„Es rumpelt heftig im Perjentunnel“
Die Asfinag räumt ein, dass Grenzwerte bei den Sprengungen überschritten worden sind. Anrainer in Stanz beschweren sich über massive Belästigungen. Ein Hausbesitzer befürchtet eine Abwertung seiner Immobilie.
Von Helmut Wenzel
Landeck, Stanz, Zams –Ein Ungetüm auf Rädern bewegt sich zum nächsten Tunnelabschnitt, der freigelegt werden soll. Die Maschine bohrt Löcher, die mit Sprengstoff bestückt werden. Etwa 60 Kubikmeter Gestein lösen sich, per Lkw gelangt der Ausbruch zur Deponie in Zams-Finais. Etwas mehr als 400 Meter Vortrieb haben die Mineure beim Westportal des Perjentunnels II bisher geschafft.
Schlimmer als geahnt sind die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Anrainer im Umfeld des Westportals – im Stanzer Orteil Stampfle. Einige (Namen sind der Redaktion bekannt) machen ihrem Ärger Luft: „Der Lärm von dieser 24-Stunden-Baustelle ist unerträglich. Bei den Sprengungen rumpelt es im Haus, wir haben etliche Risse, Mauern sind abgesackt. Die Erschütterungen sind nachweisbar um das Doppelte und Dreifache heftiger als erlaubt.“
Dazu komme, so die Anrainer, der permanente Piepston der Lkw und jede Menge Staub, der sich auf den Fenstern festsetzt. „Die Abluft der Baustelle steigt ins Siedlungsgebiet.“ Kinder würden an Schlafstörungen leiden, man müsse gesundheitliche Schäden befürchten. „Zu Allerheiligen waren die Belästigungen besonders schlimm.“ Nachdem ein Bagger eine Wasserleitung gekappt habe, sei man stundenlang im Trockenen gesessen.
Von den Erschütterungen schwer betroffen ist eine Zahnarzt-Ordination in Stampfle. Er sei knapp vor einer Schließung der Ordination und entsprechenden Schadenersatzforderungen gestanden, schildert Zahnarzt Alex Rinner: „Es hat überall vibriert, das Röntgengerät hat sich verstellt. Der Lärm war vor allem in der Nacht unerträglich. Mir ist klar, die Mineure können nichts dafür, sie müssen sprengen.“ Sehr wohl aber könne die Politik andere Rahmenbedingungen für die Baustelle setzen, damit derartige Belästigungen unterbleiben.
Ein weiterer Baustellen-Anrainer spricht ebenfalls von unzumutbaren Belastungen: „Unser Schlafzimmer ist nur 70 Meter von den Sprengungen entfernt, auch wir haben Schäden im Haus. Im Sommer konnten wir nie auf der Terrasse sitzen, wegen des Lärms und des Staubs.“ Dass seine Familie für die Einbußen an Lebensqualität entschädigt wird, glaubt er nicht. Zudem befürchtet der Hausbesitzer einen Wertverlust seiner Immobilie. „Die Versicherungsprämie richtet sich ja nach dem Wert des Objekts.“ Daher möchte er per Gutachten eine Neubewertung machen lassen. „Ich schließe derzeit nicht aus, dass wir eines Tages absiedeln“, verriet er. „Noch wissen wir ja nichts von den Belastungen, die mit Inbetriebnahme des Tunnels auf uns zukommen.“
Der Stanzer Bürgermeister Martin Auer, ein ausgebildeter Mediator, ist mit den Beschwerden konfrontiert worden. „Die Situation zwischen Anrainern und Asfinag ist tatsächlich eskaliert“, sagte er am Donnerstag. „Wir haben der Asfinag dann eine Resolution mit entsprechenden Forderungen der Anrainer übergeben.“ Die Asfinag habe sich nach Möglichkeit bemüht, Belastungen zu reduzieren. Zum Beispiel werde in der Zeit von 22 bis 6 Uhr in der Früh nicht mehr gesprengt.
Er bedauere die Belastungen für die Anrainer, hob Asfinag-Projektleiter Richard Loidl am Donnerstag hervor und verwies auf das Monitoring für alle Gebäude im Umfeld der Tunnelachse. Tatsächlich sei es bei den Sprengungen zu Grenzwert-Überschreitungen gekommen. Die Gespräche mit den Anrainern seien dennoch konstruktiv gewesen: „Wir konnten einiges im Sinne der Bewohner verbessern. Die Asfinag wird jedenfalls alle Schäden auf Basis von Gutachten ersetzen.“
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