Osttirol

Felbertauernstraße: „Lebensader“ erscheint in Buchform

© Sammlung Siegfried Rainer - TAP

Die Felbertauernstraße feiert im kommenden Jahr ihren 50. Geburtstag. Für die rund 200 Seiten starke Festschrift, die im Tiroler Photoarchiv (TAP) entsteht, werden noch Zeitzeugen und Lichtbilder gesucht.

Von Claudia Funder

Lienz –Es war ein weitsichtiges Großprojekt von enormem Gewicht, das mit der Öffnung des abgegrenzten Bezirks Lienz zu einem Aufschwung im Tourismus und in der Wirtschaft führte, aber auch identitätsstiftend war. „Die Eröffnung der Felbertauernstraße im Jahr 1967 ist von allen Ereignissen der jüngeren Geschichte Osttirols das am positivsten besetzte“, erklärt Historiker Martin Kofler. Der Leiter des Tiroler Archivs für photographische Dokumentation und Kunst (TAP) wurde von der Felbertauernstraße AG beauftragt, eine Festschrift zu verfassen. Der Anlass: der bevorstehende runde Geburtstag der wichtigen Nord-Süd-Verbindung. Am 25. Juni 2017 wird 50 Jahre Straßeneröffnung gefeiert.

Die Festschrift wird von Martin Kofler erstellt.
© Funder

Die rund 200 Seiten starke Monographie mit teils bisher unveröffentlichten Fotos wird beim Festakt präsentiert. Sie erscheint mit dem prägnanten Titel „Lebensader“ im Haymon Verlag und wird im Buchhandel erhältlich sein.

Kofler arbeitet derzeit an dem wissenschaftlich fundierten Werk, das dennoch leicht lesbar sein wird. Der Inhalt spannt einen chronologisch aufgebauten Bogen – beginnend bei den historischen Saumpfaden über den Kampf um die Realisierung von Straße und Tunnel, den Bau, die Eröffnung und den enormen Aufbruch in den Folgejahrzehnen bis heute. „Schwerpunkt wird die Zeit von 1950 bis in die Gegenwart sein“, so Kofler, der im Rahmen seiner Arbeit exklusiv das Archiv der Felbertauernstraße AG auswerten darf. „Besonders spannend ist die Korrespondenz von Vertretern des Bundes, Landes, der Gemeinden und der AG“, verrät der Autor.

Der Bau der Straße: die Südrampe nahe dem Tunnelportal um 1965.
© Sammlung Siegfried Rainer - TAP

Erste Planungen zu einer möglichen Straßenverbindung reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück, sie wurden in den 1920er-Jahren wieder aufgenommen. Doch der Weg bis zur Realisierung einer durchgehend befahrbaren Nord-Süd-Verbindung war ein weiter. Die Festschrift wird auch einen Blick auf die Protagonisten werfen, die sich einst starkgemacht haben. „Die Felbertauernstraße hatte viele Väter“, erklärt der Autor. Schwung in die Sache kam 1950 nach der Rede des Osttiroler Nationalrats Franz Kranebitter in Wien. Kooperationen waren schlussendlich zielführend und ermöglichten die letztliche Umsetzung des Baues. Ermöglicht wurde der Erfolg der Straße u. a. durch frühzeitige umfangreiche Marketing-Aktivitäten, damals ja auch noch ohne Konkurrenz späterer Autobahnrouten. Im Buch thematisiert wird außerdem die Mautdiskus­sion, die sofort begann. „Manche Touristiker meinten, dass die Maut ein Hemmschuh sei“, hält Kofler fest. Dies sollte unbegründet bleiben. Mit Kosten von gut 800 Mio. Schilling war der komplette Vollausbau von Tunnel und Rampen zwar deutlich teurer als die ursprünglich kalkulierte „Light“-Variante, aufgrund der hohen Frequenz mit ihren vielen Mauteinnahmen haben Bundes- und Landeshaftung aber nie gegriffen.

Seit den 1990er-Jahren haben konstante Investitionen die Straße ganzjährig noch um einiges sicherer gemacht. Im Mai 2013 dann der Schock: Die „Lebensader“ wurde durch einen Felssturz durchtrennt. Rasch wurde eine Ersatzstraße aus dem Boden gestampft, die den Verkehr rollen ließ, bis die neue Trasse zum Südportal führte. Diese schwierigen Jahre wurden von den Verantwortlichen mit Bravour gemeistert.

Die Festschrift wird reich bebildert sein. Es ist als Glücksfall zu bewerten, dass kürzlich eine Schenkung auf dem Tisch von Martin Kofler landete: 6500 Dias und Positiv-Abzüge aus dem Nachlass von Siegfried Rainer, der seit den frühen 1950er-Jahren im Baubezirksamt Lienz tätig war. Sein Sohn Herbert Rainer übergab die Sammlung an das TAP. „In der Schenkung finden sich auch zahlreiche Fotos, die mit der Felbertauernstraße zu tun haben“, freut sich Kofler.

Gesucht werden nach wie vor Fotos zur Straße, etwa von Ausflugsfahrten der 1960er- bis 1980er-Jahre. Wer privates Bildmaterial aus dieser Phase hat, möge bitte mit Martin Kofler (Tel. 0664/3568535) Kontakt aufnehmen. Auch Zeitzeugen des Baues, die etwas zu berichten haben, sind eingeladen, sich zu melden.