Bürgerrechtlerin warnt vor bedrohlicher Entwicklung in Indien
Mumbai (Bombay) (APA) - Die indische Bürgerrechtlerin Teesta Setalvad sieht die freiheitliche Zivilgesellschaft und die religiöse Pluralität...
Mumbai (Bombay) (APA) - Die indische Bürgerrechtlerin Teesta Setalvad sieht die freiheitliche Zivilgesellschaft und die religiöse Pluralität in Indien zunehmend bedroht. „Wir erleben derzeit einen Kampf um die Seele Indiens“, sagte sie mit Blick auf den 70. Jahrestag der Unabhängigkeit von Großbritannien im August 2017 im Interview der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA laut Kathpress in Mumbai.
Nichtregierungsorganisationen, Zivilgesellschaft und religiöse Minderheiten gerieten zunehmend unter Druck, so die 54-Jährige. Kritik an der Regierung werde kriminalisiert. Es sei nicht mehr klar, ob die derzeitige Regierung das von der Verfassung geforderte Konzept eines pluralen und den Religionen neutral gegenüberstehenden Staates weiter stütze.
Setalvad kritisierte eine erstarkende Ideologie des Hindu-Nationalismus. Insbesondere nach dem Wahlsieg der hindu-nationalistischen Partei BJP um Premierminister Narenda Modi 2014 gewännen Kräfte Gewicht, die eine Einheit von Indien und Hinduismus propagierten. „Modi selbst hat sich zu Religionsfreiheit bekannt. Es sind einzelne Politiker seiner Partei, aber vor allem das der Regierungspartei nahe stehende nationalistische Hindu-Freiwilligen-Korps (RSS), die das Zusammenleben vergiften.“
Setalvad beklagte eine zunehmende Zahl von Übergriffen gegen Muslime und Christen. Religiöse Fragen wie der Verzehr von Rindfleisch oder der Wechsel zu anderen Religionen würden instrumentalisiert, um Indien in Richtung Nationalismus und einer vermeintlich homogenen Nation zu verändern. Die Bürgerrechtlerin verwies auf Zahlen einer US-Kommission zu Religionsfreiheit weltweit sowie auf einen Bericht des indischen Innenministeriums, nach denen die Gewalt 2015 um 17 Prozent zugenommen habe. Demnach wurden 97 Menschen getötet und 2.246 verletzt. Für die Christen habe es eine Zunahme von 120 großen Übergriffen auf Christen und ihre Einrichtungen im Jahr 2014 auf 365 im Folgejahr gegeben.
„Was wir brauchen, ist eine breite Massenbewegung, die die Freiheit und den säkularen Staat in Indien verteidigt“, sagte die 54-Jährige. Sie selbst werde ständig überwacht. Seit 2004 seien mindestens neun Klagen gegen sie erhoben worden. „Mir wird Korruption und die illegale Annahme ausländischer Gelder vorgeworfen, ich soll Zeugen aufgehetzt haben. Unserer Nichtregierungsorganisation wurde die Lizenz entzogen. Es kostet viel Kraft, weil meine Gegner ständig neue Fronten aufmachen.“
Kommentare