Uwe Kröger - ein Realist, der an das Gute glaubt
Musical-Star Uwe Kröger spricht mit der TT über konkret-absurde Prophezeiungen, seine Angst vor dem Tod, die negativen Seiten des Berühmtseins und erklärt, warum sein Leben kein guter Musical-Stoff wäre.
Innsbruck – Wenn am Samstag die österreichische Erstaufführung des Historien-Musicals „Nostradamus“ über die Bühne des Großen Hauses geht, dann schwingt Wehmut mit – und wird die Erinnerung an Roger E. Boggasch wach. Schließlich trägt das Stück, das im Jahr 2000 in Passau uraufgeführt wurde, die musikalische Handschrift des Landestheater-Operndirektors, der im Mai 2015 – kurz vor seinem 50. Geburtstag – gestorben ist. Ursprünglich hätte Boggasch bei der Neufassung des Musicals, für dessen Text Intendant Johannes Reitmeier verantwortlich zeichnet, Regie führen sollen. Doch nun nimmt der Hausherr selbst die Inszenierung in die Hand. Mit Uwe Kröger schlüpft ein Musical-Star in die Titelrolle des sagenumwobenen Arztes, Astronomen und Propheten Michel de Nostredame, der als Nostradamus in die Geschichte eingegangen ist und dessen Spuren bis in die Gegenwart und darüber hinaus reichen. Die TT hat Kröger vorab zum Interview getroffen.
Glaubt man den Auslegungen von Nostradamus’ Prophezeiungen, dann steht die Welt nicht mehr allzu lange. Was halten Sie von derlei Weissagungen?
Uwe Kröger: An und für sich bin ich ein sehr realistischer Mensch, gleichzeitig bin ich aber auch davon überzeugt, dass es Menschen gibt, die Ereignisse spüren oder sehen können. Eine meiner besten Freundinnen ist selbst ein Medium – und hat mir schon verschiedene Dinge vorausgesagt, die dann auch tatsächlich eingetreten sind. Zum Beispiel hat sie mir vor ein paar Jahren geraten, ein Engagement in Japan abzulehnen, um eine Rolle anzunehmen, in der ich Stiefel anhaben werde. Kurz darauf wurde ich für die Musical-Version von „Der Besuch der alten Dame“ angefragt – und hab’ dort bei der Stückpräsentation erfahren, dass ich in jeder Szene Gummistiefel trage. Das ist doch konkret und absurd zugleich.
Wie haben Sie sich Nostradamus angenähert?
Kröger: Ich hab’ das große Glück, dass Johannes Reitmeier ein wandelndes Nostradamus-Lexikon ist – und ich damit mein Bild von ihm ändern konnte. Als Jugendlicher hab’ ich mich vor Nostradamus gefürchtet, weil ich in ihm einen grimmigen, bösen Zauberer gesehen habe. Dass er Gicht hatte, unter der er schrecklich litt, wusste ich nicht. Dass er gefoltert wurde, auch nicht. Im Stück wollen wir nun den Menschen Nostradamus zeigen, der nachweislich Astrologie und Medizin studiert hat und eines Tages von seinen Prophezeiungen übermannt und gebeutelt wird – so sieht er in konkreten Bildern den Tod von König Heinrich II., dem Mann von Katharina von Medici, voraus. Und er soll damit Recht behalten, was natürlich sehr spannend ist. Abgesehen davon war Nostradamus wie ich Schütze – und das sind Menschen, die euphorisch und geerdet zugleich sind.
Trotzdem war er kein klassischer Held. Gibt das der Rolle einen besonderen Reiz?
Kröger: Ich hab’ vor Jahren mal Napoleon gespielt – und der ist ja auch nicht gerade ein Publikumsliebling (lacht). Mich interessiert an solch differenzierten Figuren immer ihr Motor, ihr Antrieb: Und ich bin überzeugt, dass selbst der schlimmste Mensch Gefühle hat und sein Herz nur verschüttet ist. Wobei Nostradamus ja kein Bösewicht war, sondern nur ein Mensch, der mit seinen ungewöhnlichen Fähigkeiten aus der Norm fiel.
Ihren Durchbruch hatten Sie 1992 als Tod im „Elisabeth“-Musical. Ich nehme an, dass Sie sich dadurch viel mit dem letzten Kapitel des Lebens beschäftigt haben. Haben Sie Angst davor?
Kröger: Ich bin prinzipiell sehr lebensbejahend und trotzdem gab’s schon Momente, in denen ich mich mit meinem Ende auseinandergesetzt habe. Was mir beim Gedanken an den Tod am meisten Angst macht, ist die Vorstellung von körperlichen Schmerzen – das will ich nicht, aber wer will das schon? Lieber als an den Tod denke ich aber ans Leben. Und da nehm’ ich mir ein Beispiel an Johannes Heesters, der unglaubliche 108 Jahre alt wurde. Im Vergleich dazu bin ich mit meinen 52 Jahren ja noch nicht einmal in der Halbzeit (lacht). Heesters war übrigens auch ein Schütze – ein gutes Omen also.
Sie pendelten viele Jahre zwischen Deutschland und Österreich, seit Kurzem leben Sie in der Nähe von Barcelona. Wie kommt’s?
Kröger: Ich hab’ mich vor eineinhalb Jahren in einen Spanier verliebt – und wie es der Zufall so will, wohnt Kiko ganz in der Nähe meiner 82-jährigen Mutter, die vor einigen Jahren auch dorthin ausgewandert ist. An meiner Liebe zu Österreich hat mein Umzug aber nichts geändert.
2015 haben Sie das Goldene Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich erhalten. Was hat Österreich für Sie getan?
Kröger: Österreich hat mir als Künstler das Gefühl gegeben, dass das, was ich tue, seine Berechtigung hat. Hier macht Theaterspielen Spaß, weil man dafür wertgeschätzt wird. Und das ist das schönste Kompliment, das ich mir vorstellen kann. Noch dazu, wo ich ja Deutscher bin. Wobei: Im Herzen bin ich eh ein Österreicher – deshalb freut es mich umso mehr, dass der richtige Präsident gewonnen und der Populismus verloren hat.
Zuletzt haben Sie unfreiwillig Schlagzeilen gemacht, als publik wurde, dass Sie eine halbe Million Euro Schulden haben. Tut es weh, wenn man Überschriften wie „Pleitegeier kreist über dem Tod“ lesen muss?
Kröger: Das ist die Kehrseite der Medaille, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Grundsätzlich ist das keine rühmliche Zeit für mich und es tut mir von Herzen unendlich leid, so vielen Menschen geschadet zu haben. Aber ich bin ein Kämpfer und habe immer versucht, aus jeder Situation das Beste zu machen. So auch jetzt: Ich lag am Boden, aber ich habe mich mittlerweile aufgerichtet und stelle mich den Dingen. Ich versuche, durch viel Arbeit und viele Engagements den Schaden wieder gutzumachen. Ein gute Freundin hat mir einen schönen Rat gegeben: aufrappeln, Krone richten und weitergehen! Das hat mich gerührt und lässt mich auch solche Boulevard-Schlagzeilen ertragen.
Wäre Ihr Leben ein guter Stoff für ein Musical?
Kröger: (verschluckt sich) Um Himmels willen! Dafür ist mein Leben viel zu langweilig.
Das Gespräch führte Christiane Fasching
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