Ärztestreik: Tiroler Ordinationen bleiben am Mittwoch geöffnet
Am Mittwoch streiken niedergelassene Ärzte in Wien, Kärnten und im Burgenland - 290.000 Patienten sind betroffen. Die Tiroler Ärzteschaft protestiert in Form eines Aktionstages. Die Ordinationen bleiben geöffnet.
Wien, Innsbruck – Die geplanten Änderungen im Gesundheitssystem sorgen schon seit längerem für Unmut bei Österreichs Medizinern. Am Mittwoch soll die viel diskutierte Gesundheitsreform im Parlament beschlossen werden. Dagegen rebelliert die Ärztekammer – ebenfalls am Mittwoch – mit einem Streik- und Protesttag. Niedergelassene Mediziner in Wien, Kärnten und dem Burgenland haben angekündigt, die Arbeit niederzulegen und ihre Ordinationen geschlossen zu lassen. Rund 290.000 Patienten werden nach Berechnungen des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger von dem Streik betroffen sein.
Die Tiroler Ärzteschaft protestiert morgen ebenfalls gegen die geplanten Änderungen im Gesundheitssystem, allerdings nicht in Form eines Streiks – die Ordinationen bleiben geöffnet. „Die Mitglieder der Kurienversammlung, alles selbst in Praxen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, haben sich für einen Informationstag in ihren Praxen entschieden, um nicht die Patientinnen und Patienten mit einem Streiktag zubelasten“, sagt Tirols Kurienobmann Momen Radi.
„Breite Solidarisierung“ erwartet
Im Zuge dieses Aktionstages werden die Praxen mit Informationsmaterial ausgestattet, mit dem die Mediziner ihre Patienten aufklären können. Seitens der Ärztekammer erwartet man eine „breite Solidarisierung der Tiroler Ärzteschaft, aber auch der Tiroler Bevölkerung“ mit den Forderungen der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK). Letztere hat am Dienstag ihre Kritik an der geplanten Gesundheitsreform noch einmal bekräftigt. Zur Untermauerung präsentierte Kammerchef Artur Wechselberger eine Umfrage, laut der eine Mehrheit der Bevölkerung den Ärzten vertraut und Leistungskürzungen befürchtet.
„Es war immer unsere Meinung, dass Österreich ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem hat und dass es überhaupt keine Notwendigkeit gibt, ein neues System zu etablieren“, wandte sich der Kammerchef gegen den bevorstehenden Parlamentsbeschluss für mehr Primärversorgungszentren. Die Kammer sei gegen ein staatlich oktroyiertes System in der ambulanten Versorgung außerhalb der Spitäler. „Wir wollen Gruppenpraxen, aber wir wollen freie Gruppenpraxen“, so der Präsident der Tiroler sowie der bundesweiten Standesvertretung.
„Kassen haben jeden Fortschritt gebremst“
Wechselberger sieht mit den jüngsten 15a-Vereinbarungen die Ärztevertreter entmachtet, während die Kassen auf Augenhöhe mit Bund und Ländern gehoben wurden. „Wir brauchen die Stimme der Ärztekammer in der Planung, wir brauchen nicht die Dominanz der Sozialversicherungen in diesem Bereich“, kritisierte er.
Die Kassen seien jene, „die in den letzten 20 Jahren jeden Fortschritt im medizinischen Bereich gebremst haben“. Sie hätten kein Interesse an mehr Versorgung im niedergelassenen Bereich. Die „Angst, dass die Leistungen explodieren könnten“, sei der Grund, dass die Etablierung neuer Zusammenarbeitsformen der Mediziner seit Jahrzehnten behindert werde.
Zur Unterstützung ihrer Argumente ließ die Kammer eine Umfrage durchführen. Laut Studienautor Peter Hajek (Public Opinion Strategies) haben sich dabei 81 Prozent der 1000 Befragten zufrieden mit dem Gesundheitssystem gezeigt. Bereits 51 Prozent sahen aber eine Entwicklung in die falsche Richtung, nur 34 Prozent das Gegenteil. 69 Prozent sorgten sich wegen zukünftiger Einsparungen und Leistungskürzungen.
Zu 96 Prozent sehr oder eher wichtig ist den Befragten, sich den praktischen Arzt oder Facharzt selbst auswählen zu können. Dahinter folgt die Treue zum eigenen Arzt und die Wohnortnähe. Immer noch wichtig, aber mit 82 Prozent schon weiter hinten gereiht, sind Gruppenordinationen mit unterschiedlichen Fachärzten.
66 Prozent haben Verständnis für Proteste
Dass man die Sorge um Einschnitte ins Gesundheitssystem teilt und daher Verständnis für die Ärzteproteste hat, bejahten 66 Prozent der Befragten. Für weitere Proteste ist das Verständnis mit 54 Prozent schon geringer.
Das höchste Vertrauen unter den Akteuren der Gesundheitspolitik genießen die Ärzte (45 Prozent sehr, 41 Prozent eher). Dahinter folgt die Ärztekammer (12 Prozent sehr, 41 Prozent eher), das Gesundheitsministerium, die Kassen, die Landesregierungen und – ganz hinten – die Bundesregierung (4 Prozent vertrauen ihr sehr, 23 Prozent eher). (TT.com, APA)
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