Wohnungsmarkt

Zahl neuer Wohnungen steigt, Tirol mit höchster Wohnbaurate

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© Thomas Murauer

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Österreich stieg 2015 erstmals seit 2007 wieder auf über 50.000.

Wien, Innsbruck – Erstmals seit längerem ist die Zahl der Wohnungs-Fertigstellungen in Österreich im vorigen Jahr wieder auf mehr als 50.000 geklettert, zuletzt war dies im Zeitraum 2007/08 der Fall gewesen. Fast ein Fünftel dieser Wohnungen wurde – ohne Wien – durch An-, Auf- oder Umbauten errichtet, geht aus neuen Daten der Statistik Austria von Mittwoch hervor.

Am höchsten war die Wohnbaurate 2015 in Tirol mit 7,9 je 1.000 Einwohner, der Österreich-Schnitt betrug 5,8. Am niedrigsten war die Fertigstellungs-Rate – gemessen an der Bevölkerungsgröße – in Wien und in Kärnten mit 4,0 bzw. 5,0 Einheiten je 1.000 Einwohner, wobei in Wien die An-, Auf- und Umbauten nicht mitgezählt sind.

Wohnkosten stiegen im dritten Quartal weiter

Wohnen hat sich in Österreich indes weiter verteuert. Die Durchschnittsmieten samt Betriebskosten wuchsen laut Statistik Austria im dritten Quartal bundesweit auf 7,4 Euro pro Quadratmeter und Monat, in den beiden Vorquartalen waren es 7,3 Euro. Dabei legten die Nettomieten (ohne Betriebskosten) im Schnitt auf 5,4 Euro zu, nach 5,3 Euro in den beiden Vorquartalen

In diesem Kontext plädiert Wifo-Experte Michale Klien für eine Wohnkostensenkung durch ein erweitertes Angebot. Dabei sollte neben dem etablierten gemeinnützigen Sektor der freifinanzierte Wohnbau stärker einbezogen werden. Statt reine Miet- oder Errichtungskosten sollten beim Gesamtaufwand eher „Lebenszykluskosten“ betrachtet werden. Und: Geringere Stellplatz-Limits könnten in doppelter Hinsicht dämpfend wirken.

Skeptisch zeigt sich der Wifo-Experte zu ausufernden Mietsubventionen, also Subjektförderungen, insofern diese „zusätzlich preistreibende Effekte auslösen und damit ihr grundsätzliches Ziel konterkarieren könnten“. Trotz der bestätigten hohen sozialen Treffsicherheit der Wohnbeihilfe sollten solche individuellen Mietsubventionen weiterhin nur komplementär zu angebotsseitigen Maßnahmen (Objektförderung) eingesetzt werden. Es zeichne sich nämlich durch die kräftige Steigerung der Ausgaben für die Mindestsicherung zusätzlicher Finanzierungsbedarf im Bereich Wohnen ab.

„Leistbarkeitsprobleme“

Ein weiteres Problem: Zwar seien die Wohnkosten umso geringer, je länger eine Mietdauer sei, aber genau deshalb seien Haushalte die umziehen bzw. umziehen müssen von „Leistbarkeitsproblemen“ besonders stark betroffen. Dies sind laut Statistik vorwiegend junge Menschen, Bezieher niedriger Einkommen sowie Ausländer.

Die Betroffenheit von „Leistbarkeitsproblemen“ hänge in Österreich stark davon ab, wo jemand wohnt: Neumieten seien zwar generell deutlich höher als Bestandsmieten. Am höchsten seien die Neumieten laut Daten von 2014 aber in Salzburg, Vorarlberg und Wien mit rund 9,0 Euro pro Quadratmeter gewesen, während sie etwa in Oberösterreich bei 7,5 Euro und im Burgenland nur bei 5,8 Euro gelegen seien, so Klien.

Als Reaktion darauf gebe es einen Trend zu kleineren Wohnungen bzw. den Versuch, einen Umzug zu vermeiden, so bleiben immer mehr Junge länger als „Nesthocker“ daheim bei den Eltern. Ein Wechsel in eine kleinere Wohnung bringe freilich keine oder eine zu geringe Ersparnis, warnt Klien, da Neumieten ja deutlich über der aktuellen Miete lägen - die Folge: Verbleib in einer zu großen Wohnung. Vor allem bei älteren Menschen gingen „Leistbarkeitsprobleme“ oft einher mit Unterbelag bzw. „Überkonsum“ von Wohnen.

Zentral zur Bekämpfung der Wohnungs- und Leistbarkeitsprobleme seien in jedem die Bundesländer und ihre Wohnbauförderprogramme. Eine große Chance komme dabei den im Zuge des Finanzausgleichs neu gefassten Länderwohnbauprogrammen zu. Letztlich gehe es um eine bedarfsorientierte Steuerung der Wohnbauförderung, die über die Zahl der produzierten Einheiten hinausgehe. (APA, TT.com)

Mehr Wohnungen in größeren Einheiten

Speziell in größeren Bauten kommt immer mehr Wohnraum hinzu. Bereits 26.391 Wohnungen (der 39.644 in neuen Wohngebäuden errichteten Einheiten) wurden in neuen Häusern mit drei oder mehr Wohneinheiten fertig, im Jahr davor waren es lediglich 22.055 von 35.940 gewesen. Etwa gleich blieb dagegen mit 13.253 die Zahl der in neuen Wohngebäuden mit ein oder zwei Wohneinheiten errichteten Wohnungen (2014: 13.885).

Von den 2015 österreichweit - ohne Wien - fertiggestellten 42.857 Wohnungen waren 16.375 Eigenheime („Eigenbenützung durch Gebäudeeigentümer"), 6.629 Eigentumswohnungen, 13.866 Hauptmiet-Wohnungen (inklusive Genossenschaftswohnungen) und 249 Dienst- oder Naturalwohnungen. 1.021 Einheiten wurden in sonstigen Rechtsverhältnissen fertig, bei 4.721 war das Rechtsverhältnis unbekannt.

Inklusive Wien wurden von den bundesweit 50.134 fertig gewordenen Wohnungen unter anderem 20.345 von Privatpersonen und 12.566 durch eine gemeinnützige Bauvereinigung als Bauherr/Bauherrin errichtet. In Wien stellten die Gemeinnützigen mit 2.670 von 7.271 Einheiten sogar mehr als ein Drittel der Fertigstellungen, allerdings verstehen sich auch diese Zahlen ohne An-, Auf- und Umbauten in der Bundeshauptstadt.

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