Nach Messerangriff in Mödling: Mann laut Gutachten zurechnungsunfähig

Wiener Neustadt (APA) - Der 40-Jährige aus dem Bezirk Mödling, der am Mittwoch wegen eines Messerangriffs gegen einen Polizisten vor Gericht...

Wiener Neustadt (APA) - Der 40-Jährige aus dem Bezirk Mödling, der am Mittwoch wegen eines Messerangriffs gegen einen Polizisten vor Gericht stand, leidet laut einem Gutachten an Schizophrenie. Die Sachverständige Sigrun Roßmanith stufte ihn als zurechnungsunfähig und höhergradig abnorm ein. Ein Urteil am Landesgericht Wiener Neustadt wurde für den Abend erwartet.

Sein Mandant habe bisher sein ganzes Leben friedlich verbracht und sei unbescholten, betonte der Verteidiger. Roßmanith entgegnete, der Betroffene gehöre zu einer gefährlichen Gruppe, die „nie auffällig ist, nie etwas gemacht hat, weil schizophren Kranke plötzlich durch ein Herausbrechen des wahnhaften Geschehens auffällig werden und das nicht mehr steuern können“. Die Gefährlichkeitsprognose sei ungünstig und könne nur durch eine kontinuierliche Behandlung gesenkt werden, sagte die Sachverständige. Eine Selbstmordabsicht könne sie weder bestätigen noch ausschließen.

Der Betroffene hat laut eigenen Angaben seit 2003 das Gefühl, durch die CIA verfolgt und überwacht zu werden. Seit 2008 wurde er mehrmals wegen paranoider Schizophrenie behandelt. Die Fixierung auf eine Verschwörung stehe im Zentrum seiner Erkrankung, führte Roßmanith aus. Die vom 40-Jährigen geschilderten wiederkehrenden Schluckbeschwerden „sind wahnhaft besetzt“, sagte die Gutachterin. „Er hört Stimmen und Geräusche. Er fühlt sich von Satelliten überwacht und hat das Gefühl der Fernlenkung.“

Die Richterin zeigte dem Betroffenen ein Foto seines Zimmers zuhause. Dass er die Fenster mit Decken verhängt hatte, begründete der 40-Jährige wie folgt: „Ich wollte die CIA stoppen, weiterhin meine Gedanken zu lesen.“ Er sei fast nur hinausgegangen, um Zigaretten und Essen zu kaufen. Zeitweise habe er am selben Tag Medikamente genommen und Alkohol konsumiert, übersetzte der Dolmetscher die Aussagen des englischsprachigen Mannes.

Die routinemäßigen Ermittlungen in Richtung fahrlässige Körperverletzung gegen den Polizisten, der den Schuss abgegeben hatte, sind indes abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat einen Bericht an die Oberstaatsanwaltschaft übermittelt, sagte Sprecher Erich Habitzl auf Anfrage.