„Skifahren in Ostösterreich“ - Wo der Schnee noch vom Himmel fällt
Wien (APA) - Lech, Kitzbühel, Saalbach - diese Orte kennt jeder skiaffine Österreicher. Wie sieht es aber mit Kukmirn, Trattenbach oder Karl...
Wien (APA) - Lech, Kitzbühel, Saalbach - diese Orte kennt jeder skiaffine Österreicher. Wie sieht es aber mit Kukmirn, Trattenbach oder Karlstift aus? Dass man auch dort auf „zwoa Bretlln“ flott unterwegs sein kann, sofern es einen „g‘führigen Schnee“ gibt, ist dem Reiseführer „Skifahren in Ostösterreich“ des Wiener Journalisten Wolfgang Kralicek zu entnehmen. Er wird am Donnerstag am Stuhleck vorgestellt.
Wobei es dem früheren Kulturredakteur und Theaterkritiker des „Falter“ und nunmehrigen Textchef von „News“ weniger darum ging, Kuriosa aus dem Schnee zu buddeln, obwohl er auch das behände tut. Wie eben das Beispiel Kukmirn zeigt. Im Südburgenland, das nun nicht unbedingt ein Synonym für topografische Höchstleistungen ist, gibt es neben einer Schnapsbrennerei nämlich auch noch einen beherzten Skiclub, der auf knapp über 300 Metern Seehöhe einen Tellerseillift samt - man lese und staune - Schneekanone betreibt.
Letztere ist insofern erwähnenswert, weil Kralicek den Charme der rund 70 Skigebiete - am Buchrücken wird sogar noch die Zahl 73 genannt, doch haben Kommerz und Klimawandel samt der damit verbundenen Auslese seit den Recherchen des Autors in den vergangenen Wintern ein paar Liften bereits den Garaus gemacht - unter anderem auch darin sieht, dass der Schnee dort (zumindest manchmal) noch vom Himmel fällt und das Feeling und Flair mancher Aufstiegshilfen oder Skihütten einen gewissen Vintage-Touch haben, der mitunter an die 1970er-Jahre erinnert.
An die Zeit also, als der 1965 geborene Journalist (teils noch mit Fangriemen und untaillierten Latten an den Füßen) seine Liebe zum Skifahren entdeckte. Diese sympathische Nostalgie schimmert immer wieder durch, wenn der Autor kleinere Skigebiete in Niederösterreich (vom Waldviertel bis zur steirischen Grenze), dem Burgenland, im Norden der Steiermark und sogar in Wien (wo freilich die legendäre Hohe-Wand-Wiese mittlerweile zum Mountainbike-Zentrum mutierte) beschreibt.
Wie jenes rund um die Furtner-Lifte in Rohr im Gebirge (Bezirk Wiener Neustadt). Dort wird der örtliche Wirt und Liftbetreiber mit den Worten zitiert: „Ich mache sicher weiter. Weil wenn wir den Lift zusperren, rührt sich in der Gemeinde ja gar nix mehr.“ Im Vorwort heißt es in diesem Zusammenhang: „Dieses Buch ist ein Plädoyer. Es bricht eine Lanze für die kleinen Lifte, die finanziell zwar meist unrentabel, gesellschaftlich aber enorm wertvoll sind. Die kleinen Lifte sind wintersportliche Nahversorger, die den Kindern vor Ort den Zugang zum Skifahren leichtmachen. Wenn die Basis wegbricht, wird auch den großen Skigebieten irgendwann der Nachwuchs ausgehen.“
Aber natürlich will Kralicek zeigen, dass sich im (weiteren) Umfeld der Bundeshauptstadt Wien („Ich möchte mit diesem Buch auch jene Skeptiker überzeugen, die glauben, dass man für eine ernsthafte Piste mindestens vier Stunden weit fahren muss“) mitunter vortrefflich und auch zeitgeistig (auf Kunstschnee) Carven, Snowboarden oder Langlaufen lässt. Der Semmering, das Hochkar, aber auch (zum Teil wiederbelebte) Klassiker wie die Bürgeralpe in Mariazell oder die Gemeindealpe von Mitterbach am Erlaufsee sind dabei wohl ohnehin keine Geheimtipps.
Dafür aber beispielsweise das „Naturschneeparadies Unterberg“ bei Muggendorf (ebenfalls Bezirk Wiener Neustadt), das dem Autor zufolge „erstaunlich viele Pistenvarianten“ zu bieten hat. „Wenn es in der Umgebung Wiens schneit, sollte man sofort alles liegen und stehen lassen und auf den Unterberg fahren. So nah wird man so viel Winter nirgendwo finden.“
Wer solche Tipps nun für einen Touristiker-Schmäh oder gar für Schnee von gestern hält, der sei zu etwas Demut aufgerufen: Immerhin steht die Wiege des Alpinskisports moderner Prägung in der niederösterreichischen Ortschaft Lilienfeld. Dort setzte Matthias Zdarsky am 19. März 1905 am Muckenkogel den ersten (Riesen-)Torlauf der Geschichte. Des Skipioniers wird - auch Details wie Öffnungszeiten sind in dem höchst informativen und gleichsam praxisnahen Skiführer aus dem „Falter Verlag“ zu erfahren - im örtlichen Bezirksheimatmuseum gedacht.
(S E R V I C E - Wolfgang Kralicek, „Skifahren ins Ostösterreich. Alle Lifte und Pisten in Niederösterreich, Wien und dem Burgenland. Mit Loipen-Tipps und Steiermark-Teil“. Falter Verlag, Wien 2016. 256 Seiten, 22,90 Euro. ISBN 978-3-85439-514-0. Das Buch wird am Donnerstag, 15. Dezember 2017, im Rahmen des Ski-Openings am Stuhleck ab ca. 13.00 Uhr bei der Bergstation „W11 Bahn“ präsentiert. Informationen über die in dem Band vorgestellten Skigebiete finden sich auch im Internet: www.bergfex.at .
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