Ärzteprotest - Ärztekammer Burgenland befürchtet Schäden durch Reform
Wien/Eisenstadt (APA) - Die Ärztekammer Burgenland hat am Mittwoch anlässlich des Protests gegen Teile der Gesundheitsreform ihre Kritik bek...
Wien/Eisenstadt (APA) - Die Ärztekammer Burgenland hat am Mittwoch anlässlich des Protests gegen Teile der Gesundheitsreform ihre Kritik bekräftigt. Mit der Reform werde versucht, „das System komplett umzukrempeln“. Das nütze nicht den Patienten, sondern schade dem Gesundheitssystem, sagte Ärztekammerpräsident Michael Lang in Eisenstadt vor Journalisten.
In einer Zeit einer alternden Gesellschaft und insgesamt steigender Kosten werde „Geld aus dem Gesundheitssystem herausgenommen“, kritisierte Lang den Umstand, dass die Ausgabensteigerung im Gesundheitsbereich bis 2021 zurückgefahren werden soll.
Mit der Reform werde „eine Zwei-Klassen-Medizin zwanghaft festgeschrieben“, stellte Lang fest. Den Zugang zur modernen Medizin werde sich in Zukunft nur mehr der leisten können, „der dafür das Geld hat“. Diese Entwicklung sei „leicht vorhersehbar“.
Die Ärztekammer trete dezidiert für den Erhalt der wohnortnahen Versorgung durch Haus- und Fachärzte auf, sagte der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Michael Schriefl. Eine Verlagerung der Ärzte in Ambulatorien oder in Spitalsambulanzen würde dazu führen, „dass im Burgenland viele Orte ihre Ärztin, ihren Arzt verlieren werden“.
„Unsere Ambulanzen sind bereits überlastet“, sagte Brigitte Steininger, Kurienobfrau der angestellten Ärzte. Eine Umsetzung der Pläne würde noch eine Verschlimmerung bedeuten. In den Spitälern im Burgenland gebe es bereits „einen spürbaren Fachärztemangel“.
Die Arbeitsbelastung in den Krankenhäusern sei mittlerweile so hoch, „dass es genug Kollegen gibt, die nicht mehr ins Burgenland kommen wollen. Wir haben wirklich Schwierigkeiten, unsere Facharztposten zu besetzen.“ In zwei Spitälern könnten aufgrund „massiver Einschränkungen“ im internistischen Bereich gerade noch die Strukturen des Krankenhaus aufrechterhalten werden, berichtete Steininger.
Befürchtet werde auch, dass die Senkung der Arbeitszeit wieder fallengelassen wird: „Wir werden nie auf die 48 Stunden kommen“, meinte die Kurienobfrau. Man brauche aber „keine überlasteten Ärzte in den Krankenhäusern.“
Ein Versuch, das Gesundheitssystem „mit Gewalt“ umzustellen, werde nicht zu einer Verbesserung führen, sondern zu einer Störung des bisherigen Systems und „zu vielen weißen Flecken“, so Schriefl. „Da wir diese Gefahren klar vor Augen sehen, fühlen wir uns auch verpflichtet, die Bevölkerung vehement darauf aufmerksam zu machen.“ Das sei auch der Grund für den heutigen Aktionstag.
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