„Wie macht die Axt im Walde? Holz! Holz! Holz!“
Wenn beim Kegeln die Kugel rollt und die Kegel fallen, kochen die Emotionen hoch – ein Lokalaugenschein unter dem Motto: „Gut Holz!“
Von Alois Moser
Jenbach, Schwaz – „Bist du deppert, jetzt hat’s g’scheppert!“, schallt es aus dem Café der Silberstadt Arena Schwaz. Wer eintritt, wähnt sich in einem Fußballspiel. Aber auch wenn sich einige Gäste dem Fußball in den an Wänden angebrachten Fernsehschirmen widmen – die meisten sind wegen der Partie auf der angrenzenden Kegelbahn hier. Schwaz gegen Koblach (Vbg.), Dritter gegen Erster der Bundesliga West im Sportkegeln: Die Kiebitze kommen auf ihre Kosten. Aber von den Keglern hat keiner ein Ohr dafür. „Am besten immer voll schreien“, lacht der Schwazer Marco Schrettl (18) und lässt seinen Worten Taten folgen.
Wer glaubt, Kegeln sei ein Einzelsport, ist auf dem Holzweg. „Ein Team besteht aus sechs Spielern, jeweils zwei treten pro Runde gegen zwei Spieler des anderen Teams an. Punkte gibt es für Rundensiege und die Gesamthölzer am Ende“, erläutert Obmann Werner Daberto geduldig, während er die Punkteanzeige nicht aus den Augen lässt. Wer nicht gerade selbst auf Punktejagd ist, feuert die Teamkameraden an: „Auf geht’s, Mander! Auf geht’s! Roli, go! Sieben, acht, neun, Holz, Holz, Holz!“
„Ob die sich da konzentrieren können?“, fragt sich eine Zuschauerin. „Ich brauche das Anfeuern im Hintergrund“, meint dagegen Schrettl, und sein Mitstreiter Patrik Gruber (21) fügt hinzu: „Das Beste am Kegeln ist die Gemeinschaft in der Mannschaft.“
Die braucht es auch, immerhin legt man bei den Auswärtsfahrten gemeinsam viele Kilometer zurück. Und auch das Training erfordert viel Zeit – Kegeln ist viel mehr, als nur eine Kugel über eine Bahn zu rollen. „Man muss fit sein, immerhin muss man eine Stunde lang konzentriert werfen“, gibt Gruber zu Protokoll, der im Tandem mit Schrettl zuletzt bei den Staatsmeisterschaften Silber gewonnen hat.
Nachwuchssorgen gibt es in Schwaz keine – beim Lokalrivalen in Jenbach schaut es etwas anders aus. „Die Spieler in Tirol werden immer älter“, klagt Obmann Georg Schrof. Der 60-Jährige ist selbst seit 40 Jahren aktiv: „Wenn ich einmal einem Jungen den Platz wegnehme, lasse ich es.“
Kooperationen mit Schulen sollen in Schwaz und Jenbach dafür sorgen, dass frisches Blut nachkommt – und wieder Junge in den Chor einstimmen: „Wie macht die Axt im Walde? Holz! Holz! Holz!“
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