Für das Leben lernen

29 Mädchen der 3. Fachschulklassen der Ferrarischule Innsbruck haben sich auf ein ganz besonderes Schulprojekt eingelassen. Sie lernen und arbeiten mit Flüchtlingskindern.

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Elena kümmerte sich gestern um die Hausübungen.
© Witting

Von Marco Witting

Innsbruck –Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Für die Schülerinnen. Für die beiden Lehrerinnen. Anfang des Schuljahres entschied man sich in der 3. Fachschulklasse der Ferrarischule Innsbruck im Ausbildungsschwerpunkt Gesundheit und Soziales für ein einzigartiges Projekt. Seither gehen die 29 Schülerinnen ins Jugendzentrum Saggen und lernen und betreuen dort Flüchtlingskinder. Eine Erfahrung, die Vorurteile ab- und Beziehungen aufgebaut hat. Und Unterrichtseinheiten, in denen die jungen Frauen vor allem auch für das Leben lernen.

Gestern kurz nach 15 Uhr: Auf dem Stundenplan stehen für eine Gruppe Lernen und Hausübung. Doch die Schülerinnen sind dabei in der anderen Rolle. Sie zeigen, helfen, unterstützen Flüchtlingskinder. Die andere Gruppe beschäftigte sich gestern spielerisch mit einem syrischen Tanz. Interkulturelles Lernen wird das genannt. Ein voller Erfolg. „Wir wollten auf der Ebene der Menschlich-keit etwas beitragen“, erklärt Lehrerin Iwona Schaller, die sich mit Kollegin Alexandra Fritz früh dazu entschied, das Thema Flucht aufzugreifen. Doch es dauerte einige Zeit, bis man nicht nur den Papierkram erledigt hatte, sondern auch eine entsprechende Einrichtung fand. Im Jugendleiter der Pfarre Saggen, Markus Riccabona, fand man aber den perfekten Ansprechpartner. Und so stellte man den Schülerinnen das Projekt vor. „Es waren nicht alle gleich dafür, aber sie sind dann sehr offen in die Sache reingegangen“, sagt Lehrerin Alexandra Fritz. „Wir haben mit einer Einführung zum Thema Flucht begonnen und die Schülerinnen langsam an das Thema herangeführt.“ Doch speziell die Arbeit mit den Flüchtlingskindern, sie sind zwischen vier und 14 Jahre alt, hat die Schülerinnen begeistert. „Man merkt, wie sie sich um die kleinen Kinder kümmern, auf sie eingehen und wie die sozialen Kontakte zu einem Perspektivwechsel geführt haben“, sagt Schaller. Es sei fast ein schwesterliches Verhältnis. Das ist auch vor Ort zu sehen, wenn etwa die kleinen Kinder die Jugendlichen umarmen und nach den Hausübungen mit ihnen Karten spielen. Auch Jugendleiter Markus weiß, dass die Flüchtlingskinder sich freuen, wenn es wieder Mittwoch wird. Geht es nach den Initiatoren, soll das Projekt nächstes Jahr wiederholt werden.

Fabiana wurde beim Kartenspielen regelrecht belagert.
© Witting

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