Deutsche Pressestimmen zu Nominierung Tillersons als US-Außenminister

Berlin/Washington/Irving (Texas) (APA/AFP) - Internationale Pressekommentare zu Trumps Entscheidung, Exxon-Mobil-Chef Rex Tillerson zum Auße...

Berlin/Washington/Irving (Texas) (APA/AFP) - Internationale Pressekommentare zu Trumps Entscheidung, Exxon-Mobil-Chef Rex Tillerson zum Außenminister zu ernennen:

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“:

„Wie fast das gesamte Personaltableau Trumps lehrt auch die Nominierung Tillersons, dass Populisten natürlich nicht das Volk an die Macht bringen, in dessen Namen sie so gerne reden. (.) So wie die anderen Millionäre und Milliardäre, die Trump in sein Kabinett berufen will, ist Tillerson Teil des amerikanischen Establishments. Die Mannschaft des gewählten Präsidenten besteht bisher zum Großteil aus Geschäftsleuten, Militärs und Berufspolitikern - das ist für amerikanische Verhältnisse keine völlig ungewöhnliche Zusammensetzung. Im Fall Tillersons fällt allerdings der potenzielle Interessenkonflikt ins Auge, den er als Anteilseigner seines bisherigen Arbeitgebers im Verkehr mit rohstoffreichen Ländern haben wird. Man wird sehen, ob die Republikaner im Senat bei dieser Personalie zu Trump stehen.“

„Die Welt“ (Berlin):

„Trumps Ernennungen sind bisher klare Richtungsentscheidungen gewesen. Er hat einen Liebling der Energieindustrie zum Chef der Umweltbehörde ernannt. Er hat einen Skeptiker des sozialen Wohnungsbaus zum neuen Wohnungsbauminister gemacht, und ein antiislamischer Wutkopf ist sein Nationaler Sicherheitsberater. Wenn Trump nun mit Exxon-Mobil-Chef Rex Tillerson einen Freund Putins zum neuen Außenminister beruft, zeigt dies: Trump sucht die Annäherung an Russland, koste es, was es wolle. Die EU muss nun verhindern, dass Trumps Schmusekurs mit Moskau die Interessen Europas beschädigt. Es gilt vor allem abzuwehren, dass Trump einen Separatfrieden mit Putin schließt und zu einer Politik der Einflusssphären zurückkehrt, die Osteuropa zu einem Hinterhof Moskaus degradiert.“

„Frankfurter Rundschau“:

Donald Trump bricht - mal wieder - mit Standards der Politik, wie wir sie kennen. Der designierte US-Präsident will den Chef des Ölkonzerns Exxon-Mobil zu seinem Außenminister machen. Das ist nicht etwa problematisch, weil Rex Tillerson keine Erfahrung in der internationalen Politik hat. Das kann er lernen. Dazu hat er Mitarbeiter im Außenministerium. Problematisch ist vielmehr die Nähe Tillersons zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der hat ihm einen Orden verliehen, wegen der guten Geschäfte, die Tillerson mit russischen Konzernen gemacht hat. Dass der Öl-Manager bisher ein Gegner der US-Sanktionen gegen Russland war, macht die Sache nicht besser, sondern schlimmer. Schon jetzt dreht sich die Debatte in den USA nur noch um eine Frage: Kann Trumps Favorit die Interessen des Landes wirkungsvoll vertreten? Da wird Tillerson machen können, was er will. Den Ruch, er könnte im Zweifel Putins Mann in Washington sein, wird er nicht mehr loswerden.

~ ISIN US30231G1022 WEB http://www.exxonmobil.com/ ~ APA594 2016-12-13/19:18