem weiteren Sparprogramm will die italienische Mutter der heimischen Bank Austria in drei Jahren hochprofitabel sein und plant im 1. Quartal 2017 eine Kapitalerhöhung im Wert von 13 Milliarden Euro. Sie soll bei einer Aktionärsversammlung am 12. Jänner verabschiedet werden.

Zudem hat die Bank die Trennung von notleidenden Krediten im Wert von 17,7 Mrd. Euro vor, wie aus dem am Dienstag in London vorgestellten neuen Geschäftsplan hervorgeht. Den ambitionieren Geschäftszielen fallen aber weitere 6.500 Jobs zum Opfer.

Das Kabinett des zurückgetretenen italienischen Premiers Matteo Renzi hatte noch knapp vor seinem Abschied an der Rettung des italienischen Bankensektor gefeilt. Eine Notverordnung zur Rettung der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) soll hierbei mit bis zu vier Milliarden Euro die Kapitalerhöhung garantieren, die MPS im Rahmen ihres Rettungsplans angekündigt hat. UniCredit-Konzernchef Jean-Pierre Mustier zeigte sich bei Bekanntgabe der eigenen Kapitalvorhaben zuversichtlich, dass die Rettung der MPS gelingt und sich die Probleme dieses Geldhauses noch bis Jahresende lösen werden. MPS-Aktien gewannen 1,43 Prozent.

Während in Italien also jüngst versucht wird, die Steuerzahler für marode Banken zur Kasse zu bitten, will Großbritannien aus derartigen Rettungsaktionen aussteigen. So hat die britische Regierung zuletzt einen staatlichen Anteil an der Lloyds Banking Group von weniger als sieben Prozent verkauft. Vor acht Jahren wurden Lloyds und die Royal Bank of Scotland (RBS) mit Steuergeldern aufgefangen. Lloyds notierten in London um 0,47 Prozent höher, RBS gewannen 0,23 Prozent.

Auch in Deutschland wurden die Steuerzahler unfreiwillig zu Bankeigentümern, hier wurde unter anderem die Commerzbank aufgefangen. Das Geldhaus braucht vom nächsten Jahr an keine so dicke Kapitaldecke mehr. Die Aufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) fordern dann nur noch eine harte Kernkapitalquote von 8,5 Prozent, wie die zweitgrößte Bank des Nachbarlandes mitteilte. In diesem Jahr brauchte sie noch 10,25 Prozent. Commerzbank-Aktien legten um 0,32 Prozent zu.

Die zahlreichen Bankenrettungen allerorts wurden oftmals mit der internationalen Verflechtung des Bankgeschäfts und der schieren Größe der Geldhäuser begründet. Daran dürfte sich so bald jedoch nichts ändern. Ein Spitzenmanager der Deutschen Bank prophezeit in nicht allzu ferner Zukunft grenzüberschreitende Zusammenschlüsse in der gebeutelten Bankbranche. Nach seinen Worten könnte dabei unter Umständen auch die Deutsche Bank selbst mitmachen. Ihre Aktien erhöhten sich um 2,58 Prozent.

Abseits der europäischen Bankbranche erwägt der französische Medienkonzern Vivendi eine Beteiligung von bis zu 20 Prozent an der italienischen Mediaset. Man halte bereits rund drei Prozent an dem italienischen Konzern und wolle diesen Anteil, abhängig von den Marktbedingungen, auf zehn bis 20 Prozent ausbauen, teilten die Franzosen am Montagabend mit. Vivendi verloren infolge 0,54 Prozent, Mediaset schnellten knapp 22 Prozent hoch.

~ ISIN EU0009658145 ~ APA234 2016-12-13/11:59