„Perfektion mit Herz“: MAK-Ausstellung widmet sich dem Handwerk

Wien (APA) - Nicht nur die hippe Joseph-Bäckerei, sondern auch das Traditionsunternehmen Ankerbrot wirbt damit: Backen ist „Handwerk in Rein...

Wien (APA) - Nicht nur die hippe Joseph-Bäckerei, sondern auch das Traditionsunternehmen Ankerbrot wirbt damit: Backen ist „Handwerk in Reinkultur.“ Das 1854 handgeformte Kaisersemmerl, das es in einer Vitrine im Wiener MAK neben Beispielen von Werbemitteln im Retrochic zu bestaunen gibt, ist allerdings aus Porzellan. Eines von vielen Exponaten der Schau „handWERK. Tradiertes Können in der digitalen Welt“.

Das Museum für Angewandte Kunst, dessen Anfänge im 1864 gegründeten „Museum für Kunst und Industrie“ zu suchen sind, nehme mit der bis 9. April 2017 laufenden Ausstellung „einen Faden von früher wieder auf“, erläuterte MAK-Kurator Rainald Franz am Dienstagvormittag bei einer Presseführung. Man versuche, einen europäischen Blick auf ein derzeit hochaktuelles Thema zu werfen und eine Reflexion anzuregen. „In der Werbung ist heute alles ‚handmade‘, gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen für Handwerker oft schlecht, ihre gesellschaftliche Wertschätzung gering“, umriss Gastkuratorin Tina Zickler das Spannungsfeld des Themas.

Die Übergänge zwischen Design, Kunst, Handwerk und Kunsthandwerk seien fließend und strenge Unterscheidungen sinnlos, sagte MAK-Generaldirektor Christoph Thun-Hohenstein. „Wenn es Qualität hat, stellt es den Anspruch, geschätzt zu werden.“ Für ihn laute die verbindendende Formel: „Perfektion mit Herz“. Im Versuch, das Thema so umfassend wie möglich darzustellen und diesen Anspruch auch selbst umzusetzen, ist man im MAK bei einer von Christine Schwaiger und Philipp Krummel sehr schön gestalteten, doch letztlich erstaunlich konventionellen Ausstellung mit deutlichem Designschwerpunkt gelandet.

Man sieht Hüte und Handschuhe, Tische und Tapeten, Gläser und Geschirr, Besteck und Bekleidung und vieles mehr. Im Mittelpunkt steht meist das fertige, oft atemberaubend schöne Produkt, nicht der aufreibende, langwierige und komplizierte Entstehungsprozess, der Erfahrung und Fertigkeit erfordert. Dass alleine für das Besticken eines von Karl Lagerfeld für Chanel designten Wolljäckchens 560 Arbeitsstunden aufgewendet wurden, muss man sich dazudenken. Wenigstens einige sehr edle Installationen farblich angeordneter Materialproben laden zum Angreifen ein, im abschließenden „WU Lab“ darf man beim Weihnachtsengerlbasteln selber Hand Anlegen.

Das erste der sechs Kapitel der Ausstellung, die heute Abend eröffnet wird, widmet sich der Kulturgeschichte des Handwerks - von Hephaistos, dem Gott der Schmiede, bis zum Gartenwerkzeug von Kaiser Franz II. und einer gedrechselten Elfenbeindose von Kaiser Leopold I.. Bei den Habsburgern war das Erlernen eines Handwerks Pflicht. In der Sektion „Material & Werkzeug“ ist die 1930 vom MAK erworbenen Werkzeugsammlung von Albert Figdor zu bewundern.

Von den rund 330.000 österreichischen Unternehmen österreichweit seien rund 151.000 dem traditionellen Handwerk zuzurechnen, hieß es heute passend zur Ausstellung aus Wirtschaftsministerium und Wirtschaftskammer. Mehr als 537.000 Mitarbeiter fänden dabei Beschäftigung. Mit dem im März in Kraft getretenen Gesetz zum „Nationalen Qualifikationsrahmen“ sollen „für das Handwerk zentrale Qualifikationen auch im internationalen Kontext aufgewertet“ werden, so Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) in einer Aussendung. Insgesamt 20 ausgewählte Handwerker, von der Hutmacherin bis zum Geigenbauer, werden sich in einer in die Schau integrierten „Live-Werkstatt“ nach einem genauen Zeitplan über die Schulter schauen lassen. Den Anfang macht in dieser Woche der Kunstspengler- und Gürtlermeister Ludwig Kyral.

(S E R V I C E - Ausstellung „handWERK. Tradiertes Können in der digitalen Welt“ in der MAK-Ausstellungshalle, 14. Dezember 2016 bis 9. April 2017, Di 10-22 Uhr, Mi-So 10-18 Uhr. Publikation im Verlag für moderne Kunst: 208 S., 28 Euro, www.MAK.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen unter MAK.at/presse zum Download bereit.)